Wer ein Haushaltsgerät, ein Smartphone oder eine andere größere Anschaffung nicht sofort bezahlen möchte, kann den Betrag auf Raten verteilen oder erst später begleichen. Solche Angebote erleichtern die Planung, binden aber einen Teil des künftigen Einkommens. Beim Kauf auf Rechnung mit späterer Abbuchung oder beim Ratenkauf fällt die zusätzliche Zahlungspflicht beim Einkauf oft kaum auf.
Dafür gibt es mehrere plausible Erklärungen: Raten verteilen hohe Ausgaben, Zahlungspausen schonen kurzfristig das Konto und digitale Angebote lassen sich oft direkt beim Kauf auswählen. Die verfügbaren Daten enthalten jedoch keine verlässliche bundesweite Statistik, die belegt, dass Verbraucher mehr Anschaffungen finanzieren. Auch der Anstieg der Überschuldung beweist für sich genommen nicht, dass mehr Menschen auf Kredit kaufen.
Warum Ratenkäufe verlockend sind
Eine Rate verteilt einen hohen Kaufpreis auf kleinere Beträge. Wer eine notwendige Anschaffung nicht aus dem laufenden Einkommen bezahlen kann, verteilt die Kosten auf mehrere Monate. Bei einer Zahlungsaufschiebung wird der Betrag erst später vom Konto abgebucht. Diese Möglichkeit ist bequem, kann aber dazu führen, dass mehrere fällige Beträge zeitlich zusammenfallen.
Kauf und Kreditentscheidung finden oft direkt im Bestellvorgang statt. Verbraucher müssen dafür nicht unbedingt zuerst einen separaten Kreditvertrag suchen, denn sie können die Finanzierung dort auswählen. Das macht solche Angebote attraktiv. Die verfügbaren Zahlen zeigen allerdings nicht, wie häufig Menschen diese Angebote nutzen oder ob die Nutzung zunimmt.
Hier geht es zum passenden Kredit
Auch finanzieller Druck in Haushalten könnte eine Rolle spielen. Creditreform berichtete 2025 von einem Anstieg der Zahl überschuldeter Erwachsener in Deutschland gegenüber dem Vorjahr. Als einen Grund nennt die Organisation aufgebrauchte finanzielle Reserven nach mehreren Krisen. Sie berichtet auch von steigender Überschuldung bei Menschen mit mittleren oder überdurchschnittlichen Einkommen. Daraus folgt jedoch kein direkter Nachweis, dass diese Menschen häufiger Anschaffungen finanzieren. Die Zahlen beschreiben Überschuldung, nicht die Nutzung von Ratenkäufen.
Auch die Kreditvergabe verändert die Auswahl für Verbraucher. Ein Bericht der Südwest Presse, der sich auf Verivox und die Bundesbank beruft, beschreibt strengere Vergabestandards und mehr Ablehnungen. Das könnte einzelne Verbraucher zu anderen Finanzierungsformen bewegen, belegt aber nicht, dass sie deshalb häufiger auf Zahlungsaufschub oder Ratenkauf zurückgreifen.
Was eine Finanzierung zusätzlich kostet
Entscheidend ist nicht allein die Monatsrate. Prüfen Sie vor dem Abschluss den effektiven Jahreszins, die Gesamtsumme aller Raten und mögliche Gebühren. Vergleichen Sie außerdem die Finanzierung mit dem Kaufpreis bei sofortiger Zahlung. Bei einem Angebot ohne Zinsen sollte klar sein, ob tatsächlich keine Gebühren anfallen und wann die Zahlung fällig wird.
In einer Umfrage unter Partnerbanken schätzte smava die durchschnittlichen Zinsen für das erste Quartal 2026 auf etwa acht Prozent. Diese Schätzung gilt für die befragten Partnerbanken und ist keine Garantie für ein individuelles Angebot.
Quelle: Beispielrechnung von smava.
Bei einer niedrigen Monatsrate kann sich die Rückzahlung lange hinziehen und dadurch länger einen Teil des Einkommens binden. Bevor Sie unterschreiben, rechnen Sie deshalb alle laufenden Kreditraten zusammen und prüfen Sie, ob nach Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Lebensmitteln und Rücklagen noch genug Geld für unerwartete Ausgaben bleibt. Planen Sie nicht mit dem höchstmöglichen Betrag, den ein Anbieter genehmigt.
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So prüfen Sie, ob die Rate ins Budget passt
Schreiben Sie für einen Monat auf, welche regelmäßigen Ausgaben und Kreditraten anfallen. Berechnen Sie anschließend, welcher Betrag nach notwendigen Kosten und einer Reserve übrig bleibt. Die neue Rate sollte in dieses freie Budget passen, ohne dass Sie dafür andere Rechnungen aufschieben oder auf Rücklagen verzichten müssen.
