Ihr Briefkasten quillt über mit Versicherungsangeboten, der Vermittler ruft an, und das Vergleichsportal verspricht hohe Ersparnisse. Sie zahlen bereits für mehrere Policen, wissen aber nicht sicher, welche wirklich zählt. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Versicherung am günstigsten ist, sondern welche Ihr finanzielles Leben schützt, wenn der Ernstfall eintritt.
Ordnen Sie Ihre Versicherungen nach existenziellem Risiko. Je größer der finanzielle Schaden, den ein Ereignis auslösen kann, desto höher die Priorität der Police. Existenzielle Risiken sind Ereignisse, die Ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen, etwa eine Haftpflichtforderung über mehrere hunderttausend Euro, eine schwere Krankheit oder der dauerhafte Verlust der Arbeitskraft.
Die Rangfolge beginnt mit der Krankenversicherung. Sie ist in Deutschland Pflicht und bildet die Basis. Danach folgt die private Haftpflichtversicherung, weil ihre Schadensersatzforderungen unbegrenzt sein können. An dritter Stelle steht die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Ihr Einkommen sichert. Hausrat, Rechtsschutz und Zusatzschutz schützen Dinge, die Sie im Ernstfall ersetzen oder selbst tragen können.
Warum das existenzielle Risiko zählt
Versicherungen schützen Sie, Ihre Familie und Ihr Eigentum. Doch nicht jedes Risiko wiegt gleich schwer. Ein defekter Fernseher ist ärgerlich, eine Haftpflichtforderung von einer halben Million Euro kann Sie in die Privatinsolvenz treiben. Die Ordnung nach existenziellem Risiko fragt daher einfach: Welchen Schaden könnten Sie aus eigener Tasche tragen, ohne Ihre Lebensgrundlage zu verlieren?
Der Verkaufsdruck funktioniert anders. Versicherer und Vergleichsportale bewerben Produkte mit Slogans wie „Rundumschutz“ oder mit Sparversprechen, wie es das Vergleichsportal für Wohngebäudeversicherungen tut. Solche Angebote verkaufen Bequemlichkeit, nicht Schutz vor existenziellem Risiko. Auch die Sparkasse präsentiert eine Mopedversicherung als bequemen Onlineabschluss, ohne das abgesicherte Risiko zu benennen. Legen Sie diese Verkaufslogik beiseite, wenn Sie Ihre eigenen Verträge ordnen.
Welche Versicherung zuerst kommt
Die folgende Tabelle ordnet die sechs wichtigsten Versicherungstypen nach dem Schaden, den ein fehlender Schutz auslösen würde.
| Versicherung | Schützt | Schaden ohne Schutz | Priorität |
|---|---|---|---|
| Krankenversicherung | Behandlungskosten bei Krankheit und Unfall | Unbezahlbare medizinische Kosten, gesetzliche Pflicht | 1 |
| Privathaftpflicht | Schadensersatzansprüche Dritter | Unbegrenzte Forderungen bis zur Privatinsolvenz | 2 |
| Berufsunfähigkeit | Ihr Arbeitseinkommen | Verlust des Einkommens bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit | 3 |
| Hausrat | Möbel, Elektronik, Kleidung | Ersatz des gesamten Hausrats aus eigener Tasche | 4 |
| Rechtsschutz | Kosten von Rechtsstreitigkeiten | Anwalts- und Prozesskosten | 5 |
| Zusatzschutz | Zahnbehandlung, Krankenhaustagegeld | Zusatzkosten, meist selbst tragbar | 6 |
Die Krankenversicherung steht an erster Stelle, weil sie gesetzlich vorgeschrieben ist und ohne sie keine medizinische Behandlung finanzierbar wäre. Die Privathaftpflicht folgt direkt dahinter: Sie zahlt, wenn Sie anderen Menschen einen Schaden zufügen, und die Forderungshöhe ist nicht begrenzt. Ein einziger Unfall, bei dem Sie eine fremde Person schwer verletzen, kann Ihre Ersparnisse und Ihr künftiges Einkommen aufzehren.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt Ihre Arbeitskraft, die Ihr wichtigstes Kapital ist. Wer dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, verliert sein Einkommen, behält aber seine laufenden Kosten. Hausrat und Rechtsschutz schützen ersetzbare Güter und Prozesskosten, die Sie im Zweifel selbst tragen können. Der Zusatzschutz wie Zahnzusatz oder Krankenhaustagegeld verbessert den Komfort, sichert aber keine Existenz.
