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Welche Fehler Sie vermeiden sollten, wenn ein Umschuldungsangebot lockt

Sie haben einen laufenden Kredit und erhalten ein Angebot, diesen durch einen neuen Kredit abzulösen. Eine Umschuldung bedeutet: Sie zahlen den alten Kredit vorzeitig zurück und nehmen dafür einen neuen Kredit mit anderen Konditionen auf. Das Angebot klingt verlockend, weil es niedrigere Monatsraten oder einen geringeren Zinssatz verspricht. Doch nicht jedes Angebot spart Geld. Manche Angebote kosten Sie am Ende mehr, als Sie sparen. Dieser Artikel hilft privaten Verbrauchern in Deutschland, ein solches Angebot zu prüfen, bevor sie unterschreiben. Sie erfahren, welche Fehler typisch sind, woran Sie unseriöse Anbieter erkennen und wann sich eine Umschuldung lohnt.

Die zentrale Regel lautet: Rechnen Sie nach, bevor Sie zusagen. Eine Umschuldung lohnt sich nur, wenn die Zinsersparnis die Kosten der Ablösung übersteigt. Drei Fehler führen am häufigsten dazu, dass Verbraucher am Ende mehr zahlen. Manche zahlen Vorschuss an Vermittler. Andere ignorieren die Vorfälligkeitsentschädigung des alten Kredits. Wieder andere schließen einen neuen Vertrag ab, obwohl die Restlaufzeit zu kurz ist.

Vorschusszahlungen an Vermittler sind ein Warnsignal

Seriöse Kreditvermittler arbeiten auf Erfolgsbasis: Sie erhalten ihre Provision erst, wenn der Kredit tatsächlich zustande kommt. Verlangt ein Vermittler oder Anbieter eine Zahlung im Voraus, bevor er Ihnen ein Angebot macht oder einen Kredit vermittelt, ist das ein deutliches Zeichen für einen unseriösen Anbieter. Die Verbraucherzentrale listet Vorschusszahlungen als eine der häufigsten Fallen bei unseriösen Krediten. Solche Anbieter kassieren das Geld und der versprochene Kredit kommt nie an.

Sie sollten niemals Geld zahlen, nur um ein Angebot zu erhalten oder eine Bonitätsprüfung durchführen zu lassen. Auch Gebühren für „Bearbeitung", „Vermittlung" oder „Auskunft" sind bei seriösen Anbietern nicht üblich. Wenn Sie bereits gezahlt haben, wenden Sie sich an Ihre Bank, um die Zahlung zurückzubuchen, und melden Sie den Fall der Polizei. Prüfen Sie außerdem, ob der Anbieter über eine gültige Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verfügt. Diese Erlaubnis ist Pflicht für Kreditvermittler in Deutschland.

Ein weiteres Warnsignal sind Angebote, die Ihnen eine Zusage unabhängig von Ihrer Bonität versprechen. Jeder seriöse Anbieter prüft Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Ein Angebot, das ohne jede Prüfung eine Zusage erteilt, ist in der Regel darauf ausgelegt, Ihnen Gebühren abzunehmen, nicht Ihnen einen Kredit zu geben.

Die Vorfälligkeitsentschädigung kann die Ersparnis auffressen

Wenn Sie einen bestehenden Kredit vorzeitig zurückzahlen, verlangt die Bank dafür häufig eine Vorfälligkeitsentschädigung. Das ist eine Ausgleichszahlung für die Zinsen, die der Bank durch die vorzeitige Rückzahlung entgehen. Diese Entschädigung ist bei Ratenkrediten und besonders bei Immobilienfinanzierungen üblich. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass diese Entschädigung nicht immer gerechtfertigt ist und geprüft werden sollte.

