Privatinsolvenz Kosten

Was kostet eine Verbraucherinsolvenz?

Obwohl sich die manchmal als Privatinsolvenz bezeichnete Verbraucherinsolvenz haupstächlich an Menschen richtet, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Gläubiger zu bezahlen bzw. kaum Chancen auf eine außergerichtliche EInigung haben, ist das Verfahren selbst nicht ganz kostenlos. Wie viel die Privatinsolvenz kosten wird, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise ob man sich für das Regelverfahren oder das neuere, vereinfachte Verfahren entscheidet, ob man in der Lage ist, den "Meilenstein" zu erreichen und natürlich damit, wie hoch der Schuldenberg überhaupt ist.

Regelungen zu den Kosten der Privatinsolvenz

Privatinsolvenz

Die wohl wichtigste Regelung im Zusammenhang mit den Kosten einer Privatinsolvenz ist, dass diese von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen sind. Selbst wenn während des gesamten Verfahrens kein einziger Euro aufgebracht werden konnte, müssen diese trotzdem bezahlt werden. Da die Privatinsolvenz aber auch einen Neuanfang bieten soll, können diese nach dem Verfahren in kleinen Raten abgezahlt werden, Zinsen oder ähnliches kommen hier nicht hinzu und im Regelfall sind die Gerichte relativ geduldig.

Darüber hinaus sind die Privatinsolvenz Kosten folgendermaßen geregelt:

  • Die ersten Gebühren werden bereits für das Beratungsgespräch fällig, können aber durch die sogenannte "Beratungshilfe" übernommen werden. Die Höhe wird von Kommune und Bundesland bestimmt.
  • Im Regelverfahren liegen die Kosten für den Treuhänder bei 15% der Gesamtmasse oder mindestens 800 Euro zzgl. Mehrwertsteuer.
  • Hinzu kommen 5% von jeder errichteten Zahlung. Dieser Wert sinkt, je höher die bezahlten Beiträge werden.
  • Im vereinfachten Verfahren kostet der Treuhänder 5% der Gesamtmasse oder 100 Euro pro Jahr zzgl. Mehrwertsteuer.
  • Die Gerichtskosten sind abhängig vom pfändbaren Vermögen und liegen typischerweise zwischen 300 und 500 Euro.

Alle anfallenden Kosten, abgesehen von den Prozenten des Treuhänders, werden erst nach Abschluss des Verfahrens, also nach der eigentlichen Restschudlbefreiung fällig. Dies ist deswegen von Vorteil, weil sich das Gericht so einen Überblick verschaffen und zusammen mit dem Antragsteller eine Ratenzahlung vereinbaren kann, die der finanziellen Situation entspricht.

Meilensteine zur Senkung der Kosten

Erreicht der Schuldner während der Wohlverhaltensphase einen sogenannten "Meilenstein", können sich die Kosten durch ein deutlich verkürztes Verfahren herabgesenkt werden. Dies gilt wohlgemerkt nicht für die Gerichtskosten, aber für den prozentualen Anteil des Insolvenzverwalters/Treuhänders oder die Mindestkosten in Höhe von 100 Euro pro Jahr zzgl. Mehrwertsteuer. Die Voraussetzung dafür ist jedoch eine Begleichung von mindestens 35% der Gesamtschuld sowie der voraussichtlichen Gerichtskosten.

Im vereinfachten Verfahren, das im Jahre 2014 eingeführt wurde, fällt dieser Meilenstein weg. Es gibt jedoch einen zweiten, der für beide Verfahren gültig ist. Sollten nach fünf Jahren zumindest die bis dato anstehenden Kosten beglichen sein, kann die Restschuldbefreiung bereits ein Jahr früher beantragt werden und es kommen keine weiteren Kosten hinzu. Zwar ist das Sparpotential bezogen auf die Kosten hierbei nur begrenzt, der Meilenstein wurde jedoch hauptsächlich aufgrund der verkürzten Verfahrenszeit eingeführt.

Privatinsolvenz Kosten - Rechenbeispiele

Ein mittelständischer Schuldner mit festem Arbeitsplatz und Einkommen hat eine Gesamtschuld von mehr als 50.000 Euro. Die Beratungshilfe wird ihm aufgrund des Einkommens versagt. Die initiale Beratung kostet ihn 75 EUR. Der Schuldner schafft es, den Meilenstein von 35% nach drei Jahren zu erreichen. Dadurch werden ihm die weiteren Kosten erlassen. Bis dato hat er etwa 2700 Euro an den Treuhänder und 1200 Euro Gerichtskosten, also ingesamt 3975 Euro, abgetreten. Weitere Kosten kommen jedoch nicht auf ihn zu und das Verfahren wird bereits frühzeitig beendet.

Ein wenig verdienender Angestellter mit festem Arbeitsplatz und geregeltem Einkommen hat eine Gesamtschuld von etwa 30.000 Euro. Auch ihm wird die Beratungshilfe verwehrt, die Kommune hat die Gebühren für das Beratungsgespräch auf 35 EUR festgelegt. Aufgrund des geringen Einkommens verfehlt der Schuldner die Meilensteine nach drei sowie nach fünf Jahren. Er zahlt die vollen Kosten. Aufgrund der vergleichsweise geringen Zahlungen hat der Insolvenzverwalter sich für die Mindestgebühr von 100 Euro pro Jahr entschieden. Die Gerichtskosten belaufen sich auf 650 Euro. Insgesamt hat der Schuldner Gebühren in Höhe von 3137 Euro bezahlt.

Ein ungelernter Arbeitsuchender im ALG-II-Bezug hat eine Gesamtschuld von etwa 10.000 Euro. Ihm wird die Beratungshilfe gestattet. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 10 Euro. Aufgrund seiner finanziellen Situation liegt der pfändbare Teil des Einkommens bei 0. Es können keine Meilensteine erreicht werden und der Insolvenzverwalter veranschlagt lediglich die Mindestgebühren. Die Gerichtskosten belaufen sich aufgrund des geringen pfänbaren Vermögens auf 300 Euro. Nach sechs Jahren tritt die Restschuldbefreiung ein, der Schuldner wird ab jetzt 1100 Euro in Raten abzahlen.

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