P2p Kredit

Peer-to-Peer-Kredite - was ist das?

Kredite von privat an privat ohne Zwischenschaltung einer Bank - das ist das Prinzip einiger innovativer Online-Marktplätze, die das klassische Kreditgeschäft der Finanzinstitute nachhaltig umkrempeln könnten. Die gängige Bezeichnung dafür lautet Peer-to-Peer-Kredit oder kurz P2P-Kredit. Seit den ersten Internet-Angeboten vor gut zehn Jahren hat diese Form der Finanzierung einen ungeahnten Boom erlebt, die Erfolgsgeschichte ist noch nicht zu Ende.

Geschäftsmodell mit Potentialen

Kredit von Privat

Der P2P-Kredit ist zwar nicht zwangsläufig auf das Internet angewiesen, das Netz hat aber die Verbreitung des Modells nachhaltig gefördert. Internet-Plattformen und -Marktplätze sorgen für eine hohe Transparenz. Sie bringen Anbieter und Nachfrager von Leistungen einfach und effizient zusammen, auch wenn es um Geld geht. Die Idee zum Peer-to-Peer-Lending stammt aus Großbritannien. Im Jahre 2005 ging hier die erste P2P-Plattform an den Start. Bereits im Folgejahr gab es das erste Angebot in den USA. In vielen weiteren Ländern fanden und finden sich seither Nachahmer.

In Deutschland waren im Jahre 2007 eLolly, auxmoney und smava die ersten Anbieter in diesem Bereich. Davon ist bis heute auxmoney mit diesem Geschäftsmodell aktiv, eLolly hat sein Geschäft eingestellt, während smava inzwischen einen anderen Ansatz verfolgt. Dafür etablierten sich weitere Plattformen: Lendico Ende 2013, Zencap in 2014 und Crosslend in diesem Jahr. Trotz dieser inzwischen beachtlichen Vielfalt ist der P2P-Kredit in Deutschland noch nicht so verbreitet wie im angelsächsischen Raum. Es besteht noch Entwicklungspotential.

Einfaches Prinzip - standardisierte Ratenkredite

Das Prinzip beim P2P-Kredit ist einfach. Private Kreditnehmer stellen auf dem jeweiligen Online-Marktplatz ihren Kreditwunsch vor und bieten dafür bestimmte Konditionen. User haben dann die Möglichkeit, sich als Geldgeber an dem Kreditprojekt zu beteiligen. Wenn die nötige Summe eingesammelt ist, wird das Vorhaben geschlossen und der Kredit kann zustande kommen. Die Online-Plattform betätigt sich in diesem Zusammenhang als Vermittler und Abwickler des Kreditgeschäftes.

Damit das funktioniert, sind gewisse Standardisierungen nötig. Schon aus Risikogründen sind die Kreditsummen limitiert und erreichen üblicherweise nicht mehr als 30.000 Euro. Dabei handelt es sich um typische Ratenkredite mit festen Zinsen und regelmäßiger Ratenzahlung. Es können unterschiedliche Laufzeit-Optionen gewählt werden, die Maximallaufzeit liegt bei sechs Jahren.

Nicht ohne Prüfung der Bonität

Leihen online kann bei allen Plattformen unkompliziert und mit nur wenigen Angaben bewerkstelligt werden. Allerdings verzichtet auch keiner der Online-Marktplätze auf eine Bonitätsprüfung. Das ist schon deshalb notwendig, um das Risiko der potentiellen Kreditgeber in Grenzen zu halten und die Bereitschaft zur Kreditvergabe zu fördern. Neben dem Identitätsnachweis des Kreditnehmers gehört dazu die übliche Schufa-Abfrage. Es sind auch Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge und andere relevante Unterlagen vorzulegen. Die meisten Plattformen nutzen außerdem Scoring- oder Ratingverfahren zur Bonitäts- und Risikoeinstufung. Das Prüfungsergebnis entscheidet dann über die Platzierung des Kreditwunsches und in der Regel auch über die Konditionen. Bei größerem Risiko müssen höhere Zinssätze geboten werden.

Attraktive Alternative zur Bankfinanzierung

Der P2P-Kredit ist daher grundsätzlich keine Option für einen Kredit ohne Schufa und Einkommensnachweis. Im Unterschied zu Kreditanfragen bei Banken haben hier aber auch solche Kreditnehmer eine Chance, bei denen die Schufa-Merkmale nicht erstklassig sind. Besonders interessant sind Peer-to-Peer-Kredite für Selbständige und Freiberufler, die häufig bei Banken wegen des fehlenden gesicherten Einkommens Schwierigkeiten haben, einen Kredit zu vertretbaren Konditionen zu erhalten.

Der P2P-Kredit bildet in vielen Fällen eine attraktive Alternative sowohl für Kreditnehmer als auch für Kreditgeber. Kreditprüfung, -beantragung und -abwicklung finden weitgehend standardisiert und automatisiert statt. Die Plattformen müssen auch nicht wie Banken einen teuren Verwaltungsapparat und Filialen unterhalten. Das Bankenaufsichtsrecht ist für sie als reine Vermittler ebenfalls nicht relevant. Alle dies spart Kosten, die in Form günstiger Kreditzinsen an die Kreditnehmer und über hohe Zinserträge an die Kreditgeber weitergeben werden können. Die Plattformen finanzieren sich selbst über Gebühren für Vermittlung und Abschluss, die in der Regel von den Kreditnehmern zu zahlen sind.

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