Was Sie in bestehenden Verträgen prüfen sollten
Bevor Sie neue Policen abschließen, prüfen Sie Ihre bestehenden Verträge. Klären Sie, ob die Versicherungssumme zur aktuellen Lebenssituation passt, ob Lücken bestehen und ob Sie doppelt zahlen. Wer etwa eine Hausratversicherung über den Vermieter abgeschlossen hat und zusätzlich eine eigene Police besitzt, zahlt doppelt für denselben Schutz.
Wenn das Geld knapp ist, raten die Verbraucherzentralen dazu, die Ausgaben nach Dringlichkeit zu ordnen. Versicherungsbeiträge gehören zu den festen Kosten, aber nicht jede Police hat dieselbe Dringlichkeit. Streichen Sie zuerst die Verträge mit geringer Priorität, bevor Sie an der Haftpflicht oder der Berufsunfähigkeit sparen.
So ordnen Sie Ihre Versicherungen praktisch
Eine konkrete Ordnung gelingt in fünf Schritten:
- Listen Sie alle Verträge mit Beitrag und Leistungsumfang auf.
- Markieren Sie, welche Policen existenzielle Risiken abdecken.
- Prüfen Sie, ob Lücken oder Doppelversicherungen bestehen.
- Passen Sie Verträge an oder kündigen Sie niedrig priorisierte Policen.
- Wiederholen Sie die Prüfung einmal im Jahr.
Beim Abschluss einer neuen Versicherung gilt das Versicherungsvertragsgesetz (VVG). § 1 VVG definiert den Versicherungsvertrag, und § 19 VVG regelt Ihre vorvertragliche Anzeigepflicht. Das bedeutet: Sie müssen Gesundheitsfragen im Antrag wahrheitsgemäß beantworten. Verschweigen Sie eine Vorerkrankung, kann der Versicherer den Vertrag anfechten und im Schadensfall die Leistung verweigern.
FAQ
Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn ich im öffentlichen Dienst arbeite? Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in den meisten Fällen nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Auch Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sollten prüfen, ob ihre Dienstunfähigkeits- oder Pensionsregelung den Einkommensverlust abdeckt. Für die meisten Erwerbstätigen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung die wichtigste freiwillige Einkommensabsicherung.
Ist die Privathaftpflicht gesetzlich vorgeschrieben? Nein, sie ist keine Pflichtversicherung. Trotzdem gilt sie als wichtigste freiwillige Versicherung, weil die Schadensersatzforderungen unbegrenzt sein können. Ein einziger Haftpflichtfall kann Ihr gesamtes Vermögen und Ihr künftiges Einkommen betreffen.
Kann ich meine Hausratversicherung kündigen, wenn ich sparen muss? Ja, die Hausratversicherung gehört zur mittleren Priorität. Der Verlust von Möbeln und Elektronik ist ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend. Kündigen Sie zuerst solche Policen, bevor Sie die Haftpflicht oder die Berufsunfähigkeit einschränken.
Was passiert, wenn ich bei der Antragstellung eine Krankheit verschweige? Der Versicherer kann den Vertrag wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht anfechten. Im Schadensfall bedeutet das in der Regel, dass er nicht zahlt. Beantworten Sie die Gesundheitsfragen deshalb immer vollständig und wahrheitsgemäß.