Tagesgeld eignet sich vor allem für Geld, auf das Sie jederzeit zugreifen können müssen und das trotzdem Zinsen bringen soll. Als Sicherheitsreserve, oft auch Notgroschen genannt, hilft es bei finanziellen Engpässen. Dazu zählen zum Beispiel eine Autoreparatur, ein defektes Haushaltsgerät oder eine unerwartete Rechnung.
Tagesgeld verbindet schnellen Zugriff mit einem geringen Anlagerisiko. Das Guthaben liegt auf einem Tagesgeldkonto und ist grundsätzlich täglich ohne Kündigungsfrist verfügbar. Direkt vom Tagesgeldkonto können Sie jedoch häufig nicht bezahlen. Meist überweisen Sie den benötigten Betrag zuerst auf Ihr Girokonto und begleichen die Rechnung von dort.
Tagesgeld ersetzt weder das Girokonto für laufende Ausgaben noch langfristige Geldanlagen. Es ist für Ihre Reserve und für Geld gedacht, das Sie in absehbarer Zeit brauchen.
Wofür Tagesgeld als Reserve sinnvoll ist
Eine Reserve auf dem Tagesgeldkonto deckt Ausgaben ab, die selten anfallen, aber teuer sein können. Dazu gehören zum Beispiel:
- eine Reparatur oder der Ersatz eines Haushaltsgeräts,
- eine Autoreparatur,
- eine hohe Nachzahlung,
- notwendige Ausgaben nach einem Umzug,
- eine vorübergehende Einkommenslücke.
Ohne Rücklage müssen Sie solche Rechnungen oft mit dem Dispokredit oder einem Ratenkredit bezahlen. Diese Kredite kosten in der Regel deutlich mehr als ein Tagesgeldkonto. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, genug Geld für unerwartete Ausgaben zurückzulegen.
Tagesgeld eignet sich auch für geplante Ausgaben in den nächsten Monaten oder Jahren. Geld für einen Urlaub, einen Umzug oder eine Hochzeit bleibt dort verfügbar. Sie müssen sich dabei nicht wie beim Festgeld für längere Zeit binden. Für Geld, das Sie viele Jahre nicht brauchen, ist Tagesgeld dagegen nicht automatisch geeignet.
Wie hoch sollte die Reserve sein?
Als grobe Orientierung nennen die Verbraucherzentralen zwei bis drei monatliche Nettoeinkommen beziehungsweise Monatsgehälter.
Diese Faustformel ist kein fester Mindestbetrag. Maßgeblich sind Ihre eigenen Ausgaben und Risiken.
Eine größere Reserve kann sinnvoll sein, wenn Sie:
- ein schwankendes Einkommen haben,
- selbstständig arbeiten,
- ein älteres Auto regelmäßig benötigen,
- hohe monatliche Fixkosten tragen,
- mit absehbaren Pflege- oder Gesundheitsausgaben rechnen.
Wer sehr geringe laufende Kosten hat oder auf andere verfügbare Rücklagen zurückgreifen kann, braucht möglicherweise weniger Geld auf dem Tagesgeldkonto. Rechnen Sie einfach: Addieren Sie die Ausgaben, die Sie auch bei einem vorübergehenden Einkommensausfall weiter bezahlen müssten. Dazu kommt ein Betrag für typische Notfälle.
Zinsangebote richtig vergleichen
Der Zinssatz bestimmt, wie stark Ihre Reserve wächst. Er sollte aber nicht das einzige Kriterium sein. Ein beworbener Spitzenzins gilt oft nur für Neukundinnen und Neukunden, für neues Geld oder für einen bestimmten Zeitraum. Danach sinkt der Zinssatz meist auf das normale Niveau des Kontos. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen erklärt die Unterschiede bei Tagesgeldzinsen.
Prüfen Sie bei jedem Angebot mindestens diese Punkte:
-
Wie lange gilt der Zinssatz?
Ein Aktionszins ist nur für den genannten Zeitraum relevant. Danach zählt der Anschlusszins. -
Welche Bedingungen gelten?
Achten Sie auf Vorgaben für Neukundschaft, neues Geld oder einen bestimmten Anlagebetrag. -
Wie wird der Zins angepasst?
Bei Tagesgeld kann die Bank den Zinssatz verändern. Kontrollieren Sie die Konditionen deshalb regelmäßig. -
Für welchen Betrag gilt der Zinssatz?
Manche Angebote begrenzen den besonders hohen Zins auf einen bestimmten Guthabenbereich.
