Euribor Darlehen

Kredite mit variablem Referenzzins

Ein Euribor Darlehen ist ein Kredit, bei dem die Verzinsung an die Entwicklung des Euribor-Zinssatzes gekoppelt ist. Euribor ist die im Bankwesen übliche Abkürzung für "Euro Interbank Offered Rate". Dabei handelt es sich um den Referenz-Zinssatz, den führende Banken im Euro-Raum im Interbankenhandel auf Termingelder in Euro anwenden. Der Euribor hat sich darüber hinaus zu einer wichtigen Bezugsgröße für Kredite und Festgeldanlagen entwickelt. Besonders in der kurz- und mittelfristigen Finanzierung von Immobilien spielen Euribor Darlehen eine erhebliche Rolle.

Oft geht es dabei um Überbrückungskredite mit Laufzeiten vom einem Monat bis zu einem Jahr. Es werden jedoch auch langfristige Immobiliarkredite auf Euribor Basis angeboten. Dabei wird der für eine gewisse Laufzeit - oft 3 oder 6 Monate - geltende Euribor-Zinssatz mit einem Aufschlag versehen, der häufig 0,5 bis 2,5 % beträgt. Aus der Addition von Euribor-Zinssatz und Aufschlag ergibt sich die für den Kredit geltende Gesamtverzinsung.

Kredit

Euribor-Zinssätze werden seit Anfang 1999 an jedem Bankarbeitstag ermittelt und veröffentlicht. Seit dem 01.11.2013 gibt es veröffentlichte Euribor-Zinssätze für Laufzeiten von 1 und 2 Wochen sowie für 1, 2, 3, 6, 9 und 12 Monate. Die rechtlichen Grundlagen der Ermittlung und Veröffentlichung der Euribor-Zinssätze finden sich im Euribor Code of Conduct, der von den Spitzenverbänden der europäischen Kreditwirtschaft erarbeitet und vereinbart wurde. Die Ermittlung der Zinssätze erfolgt dergestalt, dass 32 bestimmte führende Kreditinstitute des Euro-Raums, darunter drei deutsche, täglich bis 10.45 Uhr Brüsseler Zeit ihre jeweiligen Angebotssätze (Briefkurse) für die vorgenannten Laufzeiten an das Finanzinformationsunternehmen Thomson Reuters melden. Dieses ermittelt die jeweiligen Durchschnittssätze und veröffentlicht diese online auf den Informationsseiten von Reuters um 11 Uhr auf drei Stellen nach dem Komma genau. Dabei bleiben jeweils die höchsten und niedrigsten 15 % der mitgeteilten Zinssätze außer Betracht.

Vor- und Nachteile beim Euribor Darlehen

Obwohl der Euribor eigentlich zur Fixierung der Ausleihsätze im kurzfristigen Interbankenhandel gedacht war, ist er heute auch als Referenzgröße im Privatkundengeschäft gebräuchlich. In der Regel wird er im Rahmen von Immobilienfinanzierungen als Bezugsgröße verwendet. Dabei kann es sich im Einzelfall um ein günstiges Darlehen handeln. Ob ein Euribor Darlehen tatsächlich billiges Baugeld bedeutet, ergibt sich allerdings stets aus einer Gesamtbetrachtung der Kreditkonditionen. Ein Darlehen auf Euribor Basis bedeutet, dass anders als beim klassischen Annuitätendarlehen die Höhe der monatlichen Raten nicht langfristig kalkulierbar ist. Die Zinsentwicklung folgt dem Euribor in der Regel in einem Abstand von 3 oder 6 Monaten, sodaß im Jahr zwei- oder viermal eine Zinsanpassung nach oben oder unten erfolgt. Meist erlauben die Kreditbedingungen dem Kreditnehmer, zum Termin der Zinsanpassung mit einer Frist von oft 3 oder 6 Monaten den Kredit ohne Vorfälligkeitsentschädigung zu kündigen.

Während beim Annuitätendarlehen eine Baufinanzierung 5 Jahre oder länger mit einem kalkulierbaren Festzins ausgestattet ist, kann bei einem Darlehen, das beispielsweise an den 3-Monats-Euribor gekoppelt ist, die Zinslast nur bis zum nächsten Anpassungstermin - also oft nur 3 bis 6 Monate lang - vorausgesehen werden. Ein Euribor Darlehen eignet sich daher primär für Überbrückungskredite. Wer ein langfristiges Darlehen auf Euribor Basis wählt, profitiert zwar oft von einem günstigen Anfangszinssatz, muss jedoch auch das Risiko plötzlicher Zinssteigerungen einkalkulieren.

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