Kredit für Motorrad

Mit dem Kredit für ein Motorrad ist es ähnlich wie mit dem Autokredit. Händler und die zum Hersteller gehörige Bank umwerben den Käufer mit attraktiven Angeboten. Niedrige Monatsraten lassen den Traum von der großen Maschine in greifbare Nähe rücken.

Mit Kreditrechnern aus dem Internet lässt sich herausfinden, ob das Angebot wirklich günstig ist.

  • Ein gutes Motorrad kostet heute so viel wie ein Klein- oder Mittelklassewagen.
  • Entsprechend hoch sind die Darlehenssummen, wenn nicht so viel Bargeld flüssig ist.
  • Kleine Unterschiede in den Zinsen oder der Vertragskonstruktion können sich in den Kreditkosten deshalb sehr deutlich bemerkbar machen.
  • Die Finanzierung über Händler bzw.
  • Herstellerbank funktioniert häufig nach dem Prinzip des sogenannten Ballonkredits.

Einerseits wird eine Anzahlung vorausgesetzt, zum Beispiel 20 % des Kaufpreises. Das ist meist kein Problem, weil ein gebrauchtes Motorrad in Zahlung gegeben wird oder gewisse Eigenmittel vorhanden sind. Weit schwieriger ist dagegen die hohe Schlussrate, der „Ballon“ am Ende der Laufzeit. Anzahlung und Schlussrate führen zwar dazu, dass die monatlichen Raten auf dem Papier niedrig aussehen. Dadurch darf man sich aber nicht täuschen lassen, denn nach drei, vier oder fünf Jahren muss auch der Ballon bezahlt werden. Ist das Geld dann nicht zusammengespart, muss eine Anschlussfinanzierung her. Außerdem verteuert der Ballon schon zuvor den Kredit, weil über die gesamte Laufzeit eine hohe Restschuld bleibt.

Bankkredit mit höherem Zins kommt billiger

Stellen wir dazu eine Vergleichsrechnung an. Auf dem Wunschzettel steht ein Motorrad zum Kaufpreis von 15.000 Euro. 20 % werden angezahlt, aus vorhandenem Sparguthaben und durch Verkauf der alten Maschine. Es bleiben 12.000 Euro zu finanzieren. Der Händler bietet einen Kredit für das Motorrad mit günstigen 2,5 % Zinsen bei drei Jahren Laufzeit. Das ergibt Monatsraten von rund 240 Euro, allerdings bei einer Restschuld von 4.000 Euro. Diese Variante hat Sie über die drei Jahre 612 Euro an Zinsen gekostet, und Sie müssen überlegen, wie Sie die fehlenden 4.000 Euro aufbringen. Eine Anschlussfinanzierung würde sie nochmals eineinhalb Jahre binden und es fallen weitere 75 Euro Zinsen an, falls die Konditionen gleich wären. Vermutlich wird die Anschlussfinanzierung aber deutlich teurer, weil sie vom Händler nicht mehr subventioniert wird. Vergleichen wir diese Rechnung mit einem Bankkredit zu 3,5 % Zinsen, ebenfalls mit dreijähriger Laufzeit, aber ohne Restschuld. Die Monatsrate steigt auf gut 350 Euro, und Sie zahlen insgesamt 660 Euro an Zinsen. Dafür gehört das Motorrad aber mit der letzten Rate Ihnen, ohne dass Sie sich Sorgen um einen neuen Kredit und dessen fragliche Konditionen machen müssten. In der Summe schlägt der scheinbar teurere Bankkredit sogar das Händlerangebot plus Anschlussfinanzierung. Wenn Sie jetzt noch einrechnen, dass Sie als Barzahler beim Händler ganz anders auftreten und einen satten Rabatt aushandeln können, wird das Angebot der Bank nochmals attraktiver.

Motorrad Kredit

Der Motorrad-Kredit ist in der jährlichen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bankenfachverbands e. V. nur eine Randnotiz.

Gerade einmal 1 % der Befragten gab an, einen Ratenkredit für die Anschaffung von Motorrad, Roller oder Mofa nutzen zu wollen. Dabei kann der Preis eines schönen Motorrads den eines Klein- oder Mittelklassewagens durchaus toppen.

