Ob Auto, Renovierung oder unerwartete Rechnung: Prüfen Sie vor dem Kredit, ob die monatliche Rate dauerhaft in Ihr Budget passt. Eine Bank kann den Kredit bewilligen. Für Sie zählt aber, ob nach laufenden Kosten, Rücklagen und unregelmäßigen Ausgaben noch genug Geld übrig bleibt.
Bei einem Kredit erhalten Sie heute Geld und zahlen es später in Raten zurück. Zinsen und möglicherweise weitere Kosten kommen hinzu. Die Bonität zeigt, wie wahrscheinlich der Kreditgeber eine pünktliche Rückzahlung einschätzt. Ihre Haushaltsrechnung zeigt, welche Rate Ihr Einkommen tatsächlich trägt und ist damit für Ihre Entscheidung wichtig.
Erst das freie Budget berechnen
Prüfen Sie zuerst Ihre tatsächlichen Kontobewegungen. Eine grobe Schätzung reicht bei einem Kredit nicht aus. Auch kleine regelmäßige Ausgaben können die verfügbare Rate deutlich senken.
Ordnen Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben in drei Gruppen:
- monatliche Einnahmen (nach Steuern)
- feste Ausgaben wie Miete, Energie, Versicherungen und bestehende Raten
- veränderliche und unregelmäßige Ausgaben wie Lebensmittel, Kleidung, Reparaturen, Urlaub oder Nachzahlungen
Teilen Sie jährliche Kosten durch zwölf. Kostet eine Versicherung zum Beispiel einmal im Jahr 600 Euro, rechnen Sie 50 Euro pro Monat ein. Das gilt auch für erwartbare Reparaturen, Beiträge und Nachzahlungen.
Eine einfache Rechnung lautet:
Monatlicher Spielraum = Einnahmen − laufende Ausgaben − Rücklagen − bestehende Kreditraten
Die geplante neue Rate muss in diesen Spielraum passen. Planen Sie einen Puffer für steigende Lebenshaltungskosten und unerwartete Ausgaben ein. Eine Rate, die nur dann funktioniert, wenn jeder Monat ohne Abweichung verläuft, ist zu hoch.
Die Rate unter realistischen Bedingungen testen
Beantworten Sie zur Rate drei Fragen:
- Bleibt nach der Rate noch Geld für eine unerwartete Rechnung übrig?
- Funktioniert die Rechnung auch bei höheren Energie-, Lebensmittel- oder Fahrtkosten?
- Bleibt die Rückzahlung tragbar, wenn eine Einnahme vorübergehend wegfällt?
Bei schwankendem Einkommen rechnen Sie mit einem vorsichtigen Durchschnitt. Planen Sie gute Monate nicht als festen Standard ein. Ein befristeter Arbeitsvertrag, bevorstehende Elternzeit oder ein geplanter Umzug erfordern einen zusätzlichen Puffer.
Prüfen Sie auch bestehende Kreditlinien. Ein Dispositionskredit, kurz Dispo, erlaubt Ihnen, Ihr Girokonto zu überziehen. Er eignet sich laut den Informationen der SCHUFA höchstens für einen kurzfristigen Engpass und sollte schnell ausgeglichen werden. Eine dauerhaft überzogene Konto belastet Ihre Finanzen zusätzlich. Bei mehreren teuren Schulden kann sich eine Umschuldung in einen günstigeren Ratenkredit lohnen, wenn die Gesamtkosten tatsächlich sinken.
Nicht nur die Monatsrate vergleichen
Eine kleine Monatsrate bedeutet nicht automatisch einen günstigen Kredit. Eine längere Laufzeit verteilt die Rückzahlung auf mehr Monate, erhöht aber häufig die gesamten Zinskosten. Vergleichen Sie deshalb mindestens diese Angaben:
- effektiver Jahreszins
- Gesamtbetrag der Rückzahlung
- Laufzeit
- monatliche Rate
- Kosten optionaler Versicherungen oder Zusatzprodukte
- Bedingungen für Sondertilgungen und vorzeitige Rückzahlung
Der effektive Jahreszins zeigt den Kreditpreis unter den geltenden Bedingungen besser als der reine Sollzins. Für ähnliche Angebote ist er deshalb die wichtigste Zinsangabe. Achten Sie außerdem auf den Gesamtbetrag: Multiplizieren Sie die Rate mit der Zahl der Raten und rechnen Sie zusätzliche Vertragskosten ein.
Ein Kredit mit niedriger Rate kann wegen einer langen Laufzeit insgesamt teurer sein als ein Kredit mit höherer Rate und kürzerer Laufzeit. Die höhere Rate ist dann nur tragbar, wenn sie zuverlässig in Ihr Monatsbudget passt.
