Nachrangiges Darlehen

Eigenkapitalersatz: Nachrang-Darlehen

Als nachrangiges Darlehen werden Kreditvereinbarungen bezeichnet, die im Insolvenzfall erst nach den Ansprüchen der übrigen Gläubiger bedient werden. Sie sind diesen Ansprüchen gegenüber insofern 'nachrangig'. Diese besondere Kreditform spielt eine wichtige Rolle in der Unternehmensfinanzierung.

Zwischen Eigen- und Fremdkapital

Kredit

Juristisch betrachtet stellt ein nachrangiges Darlehen einen normalen Kredit mit fester Laufzeit und Zins- und Tilgungsverpflichtungen dar. Das Besondere ist die Nachrang-Abrede. Damit tritt der Kreditgeber im Rang hinter anderen Gläubigern zurück, nicht aber gegenüber den Eigentümern. Im Insolvenzfall wird das Darlehen vor den Eigentümeransprüchen zurückgezahlt.

Wirtschaftlich gesehen nimmt es eine Zwischenstellung zwischen Eigen- und Fremdkapital dar. Da es bis zu einem gewissen Umfang mithaftet, übernimmt es eine wichtige Funktion des Eigenkapitals. Zeitlich begrenzte Laufzeit sowie Zins- und Tilgungszahlungen sind dagegen für Fremdkapital typisch. Nachrang-Darlehen werden daher häufig zum sogenannten Mezzanine-Kapital gerechnet. Der Begriff stammt vom italienischen mezzo = Mitte, zwischen.

Häufig als Gesellschafterdarlehen

Die Mezzanine-Finanzierung ist für ein Unternehmen ein geeignetes Instrument, um die Kreditspielräume zu erweitern. Das nachrangige Darlehen erweitert die Haftungsbasis und reduziert daher für die übrigen Kreditgeber das Ausfallrisiko. Die Bereitschaft zur Kreditvergabe wird dadurch tendenziell größer. Nachrang-Darlehen besitzen insoweit einen doppelt positiven Liquiditätseffekt. Sie führen dem Unternehmen einerseits unmittelbar Kapital zu, darüber hinaus verbessern sie andererseits die Chancen für eine weitere Fremdfinanzierung.

Nachrang-Darlehen werden häufig als Gesellschafterdarlehen gewährt. Dabei bringen Eigentümer eines Unternehmens Kapital in Form eines Darlehens ein, bei dem ein Rangrücktritt gegenüber den übrigen Gläubigern festgelegt ist. Gesellschafterdarlehen werden oft zur Aufstockung der Haftungsbasis und zur Liquiditätszuführung genutzt, wenn Banken zu einer weiteren Finanzierung nicht mehr bereit sind.

Förderdarlehen: Beispiel ERP Kapital für Gründung

Nachrangige Darlehen spielen auch eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit öffentlichen Förderprogrammen. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte ERP Kapital für Gründung. Dieses von der Kreditanstalt für Wiederaufbau durchgeführte und aus dem ERP-Sondervermögen finanzierte Programm können Existenzgründer bekommen, die Probleme mit ihrer Eigenkapitalausstattung haben.

Das ERP Kapital für Gründung bietet Förderadressaten nachrangige Darlehen zur Finanzierung von Sachinvestitionen, Betriebsmitteln und Maßnahmen zur Markterschließung. Darlehen aus dem Programm werden in einer Höhe bis zu 500.000 Euro gewährt. Das Laufzeitzinsdarlehen ist langfristig ausgerichtet und läuft 15 Jahre. Die Zinsen sind über die ersten zehn Jahre fest und werden in diesem Zeitraum besonders verbilligt. In den ersten sieben Jahren handelt es sich um ein tilgungsfreies Darlehen, es sind nur Zinszahlungen zu leisten. Erst danach beginnt die Tilgung. Mit diesem Konditionen hat das ERP Kapital für Gründung als nachrangiges Darlehen de facto einen eigenkapitalähnlichen Charakter.

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