Sie arbeiten mit einem befristeten Arbeitsvertrag und brauchen trotzdem Geld, etwa für ein Auto, eine neue Küche oder die Ablösung eines teuren Dispokredits. Diese Situation betrifft viele Beschäftigte: Rund jeder dreizehnte Arbeitsvertrag von abhängig Beschäftigten über 25 Jahren hat ein Verfallsdatum.
Ein befristeter Vertrag bedeutet Unsicherheit, weil niemand weiß, ob das Einkommen nach Ablauf weiterfließt. Genau diese Unsicherheit prüfen Banken bei der Kreditvergabe.
Die gute Nachricht: Ein Kredit mit befristetem Vertrag ist möglich, wenn Sie die richtigen Schritte vorbereiten. Die Bank bewertet nicht nur Ihr aktuelles Einkommen, sondern auch, wie lange Ihr Vertrag noch läuft und wie wahrscheinlich eine Verlängerung ist. Je länger die Restlaufzeit, desto besser Ihre Chancen. Sie können die Prüfung beeinflussen, indem Sie die richtigen Unterlagen vorlegen, die Kreditsumme realistisch wählen und Angebote vergleichen. Diese Seite erklärt, worauf es konkret ankommt, welche Kosten und Risiken typisch sind und wann eine Beratung Ihnen weiterhilft.
Was die Bank bei befristeter Beschäftigung prüft
Die Kreditwürdigkeitsprüfung, im Fachjargon Bonität, umfasst mehr als nur die Höhe Ihres Gehalts. Die Bank will wissen, ob Sie die monatlichen Raten dauerhaft zahlen können. Bei einem befristeten Vertrag steht deshalb die Frage im Vordergrund: Was passiert, wenn der Vertrag endet?
Die Bank schaut dabei auf mehrere Punkte:
- Die Restlaufzeit des Vertrags. Ein Vertrag, der noch zwei Jahre läuft, wirkt anders als einer, der in drei Monaten endet.
- Ihre bisherige Beschäftigungsdauer. Wer mehrere Jahre beim selben Arbeitgeber arbeitet, auch mit befristeten Verlängerungen, gilt als stabiler als jemand, der gerade erst angefangen hat.
- Die Branche und die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung. In Bereichen mit Fachkräftemangel sind Verlängerungen üblich, in saisonalen Branchen weniger.
- Die Höhe Ihres Einkommens im Verhältnis zur Kreditsumme. Ihr verfügbares Einkommen muss die Raten abdecken, auch wenn Sie andere laufende Kosten haben.
Diese Faktoren bestimmen, ob die Bank einen Kredit anbietet und zu welchem Zinssatz. Ein höheres Risiko führt in der Regel zu einem höheren Zins oder zu einer geringeren Kreditsumme. Sie können das Risiko nicht ausschalten, aber Sie können die Bedingungen verbessern, die die Bank bewertet.
Welche Unterlagen und Schritte Ihre Chancen verbessern
Bereiten Sie alle Unterlagen vor, bevor Sie einen Antrag stellen. Die Bank verlangt in der Regel Ihren Arbeitsvertrag mit dem Befristungsdatum, die letzten drei Gehaltsabrechnungen und eine Liste Ihrer monatlichen Verpflichtungen wie Miete, bestehende Kredite oder Unterhalt. Diese Unterlagen belegen, dass die Raten tragbar sind.
Prüfen Sie vor dem Antrag Ihre Bonitätsauskunft. Sie haben einmal pro Jahr Anspruch auf eine kostenlose Datenkopie nach der Datenschutz-Grundverordnung bei der SCHUFA und anderen Auskunfteien. Die Auskunfteien speichern, welche Kredite Sie haben und ob Sie Zahlungen versäumt haben. Wenn Sie falsche Einträge finden, können Sie sie vorzeitig korrigieren lassen, bevor die Bank die Auskunft abruft.
Vergleichen Sie mehrere Angebote. Die Konditionen unterscheiden sich zwischen Banken deutlich, und ein Zinsvergleich lohnt sich gerade bei befristeter Beschäftigung, weil die Banken das Risiko unterschiedlich bewerten. Nutzen Sie Vergleichsportale, aber achten Sie darauf, dass eine Kreditanfrage einen Eintrag in der Auskunft erzeugt. Mehrere Anfragen kurz hintereinander können wie eine hohe Kreditaufnahme wirken. Informieren Sie sich deshalb zuerst über die Konditionen, bevor Sie einen Antrag stellen.
Überlegen Sie, ob ein Mitantragsteller infrage kommt. Wenn ein Partner oder ein Elternteil mit unbefristetem Einkommen den Kredit mit unterschreibt, sinkt das Risiko für die Bank. Der Mitantragsteller haftet dann aber auch für die Raten. Diese Lösung belastet das Verhältnis, wenn Sie nicht zahlen können. Sie ist nur sinnvoll, wenn beide Seiten die Risiken kennen und tragen können.
Prüfen Sie außerdem, ob Sie Ihren finanziellen Spielraum vergrößern können. Manche Arbeitgeber zahlen vermögenswirksame Leistungen, einen Zuschuss zum Sparen, der je nach Tarifvertrag zwischen 6 und 40 Euro pro Monat liegt
. Wer auf diesen Zuschuss verzichtet, verschenkt Geld. Die Ersparnisse können Ihnen als Puffer dienen, wenn der Vertrag endet. Umgekehrt gilt: Eine Gehaltsumwandlung in die betriebliche Altersvorsorge reduziert Ihr aktuelles Nettoeinkommen und damit den Betrag, den die Bank als verfügbar anrechnet. Wenn Sie einen Kredit planen, sollten Sie solche Umwandlungen vorher prüfen, weil sie Ihre monatliche Belastbarkeit verringern.