Kreditbedarf und Laufzeit passend wählen
Leihen Sie nur den Betrag, den Sie für den konkreten Zweck brauchen. Zusätzliches Geld für Wünsche erhöht die Rate und verlängert die Rückzahlung. Bei Konsumgütern zählt auch die Nutzungsdauer. Wenn Sie einen Gegenstand über mehrere Jahre finanzieren, ihn aber bald ersetzen müssen, zahlen Sie noch lange für etwas, das Sie nicht mehr nutzen.
Die Laufzeit sollte zum Zweck und zu Ihrem Einkommen passen. Eine kurze Laufzeit senkt in der Regel die gesamten Zinskosten, verlangt aber eine höhere Monatsrate. Eine lange Laufzeit reduziert die Rate, bindet Ihr Einkommen jedoch länger.
Behalten Sie auch die zeitliche Entwicklung im Blick. Eine Rate, die heute passt, kann bei einem Jobwechsel, einer Trennung, einem Umzug oder höheren Betreuungskosten problematisch werden. Planen Sie deshalb nicht bis zur letzten freien Eurogrenze.
Bonität prüfen, ohne sich von Werbeversprechen leiten zu lassen
Kreditgeber prüfen Ihr Einkommen, Ihre bestehenden Verpflichtungen und Ihre bisherigen Zahlungen. Die SCHUFA nennt pünktliche Rechnungszahlungen und eine positive Zahlungshistorie als Faktoren, die die Bonität stützen. Daueraufträge und automatische Abbuchungen helfen, Zahlungstermine einzuhalten.
Viele Kredite und zahlreiche Kreditanfragen in kurzer Zeit können die Bewertung erschweren. Stellen Sie deshalb nicht wahllos bei vielen Anbietern Anfragen. Vergleichen Sie Konditionen gezielt und achten Sie darauf, welche Art von Anfrage ein Anbieter ausführt.
Eine eigene Datenauskunft hilft, falsche oder veraltete Einträge zu erkennen. Die SCHUFA erklärt, wie Verbraucher ihre gespeicherten Daten und den Score prüfen. Ein fehlerhafter Eintrag sollte beim zuständigen Unternehmen und bei der Auskunftei korrigiert werden. Eine schlechte Bewertung lässt sich nicht durch eine kostenpflichtige Sofortlösung einfach entfernen.
Bürgschaften und eine gemeinsame Kreditaufnahme erhöhen das Risiko für die beteiligten Personen. Wer für jemand anderen bürgt oder als zweiter Kreditnehmer unterschreibt, übernimmt eine rechtliche Zahlungsverpflichtung. Das kann die eigene finanzielle Belastbarkeit und Bonität beeinträchtigen.
Kreditangebote auf Warnzeichen prüfen
Ein Kreditvermittler leiht Ihnen kein eigenes Geld. Er leitet Ihre Anfrage an mögliche Kreditgeber weiter. Die Bank oder ein anderer Kreditgeber entscheidet über die Vergabe. Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Kreditangeboten, besonders vor Angeboten mit schneller Hilfe oder einem Kredit ohne ausreichende Bonitätsprüfung.
Prüfen Sie ein Angebot besonders kritisch, wenn der Anbieter:
- eine Vorauszahlung verlangt, bevor ein Darlehen ausgezahlt wurde
- Unterlagen per Nachnahme verschickt
- eine Prepaid-Karte, einen Handyvertrag oder ein kostenpflichtiges Zusatzprodukt mit dem Kredit verbindet
- mit einer Kreditvergabe ohne Schufa-Prüfung wirbt
- keine klare Übersicht über Rate, Laufzeit, Zinsen und Gesamtbetrag vorlegt
Eine Vergütung für eine Vermittlung ist nach den Angaben der Verbraucherzentrale grundsätzlich erst dann geschuldet, wenn ein Darlehen tatsächlich genehmigt und ausgezahlt wurde und die Vergütung schriftlich vereinbart ist. Zahlen Sie daher keine Vorabgebühren, nur um einen Antrag weiterleiten zu lassen.
Seriöse Kreditgeber prüfen die Zahlungsfähigkeit. Eine schwache Bonität führt daher häufig zu einer Ablehnung oder zu schlechteren Konditionen. Ein Angebot, das die Prüfung angeblich vollständig umgeht, verdient besondere Vorsicht.
Alternativen vor dem Kredit prüfen
Prüfen Sie vor dem Kredit, ob Sie den Bedarf verschieben oder anders finanzieren können. Bei einer notwendigen Reparatur holen Sie zunächst einen verbindlichen Kostenvoranschlag ein und fragen den Anbieter nach Ratenzahlung. Bei einem kurzfristigen Engpass helfen manchmal ein späterer Kauf, niedrigere Ausgaben oder vorübergehende Unterstützung aus dem privaten Umfeld.