Ein Beispiel zeigt den Unterschied: Ein hoher Zinssatz für kurze Zeit kann zunächst attraktiv sein. Für eine dauerhafte Sicherheitsreserve zählt aber der Zinssatz nach dem Aktionszeitraum. Ein etwas niedrigeres Angebot mit klaren Bedingungen kann daher praktischer sein als ein kurzfristiger Spitzenzins.
Ein höherer Zins schützt nicht automatisch vor Kaufkraftverlust. Liegt die Inflationsrate über dem Habenzins, können Sie sich später weniger von dem Geld kaufen. Die Verbraucherzentrale erläutert den Zusammenhang zwischen Zinsen und Inflation. Für eine Notfallreserve ist der schnelle Zugriff trotzdem wichtiger als die höchstmögliche Rendite.
Zinsangebot in der Praxis bewerten
| Prüffrage | Gute Entscheidung für eine Reserve |
|---|---|
| Gilt der Zinssatz dauerhaft? | Anschlusszins und mögliche Änderungen sind nachvollziehbar |
| Gilt der Zinssatz nur für Neukundschaft? | Sie kennen den Zinssatz nach dem Ende der Aktion |
| Gibt es eine Mindestanlage? | Der Betrag passt zu Ihrer geplanten Reserve |
| Wird der Zins regelmäßig angepasst? | Sie haben eine Erinnerung zur Konditionsprüfung |
| Liegt das Geld langfristig ungenutzt? | Sie prüfen zusätzlich andere Anlageformen mit passenderem Zeithorizont |
Verfügbarkeit und Referenzkonto prüfen
„Täglich verfügbar“ bedeutet bei Tagesgeld vor allem: Sie können das Guthaben ohne Kündigungsfrist anfordern. Das Konto funktioniert aber oft nicht wie ein Girokonto. Bei vielen Tagesgeldkonten sind Überweisungen an beliebige Empfänger und Lastschriften nicht möglich.
Stattdessen hinterlegen Sie ein Referenzkonto, meist Ihr eigenes Girokonto. Das Geld wird dann zuerst dorthin überwiesen. Prüfen Sie vor der Eröffnung:
- ob nur das eigene Referenzkonto verwendet werden darf,
- wie Sie dieses Konto ändern können,
- ob die Bank Überweisungen oder andere Auszahlungswege vorsieht,
- ob die Zugangswege zu Onlinebanking und Zwei-Faktor-Anmeldung für Sie praktikabel sind.
Legen Sie die Reserve nicht bei einer Bank an, bei der Sie im Notfall nicht zuverlässig auf das Geld zugreifen können. Testen Sie nach der Einrichtung eine kleine Überweisung. So sehen Sie früh, ob Referenzkonto, Zugang und Ablauf funktionieren.
Einlagensicherung: 100.000 Euro pro Bank und Kunde
Tagesgeld bei einer Bank mit gesetzlichem Einlagensicherungssystem ist grundsätzlich bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Die Grenze gilt nicht für jedes Konto einzeln. Mehrere Tagesgeldkonten bei derselben Bank erhöhen den gesetzlichen Schutz daher nicht.
Prüfen Sie vor der Kontoeröffnung, welchem Sicherungssystem die Bank angehört. Für deutsche Banken bietet die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken Informationen zur gesetzlichen Einlagensicherung. Bei Banken aus anderen EU-Ländern ist grundsätzlich das Sicherungssystem des jeweiligen Heimatlandes zuständig.
So behandeln Sie höhere Guthaben
Liegt die geplante Reserve über 100.000 Euro, verteilen Sie das Geld auf mehrere Banken, wenn Sie den gesetzlichen Schutz vollständig nutzen wollen. Dabei zählt die Bank, nicht die Marke oder das einzelne Konto. Prüfen Sie deshalb, ob mehrere Angebote wirklich von verschiedenen Instituten stammen.
Die Einlagensicherung schützt Bankguthaben. Sie schützt nicht vor fallenden Kursen bei Wertpapieren und ersetzt auch nicht die Prüfung der Bankverbindung. Wählen Sie für Ihre Reserve keine unklare Lösung, nur weil sie einen höheren Zinssatz verspricht.
Tagesgeld oder Festgeld?
Tagesgeld ist besser geeignet, wenn Sie nicht wissen, wann Sie das Geld brauchen. Eine Autoreparatur oder ein Einkommensausfall lässt sich nicht zuverlässig planen. Festgeld bindet das Geld dagegen für eine festgelegte Laufzeit. Es passt eher zu einem Betrag, den Sie bis zu einem bestimmten Termin nicht benötigen.