Der Fehler ist, die Vorfälligkeitsentschädigung bei der Rechnung zu ignorieren. Angenommen, Sie sparen durch den neuen Kredit Zinsen, die Bank verlangt aber eine höhere Vorfälligkeitsentschädigung. Dann zahlen Sie am Ende mehr, obwohl das Angebot auf dem Papier günstiger aussah. Fordern Sie von Ihrer Bank vor der Entscheidung eine schriftliche Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung an. Diese Berechnung müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Sie können prüfen lassen, ob die Bank die Entschädigung korrekt berechnet hat, etwa über die Verbraucherzentrale oder einen Fachanwalt.

Bei einem Ratenkredit haben Sie nach zwölf Monaten Laufzeit ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht: Sie können den Kredit mit einer Frist von drei Monaten kündigen, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen. Dieses Recht gilt für Verbraucherdarlehen, die nach einem bestimmten Stichtag abgeschlossen wurden. Wenn Ihr Altkredit diese Voraussetzung erfüllt, entfällt die Entschädigung komplett. Prüfen Sie also zuerst, ob Ihr Vertrag unter dieses Sonderkündigungsrecht fällt, bevor Sie eine Entschädigung akzeptieren.

Wann sich eine Umschuldung wirklich lohnt

Eine Umschuldung lohnt sich, wenn die Zinsdifferenz zwischen altem und neuem Kredit mindestens ein bis zwei Prozentpunkte beträgt und die Vorfälligkeitsentschädigung die Ersparnis nicht übersteigt.

Balkendiagramm: untere Grenze der Zinsdifferenz 1 Prozentpunkt, obere Grenze 2 Prozentpunkte. Diese Faustregel nennt die Verbraucherzentrale in ihrem Ratgeber zur Umschuldung. Bei einer Differenz von unter einem Prozentpunkt bleibt nach Abzug der Kosten oft so wenig übrig, dass sich der Aufwand nicht lohnt.

Liegt die Restlaufzeit Ihres bestehenden Kredits unter zwölf Monaten, lohnt sich eine Umschuldung in der Regel nicht. Die Zinsersparnis über diesen kurzen Zeitraum ist zu gering, um die Kosten für den neuen Vertrag, die Bearbeitung und mögliche Entschädigungen auszugleichen. Rechnen Sie immer die Gesamtkosten beider Varianten: die Summe aller Raten des alten Kredits bis zum Ende der Laufzeit gegenüber der Summe aller Raten des neuen Kredits plus aller einmaligen Kosten.

Viele übersehen auch: Die neue Bank verlangt oft eine Restschuldversicherung oder andere Zusatzprodukte, um den Kredit zu genehmigen. Diese Versicherungen erhöhen die effektiven Kosten erheblich. Vergleichen Sie den Effektivzins des neuen Angebots mit dem des alten Kredits. Der Effektivzins enthält alle Kosten, einschließlich Gebühren und Versicherungen, und ist damit die richtige Vergleichsgröße. Wenn der neue Anbieter nur mit dem günstigen Sollzins wirbt, aber eine teure Zusatzversicherung verlangt, ist das Angebot oft teurer als der alte Kredit.

Was bei einem finanziellen Engpass zuerst zählt

Wenn Sie das Umschuldungsangebot erhalten, weil Sie Ihre Raten nicht mehr zahlen können, ist ein neuer Kredit nicht automatisch die richtige Lösung. Die Verbraucherzentrale empfiehlt in dieser Situation, zuerst einen Überblick über alle Verpflichtungen zu verschaffen und staatliche Unterstützungen zu beantragen. Ein neuer Kredit verlängert die Laufzeit und erhöht die Gesamtbelastung, wenn Sie ihn nicht zu besseren Konditionen bekommen.

Listen Sie alle laufenden Kredite, Raten und Fälligkeiten auf. Prüfen Sie, ob Sie Anspruch auf Wohngeld, Bürgergeld, Kinderzuschlag oder andere Leistungen haben. Diese Zahlungen können Ihr verfügbares Einkommen erhöhen, ohne dass Sie neue Schulden aufnehmen. Kontaktieren Sie Ihre Bank frühzeitig, wenn Sie eine Rate nicht zahlen können. Viele Banken bieten Stundungen oder eine Anpassung der Ratenhöhe an, bevor ein Kredit ausfällt. Eine Stundung verschiebt die Zahlung, eine Umschuldung ersetzt den Vertrag.