Bei bereits bestehenden Schulden sollten Sie die vollständige Liste der Gläubiger, Zinssätze, Raten und Restbeträge aufstellen. Eine neue Finanzierung lohnt sich nur, wenn sie die monatliche Belastung und möglichst auch die Gesamtkosten nachvollziehbar verbessert. Eine bloße Verlängerung der Laufzeit verschafft zwar kurzfristig Luft, kann die Schulden aber insgesamt verteuern.
Wenn die Raten bereits nicht mehr zuverlässig bezahlt werden können, sollten Sie frühzeitig eine anerkannte Schuldnerberatung kontaktieren. Neue Kredite schließen dann häufig nur ein Loch und verschieben das Problem.
Was tun, wenn das Budget nicht reicht?
Stoppen Sie die Kreditanfrage, wenn Ihre Haushaltsrechnung keinen stabilen Spielraum zeigt. Senken Sie den Kreditbetrag, verschieben Sie den Kauf oder suchen Sie eine günstigere Lösung. Prüfen Sie dabei neben der Rate auch den Gesamtbetrag und die Laufzeit.
Erstellen Sie für die nächsten Monate eine einfache Liste mit Kontostand, Zahlungsterminen und erwarteten Sonderausgaben. So erkennen Sie, ob der freie Betrag tatsächlich jeden Monat verfügbar ist. Eine Rate sollte erst dann in Betracht kommen, wenn sie auch nach dieser Prüfung dauerhaft tragbar bleibt.
Kernaussagen
- Berechnen Sie den echten Spielraum: Von den Einnahmen ziehen Sie Rücklagen, unregelmäßige Kosten und bestehende Raten ab.
- Vergleichen Sie den Gesamtpreis: Aussagekräftiger als eine niedrige Monatsrate sind der effektive Jahreszins, die Laufzeit und der Gesamtbetrag.
- Testen Sie die Belastung: Auch bei höheren Ausgaben oder vorübergehend niedrigeren Einnahmen muss die Rate in Ihr Budget passen.
- Prüfen Sie die Bonität selbst: Kontrollieren Sie gespeicherte Daten und vermeiden Sie viele Kreditanfragen in kurzer Zeit.
- Zahlen Sie keine Vorschüsse: Forderungen vor der Auszahlung, Nachnahme-Unterlagen und verpflichtende Zusatzprodukte sind deutliche Warnzeichen.
FAQ
Wie viel Kredit kann ich mir leisten?
Das hängt von Ihrem freien Monatsbudget, der Laufzeit und den Gesamtkosten ab. Ziehen Sie von Ihrem Einkommen alle laufenden, unregelmäßigen und geplanten Ausgaben sowie eine Rücklage ab. Die neue Rate muss darunter liegen und einen zusätzlichen Puffer lassen.
Ist eine niedrige Monatsrate automatisch besser?
Nein. Eine niedrige Rate entsteht häufig durch eine längere Laufzeit. Dadurch zahlen Sie den Kredit länger zurück und der Gesamtbetrag kann steigen. Vergleichen Sie deshalb immer den effektiven Jahreszins und den gesamten Rückzahlungsbetrag.
Wie prüfe ich meine Bonität?
Sie können eine Datenauskunft bei der SCHUFA anfordern und die gespeicherten Angaben auf Fehler prüfen. Bezahlen Sie Rechnungen pünktlich und vermeiden Sie unnötige Kreditanfragen. Eine fehlerhafte Meldung sollten Sie zur Korrektur an die zuständige Stelle und die Auskunftei melden.
Was bedeutet ein Kredit ohne Schufa?
Damit werben Anbieter für Kredite, bei denen die SCHUFA angeblich keine Rolle spielt. Die Verbraucherzentrale bewertet solche Angebote als Warnsignal, wenn sie eine Bonitätsprüfung umgehen und zusätzlich Vorkosten, Karten oder Abos verlangen. Prüfen Sie Vertrag, Kosten und Anbieter besonders sorgfältig.
Muss ich einem Kreditvermittler eine Vorauszahlung zahlen?
Eine Vorauszahlung ist ein deutliches Warnzeichen. Nach den Angaben der Verbraucherzentrale ist eine Vergütung grundsätzlich erst nach tatsächlicher Genehmigung und Auszahlung des Darlehens fällig, sofern sie schriftlich vereinbart wurde.
Was mache ich, wenn ich eine Rate nicht mehr zahlen kann?
Warten Sie nicht auf die nächste Mahnung. Kontaktieren Sie den Kreditgeber, prüfen Sie Ihr Budget und holen Sie bei mehreren Schulden Unterstützung bei einer anerkannten Schuldnerberatung. Ein weiterer Kredit verschärft die Lage häufig, wenn bereits kein freier Monatsbetrag vorhanden ist.