  • Natürlich hat die geringe Zahl von Finanzierungen hauptsächlich etwas mit den Fahrzeugzulassungen zu tun.
  • Auf monatlich etwa 300.000 fabrikneu zugelassene Kraftfahrzeuge, davon etwas mehr als ein Drittel von privaten Haltern, kommen nur gut 10.000 Krafträder.
  • Eine schöne Maschine mit ein paar Extras kann durchaus mit über 20.000 Euro in der Preisliste stehen.
  • Das überfordert viele Motorradfreunde, die eine solche Summe nicht aus laufendem Einkommen oder Rücklagen finanzieren können oder nicht so lange warten möchten, wenn das Frühjahr naht und der Händler ein gutes Angebot macht.
  • Bis zur Bank muss man für den Motorrad-Kredit gar nicht erst laufen, denn Hersteller oder Händler halten Finanzierungsangebote bereit, um den Kauf schmackhaft zu machen.

Die Konditionen sind günstig, weil das Motorrad als Sicherheit dienen kann. Gleichzeitig kann der Händler seinen Absatz so lenken, dass bestimmte Motorradtypen schneller verkauft werden, zum Beispiel um den Hof für das Nachfolgemodell frei zu bekommen oder wenn der Hersteller einen besonderen Erfolg in der Zulassungsstatistik anstrebt.

Die Banken halten mit

Mit Blick auf den Wettbewerbsdruck, aber auch wegen des geringeren Risikos eines Zahlungsausfalls bei einer Sicherungsübereignung des Motorrads, sind Bankkredite mit dem Verwendungszweck Pkw oder Motorrad günstiger als Darlehen zur freien Verwendung. Selbst wenn der angegebene Effektivzins höher ist als beim Zweiradhändler, lohnt ein genauer Blick. Fahrzeugkredite sind oft als sogenannte Ballonkredite ausgestaltet. Der Ballon ist dabei eine hohe Schlussrate, die am Ende der Laufzeit fällig wird. Das hat zwei Nachteile: Erstens muss die Zahlung der Rate sichergestellt sein, ansonsten ist eine Anschlussfinanzierung zu nicht vorhersehbaren Konditionen erforderlich. Zweitens ist die Restschuld über die gesamte Kreditlaufzeit relativ hoch, und das verteuert selbst bei niedrigem Zins die absoluten Kreditkosten. Die Bank bietet dagegen üblicherweise einen normalen Ratenkredit, der gleichbleibend hohe Monatsbeträge für Tilgung und Zinsen vorsieht. Dazu ein Rechenbeispiel: Für ein neues Motorrad bleibt nach Abzug des in Zahlung gegebenen Gebrauchtfahrzeugs und des Eigenkapitals ein Finanzierungsbedarf von 10.000 Euro. Der Händler bietet eine Finanzierung über drei Jahre mit einer günstigen Monatsrate von 160 Euro an. Am Ende der Laufzeit ist aber eine Schlussrate von 5.000 Euro fällig. Eine Bank verlangt 3,5 % Zinsen und setzt die Rate mit 293 Euro an – fast doppelt so viel, dafür ist das Motorrad aber nach drei Jahren vollständig bezahlt. Die Gesamtkosten des Bankkredits belaufen sich auf 548 Euro, für den Kredit beim Händler wären wegen der hohen Restschuld 681 Euro an Zinsen angefallen. Die Kosten einer Anschlussfinanzierung kämen gegebenenfalls noch hinzu. Die Bank schneidet damit trotz des höheren Zinssatzes klar besser ab, außerdem lassen sich Verhandlungsspielräume als Barzahler nutzen.


Marcel Ziegler

Als ehemaliger Finanz- und Honorarberater habe ich jahrelang direkt mit Privatkunden gearbeitet und weiß daher aus eigener Erfahrung, welche Fehler Menschen beim Umgang mit Geld machen. Ich kenne die Fallstricke von Bank- und Versicherungsprodukten und habe es mir zur Aufgabe gemacht, das Thema Finanzen so zu erklären, dass es wirklich jeder versteht.


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