Die Entscheidung lässt sich einfach aufteilen:
- Ungeplanter Notfall: Tagesgeld
- Geplante Ausgabe in absehbarer Zeit: Tagesgeld oder eine passende Festgeldlaufzeit
- Geld für viele Jahre: Prüfung langfristiger Anlageformen
- Laufende Rechnungen und tägliche Zahlungen: Girokonto
Verteilen Sie die gesamte Reserve nicht auf mehrere Produkte mit unterschiedlichen Laufzeiten, wenn dadurch der Zugriff im Notfall unübersichtlich wird. Die erste Reserve sollte schnell auffindbar und ohne komplizierte Schritte nutzbar sein.
Praktische Einrichtung in vier Schritten
- Monatliche Pflichtausgaben ermitteln: Erfassen Sie Miete, Versicherungen, Kredite, Energie, Lebensmittel und weitere feste Zahlungen.
- Notfallbetrag festlegen: Nutzen Sie zwei bis drei Nettoeinkommen als Ausgangspunkt und passen Sie den Betrag an Einkommen, Haushalt und absehbare Ausgaben an.
- Konto prüfen: Vergleichen Sie Aktionsdauer, Anschlusszins, Verfügbarkeit, Referenzkonto und Einlagensicherung.
- Reserve getrennt halten: Überweisen Sie den Betrag auf das Tagesgeldkonto und kontrollieren Sie die Konditionen in regelmäßigen Abständen.
Eine automatische monatliche Überweisung hilft beim Aufbau. Wenn die Zielsumme erreicht ist, reicht es, den Betrag gelegentlich anzupassen. Das kann nach einer Gehaltserhöhung, einem Jobwechsel, einem Umzug oder einer größeren Änderung der Fixkosten nötig sein.
FAQ
Wie viel Geld sollte ich auf dem Tagesgeldkonto lassen?
Als Orientierung gelten zwei bis drei monatliche Nettoeinkommen. Bei schwankendem Einkommen, hohen Fixkosten oder absehbarem Pflegebedarf kann eine größere Reserve sinnvoll sein. Berechnen Sie den Betrag anhand Ihrer eigenen Pflichtausgaben und typischen Notfallkosten.
Ist Tagesgeld wirklich jederzeit verfügbar?
Das Guthaben ist grundsätzlich täglich und ohne Kündigungsfrist verfügbar. Bei vielen Konten können Sie jedoch nicht direkt damit bezahlen, sondern müssen es zunächst auf das hinterlegte Girokonto überweisen.
Was passiert nach dem Ende eines Aktionszinses?
Nach dem Aktionszeitraum gilt der reguläre Zinssatz des Kontos. Dieser liegt oft deutlich niedriger als der beworbene Einstiegszins. Prüfen Sie deshalb vor der Eröffnung den Anschlusszins und vergleichen Sie die Konditionen später erneut.
Sind 100.000 Euro auf jedem Tagesgeldkonto geschützt?
Der gesetzliche Schutz gilt bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank, sofern die Bank einem zuständigen gesetzlichen Einlagensicherungssystem angehört. Mehrere Konten bei derselben Bank erhöhen die Grenze nicht.
Was ist besser: Tagesgeld oder Festgeld für den Notgroschen?
Für einen echten Notgroschen ist Tagesgeld meist passender, weil Sie den Auszahlungszeitpunkt nicht kennen. Festgeld eignet sich eher für Geld, das bis zu einem festgelegten Termin nicht benötigt wird.
Was mache ich, wenn ich mehr als 100.000 Euro als Reserve habe?
Prüfen Sie die beteiligten Sicherungssysteme und verteilen Sie größere Guthaben auf mehrere Banken, wenn Sie die gesetzliche Grenze je Bank einhalten möchten. Achten Sie dabei darauf, dass verschiedene Marken nicht zwingend verschiedene Banken sind.
Kernaussagen
- Reserve festlegen: Orientieren Sie sich an zwei bis drei monatlichen Nettoeinkommen und berücksichtigen Sie schwankendes Einkommen sowie absehbare Sonderausgaben.
- Verfügbarkeit prüfen: Tagesgeld ist grundsätzlich täglich verfügbar, aber Auszahlungen laufen häufig zunächst über ein hinterlegtes Girokonto.
- Zinsbedingungen vergleichen: Achten Sie neben dem Einstiegszins auf Aktionsdauer, Anschlusszins, Voraussetzungen und spätere Zinsänderungen.
- Einlagensicherung beachten: Der gesetzliche Schutz gilt bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank, nicht pro Konto.
- Kaufkraft einordnen: Tagesgeld hält Geld liquide und vergleichsweise sicher, schützt aber nicht automatisch vor Inflation.