Was Sie vermeiden sollten: teure Zusatzversicherungen
Beim Kreditabschluss bieten Banken, Autohäuser und Elektronikfachmärkte häufig eine Restschuldversicherung an. Diese Versicherung soll die Raten bei Jobverlust, Krankheit oder Tod absichern. Der Preis dafür ist hoch, und der Schutz greift in der Praxis oft nicht. Die Verbraucherzentralen raten meist von einer Restschuldversicherung ab, weil sie teuer ist und selten leistet.
Wenn Sie bereits eine Restschuldversicherung abgeschlossen haben, können Sie sie in der Regel kündigen. Die Verbraucherzentralen empfehlen, das zu prüfen, weil die Kosten bis zur Kündigung weiterlaufen, obwohl der Schutz selten greift. Für neue Verträge ab dem 2. Januar 2025 gilt zudem: Die Restschuldversicherung darf [erst eine Woche nach der Unterschrift
](https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/restschuldversicherungen-sind-teuer-und-leisten-nur-wenig-32448) unter den Kreditvertrag abgeschlossen werden. Diese Frist gibt Ihnen Zeit, die Entscheidung zu überdenken.
Bessere Alternativen sind eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn Sie Angehörige absichern wollen. Diese Versicherungen sind unabhängig vom Kredit und schützen Sie auch bei anderen Anforderungen. Sie sind nicht automatisch die richtige Wahl, aber sie sind transparenter als eine Restschuldversicherung und nicht an den Kreditvertrag gebunden.
Wann Beratung und amtliche Hilfe sinnvoll sind
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Raten tragen können, holen Sie sich vor der Unterschrift eine Beratung. Die Verbraucherzentralen bieten in vielen Bundesländern Beratungen zu Krediten an, oft gegen eine geringe Gebühr. Eine Schuldnerberatung ist sinnvoll, wenn Sie bereits Zahlungsrückstände haben oder mehrere Kredite parallel laufen. Sie ist in der Regel kostenlos und prüft mit Ihnen eine Umschuldung oder eine Ratenvereinbarung.
Wenn Sie Arbeitslosengeld oder Bürgergeld beziehen, haben Sie Anspruch auf eine kostenlose Schuldnerberatung. Sie ist unabhängig von Banken und zeigt Ihnen, welche Rechte Sie haben. Eine amtliche Hilfe ist auch dann sinnvoll, wenn ein Gläubiger bereits eine Zwangsvollstreckung androht. Dann zählt jede Woche, und die Beratung kann verhindern, dass sich die Lage verschärft.
Kernaussagen
- Restlaufzeit prüfen: Je länger Ihr befristeter Vertrag noch läuft, desto besser Ihre Kreditchancen. Endet er in wenigen Monaten, wertet die Bank das als Risikosignal.
- Unterlagen vollständig vorlegen: Arbeitsvertrag, die letzten drei Gehaltsabrechnungen und eine Übersicht Ihrer monatlichen Verpflichtungen erleichtern die Bonitätsprüfung.
- Angebote vergleichen: Die Zinsen variieren stark zwischen Banken. Mehrere Kreditanfragen erzeugen aber Einträge in der Bonitätsauskunft, also zuerst informieren, dann beantragen.
- Restschuldversicherung meiden: Die Versicherung ist teuer und leistet selten. Eine abgeschlossene können Sie in der Regel kündigen.
- Beratung vor der Unterschrift nutzen: Verbraucherzentrale und Schuldnerberatung helfen, die Kreditsumme realistisch einzuschätzen, und sind oft kostenlos.
FAQ
Ist ein Kredit mit befristetem Arbeitsvertrag überhaupt möglich?
Ja, möglich ist es. Die Bank prüft, ob Ihr Einkommen die Raten dauerhaft abdeckt und wie lange Ihr Vertrag noch läuft. Mit einem Vertrag, der noch mehrere Jahre läuft, und einem regelmäßigen Einkommen haben Sie realistische Chancen, wenn die Kreditsumme zu Ihrem Einkommen passt.
Welche Unterlagen brauche ich für den Kreditantrag?
In der Regel verlangt die Bank Ihren Arbeitsvertrag mit dem Befristungsdatum, die letzten drei Gehaltsabrechnungen und eine Liste Ihrer monatlichen Ausgaben wie Miete und bestehende Kredite.
Was passiert, wenn mein Arbeitsvertrag während der Kreditlaufzeit endet?
Der Kredit bleibt bestehen, auch wenn Ihr Einkommen wegfällt. Sie müssen die Raten dann aus anderen Mitteln zahlen. Deshalb ist es wichtig, die Kreditsumme so zu wählen, dass Sie auch bei einem Einkommensverlust noch handlungsfähig bleiben, etwa durch Ersparnisse oder eine Anschlussbeschäftigung.
Kann ich eine Restschuldversicherung nachträglich kündigen?
Ja, in der Regel können Sie die Restschuldversicherung kündigen. Die Verbraucherzentralen empfehlen, das zu prüfen, weil die Kosten bis zur Kündigung weiterlaufen. Für neue Verträge ab dem 2. Januar 2025 gilt eine Woche Frist, bevor die Restschuldversicherung abgeschlossen werden darf.
Wann sollte ich eine Schuldnerberatung aufsuchen?
Wenn Sie bereits Zahlungsrückstände haben oder mehrere Kredite parallel laufen, ist eine Schuldnerberatung sinnvoll. Sie ist kostenlos und hilft Ihnen, eine Umschuldung zu prüfen. Auch bei Arbeitslosigkeit oder Bürgergeldbezug haben Sie Anspruch auf diese Beratung.