Privatinsolvenz Ablauf

So läuft das Privatinsolvenzverfahren ab

Um stets den Überblick über das Verfahren zu behalten, sollte man bei einer Privatinsolvenz den Ablauf kennen, bevor man sie beantragt. Das Privatinsolvenzverfahren läuft stets in vier verschiedenen Abschnitten ab. In der Regel ist es sinnvoll, sich bei allen Schritten von einer Schuldnerberatungsstelle oder einem Rechtsanwalt unterstützen zu lassen. Zunächst wird ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern durchgeführt. Dabei fordert der Schuldner zunächst alle Gläubiger auf, ihm eine detaillierte Aufstellung ihrer Forderungen gegen ihn zu schicken.

Auf dieser Basis wird anschließend der Schuldenbereinigungsplan erstellt. Er gibt einen Überblick über sämtliche Schulden des Betroffenen mit den jeweiligen Fälligkeiten. Im Anschluss daran verhandelt der Schuldner mit seinen Gläubigern, um einen teilweisen Forderungsverzicht oder Verlängerungen der Laufzeit der Verbindlichkeiten herbeizuführen.

Privatinsolvenz

Ist der außergerichtliche Einigungsversuch gescheitert, stellt der Schuldner beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf die Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens. Dabei muss der Betroffene auch einen Nachweis des Scheiterns des außergerichtlichen Einigungsverfahrens einreichen, der von einer dazu qualifizierten Stelle ausgestellt wurde. Außerdem ist auch sinnvoll, bereits zu diesem Zeitpunkt die Restschuldbefreiung zu beantragen. Ferner sind dem Gericht auch Unterlagen zum Nachweis des vorhandenen Vermögens und ein Gläubigerverzeichnis mit sämtlichen Forderungen zu übergeben. Der Schuldenbereinigungsplan ist ebenfalls beizufügen.

Der weitere Ablauf des Privatinsolvenzverfahrens

Eröffnet das Amtsgericht die Privatinsolvenz beginnt die sogenannte Wohlverhaltensphase. Sie stellt den längsten Abschnitt des Verfahrens dar, der in der Regel sechs Jahre dauert. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, verkürzt sich diese Phase auf drei beziehungsweise fünf Jahre. Eine Befriedigungsquote von mindestens 35 Prozent ist die Bedingung dafür, dass bei einer Privatinsolvenz der Ablauf auf nur drei Jahre verkürzt wird. Schafft der Schuldner es, die Verfahrenskosten selbst zu tragen, erfolgt eine Verkürzung auf fünf Jahre. Es wird ein Treuhänder bestellt, der das Vermögen des Schuldners verwaltet. Er hat die Aufgabe, das verfügbare Vermögen des Schuldners zu liquidieren und den Erlös unter den Gläubigern aufzuteilen. Auch das laufende Einkommen wird gemäß Pfändungstabelle direkt vom Arbeitgeber eingefordert und zur Begleichung der Schulden verwendet. Der Selbstbehalt bei einer Privatinsolvenz richtet sich insbesondere nach den Unterhaltsverpflichtungen des Schuldners.

Nachdem diese Wohlverhaltensphase erfolgreich absolviert wurde, die auch die Pflicht zum Nachgehen einer regelmäßigen Arbeit und verschiedene Meldepflichten umfasst, kann die Restschuldbefreiung erfolgen. Diese wird vom Amtsgericht ausgesprochen, das zeitgleich auch die Einstellung des Privatinsolvenzverfahrens beschließt. Nach der Restschuldbefreiung hat der Betroffene keinerlei Schulden mehr und kann einen finanziellen Neuanfang wagen. Verstößt der Schuldner während der Wohlverhaltensphase gegen eine oder mehrere seiner Obliegenheiten, verweigert das Gericht regelmäßig die Restschuldbefreiung, wenn ein Gläubiger dies beantragt.

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