Wenn die Schulden bereits mehrere Kredite umfassen und Sie den Überblick verlieren, ist eine Schuldnerberatung der richtige Ansprechpartner. Die Beratung ist kostenlos oder kostet wenig und hilft Ihnen, einen Plan zu erstellen, der nicht auf einem neuen Kredit aufbaut. Eine Umschuldung kann in dieser Situation Teil der Lösung sein, aber nur, wenn sie die monatliche Belastung senkt und Sie die neue Rate dauerhaft zahlen können.

Kernaussagen

  • Vorschusszahlungen ablehnen: Seriöse Vermittler arbeiten auf Erfolgsbasis. Wer Geld vorab verlangt, ist in der Regel ein unseriöser Anbieter.
  • Vorfälligkeitsentschädigung prüfen: Fordern Sie eine schriftliche Berechnung an und prüfen Sie, ob Ihr Vertrag unter das gesetzliche Sonderkündigungsrecht fällt.
  • Zinsdifferenz von mindestens ein bis zwei Prozentpunkten verlangen: Erst ab dieser Zinsdifferenz übersteigt die Ersparnis die Kosten der Ablösung.
  • Restlaufzeit unter zwölf Monaten meiden: Bei kurzer Restlaufzeit frisst die Vorfälligkeitsentschädigung die Ersparnis auf.
  • Bei Zahlungsschwierigkeiten zuerst staatliche Hilfe prüfen: Wohngeld, Bürgergeld oder eine Stundung können die Belastung senken, ohne neue Schulden zu schaffen.

FAQ

Was ist eine Umschuldung genau?

Eine Umschuldung bedeutet, dass Sie einen bestehenden Kredit vorzeitig zurückzahlen und dafür einen neuen Kredit aufnehmen. Der neue Kredit hat in der Regel einen niedrigeren Zinssatz oder eine längere Laufzeit. Ziel ist es, die monatliche Belastung zu senken oder insgesamt weniger Zinsen zu zahlen.

Muss ich eine Vorfälligkeitsentschädigung immer zahlen?

Nein. Bei Ratenkrediten, die nach einem bestimmten Stichtag abgeschlossen wurden, haben Sie nach zwölf Monaten ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht mit einer Frist von drei Monaten, ohne Entschädigung. Bei Immobilienfinanzierungen gilt dieses Recht nicht automatisch. Fordern Sie immer eine schriftliche Berechnung an und lassen Sie diese prüfen, wenn Sie Zweifel haben.

Woran erkenne ich einen unseriösen Kreditvermittler?

Ein deutliches Warnsignal ist eine Vorschusszahlung, bevor der Kredit zustande kommt. Auch Angebote, die eine Zusage ohne Bonitätsprüfung versprechen, sind unseriös. Prüfen Sie, ob der Anbieter eine Erlaubnis der BaFin besitzt, und zahlen Sie niemals Gebühren für Bearbeitung oder Vermittlung im Voraus.

Wie hoch muss die Zinsersparnis sein, damit sich eine Umschuldung lohnt?

Die Zinsdifferenz zwischen altem und neuem Kredit sollte mindestens ein bis zwei Prozentpunkte betragen. Zusätzlich muss die Ersparnis die Vorfälligkeitsentschädigung und alle Kosten des neuen Vertrags übersteigen. Vergleichen Sie immer den Effektivzins, nicht nur den Sollzins.

Was mache ich, wenn ich meine Raten nicht mehr zahlen kann?

Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick über alle Verpflichtungen und prüfen Sie, ob Sie staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Bürgergeld beantragen können. Kontaktieren Sie Ihre Bank frühzeitig und fragen Sie nach einer Stundung oder Ratenanpassung. Wenn die Schulden mehrere Kredite umfassen, suchen Sie eine kostenlose Schuldnerberatung auf.

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