Bei mehreren offenen Ratenkäufen zählt die Summe der Verpflichtungen. Eine einzelne kleine Rate kann tragbar sein; mehrere gleichzeitig fällige Beträge können das Monatsbudget deutlich stärker belasten. Wenn Sie bereits Raten zahlen, prüfen Sie vor einem weiteren Kauf die jeweiligen Fälligkeitstermine und die Gesamtschuld. Bei Zahlungsschwierigkeiten ist es besser, frühzeitig den Kreditgeber zu kontaktieren und eine anerkannte Schuldnerberatung einzuschalten, statt neue Kredite zur Begleichung alter Raten aufzunehmen.
Neue Regeln für Zahlungsaufschub und Kleinkredite
Die Bundesregierung berichtet, dass sie die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt hat. Die neuen Regeln für Verbraucherkreditverträge sollen ab November 2026 gelten. Laut Bundesregierung gelten die Regeln unter anderem für kleine Kredite bis 200 Euro, bestimmte zins- und gebührenfreie Kredite sowie Kredite mit Laufzeiten bis zu drei Monaten. Erfasst sind auch Modelle, bei denen Verbraucher später zahlen. Damit sollen solche Angebote stärker unter den Verbraucherkreditsschutz fallen.
Wenn ein Anbieter die Kreditwürdigkeit anhand automatisch ausgewerteter persönlicher Daten prüft, sieht die Bundesregierung außerdem eine menschliche Überprüfung vor. Das ist besonders relevant, wenn ein Anbieter eine Kreditentscheidung automatisiert trifft. Die Neuregelungen machen einen Zahlungsaufschub aber nicht automatisch kostengünstig oder passend zum eigenen Budget. Prüfen Sie deshalb auch nach ihrem Inkrafttreten jeden Vertrag und die Summe aller fälligen Zahlungen.
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Kernaussagen
- Prüfen Sie die Gesamtkosten: Monatsrate und Kaufpreis zeigen die Gesamtkosten nicht vollständig; vergleichen Sie auch effektiven Jahreszins, Gebühren und Rückzahlungssumme.
- Rechnen Sie alle Raten zusammen: Mehrere kleine Zahlungen können das Monatsbudget stärker belasten als ein einzelner Kauf.
- Planen Sie eine Reserve ein: Eine Rate ist nur tragbar, wenn nach notwendigen Ausgaben noch Geld für unvorhergesehene Kosten bleibt.
- Ordnen Sie Trendmeldungen richtig ein: Überschuldungszahlen zeigen wachsende finanzielle Belastungen, belegen aber keine Zunahme finanzierter Käufe.
- Beachten Sie den Zeitpunkt neuer Regeln: Erweiterte Verbraucherschutzregeln für bestimmte Kleinkredite und Zahlungsaufschübe sollen ab November 2026 gelten.
FAQ
Gibt es Belege dafür, dass Verbraucher in Deutschland häufiger auf Raten kaufen?
Die verfügbaren Zahlen belegen keine bundesweite Zunahme der Nutzung von Ratenkauf oder Zahlungsaufschub. Der Anstieg der Überschuldung ist ein Warnsignal für finanzielle Belastungen, aber kein direkter Nachweis für mehr kreditfinanzierte Anschaffungen.
Ist „später bezahlen“ ein Kredit?
Wenn ein Anbieter den Kaufpreis erst nach dem Kauf abbucht oder die Zahlung auf mehrere Termine verteilt, entsteht eine Zahlungspflicht für die Zukunft. Die Bundesregierung zählt bestimmte solche Modelle zu den Verbraucherkrediten, für die ab November 2026 erweiterte Regeln gelten sollen.
Wie finde ich heraus, ob eine Rate bezahlbar ist?
Ziehen Sie von Ihrem monatlichen Nettoeinkommen alle notwendigen Ausgaben, bestehenden Kreditraten und einen Betrag für Rücklagen ab. Die neue Rate sollte aus dem verbleibenden Budget bezahlt werden können, ohne dass Sie andere Rechnungen verschieben müssen.
Was sollte ich tun, wenn ich eine Rate nicht mehr zahlen kann?
Wenden Sie sich frühzeitig an den Kreditgeber und lassen Sie sich von einer anerkannten Schuldnerberatung beraten. Nehmen Sie keinen weiteren Kredit auf, ohne vorher zu klären, ob Sie dadurch die Gesamtschulden dauerhaft senken oder nur Zahlungen verschieben.