Sie sind umgezogen, und seitdem zeigt die Bonitätsauskunft einen schlechteren Wert an. Vielleicht hat eine Bank einen Kredit abgelehnt, ein Mobilfunkanbieter einen Vertrag nur gegen Vorauszahlung angeboten oder ein Energieversorger eine Kaution verlangt. Sie erfahren, warum der Score nach einem Umzug fällt, welche Fehler die Lage verschlimmern und wie Sie gespeicherte Daten prüfen und korrigieren lassen.
Der Score ist eine Zahl, mit der Auskunfteien wie die Schufa, Creditreform Boniversum und CRIF Bürgel einschätzen, wie wahrscheinlich Sie Rechnungen und Kredite pünktlich zurückzahlen.
Banken, Handy-Anbieter, Versandhäuser und Energieversorger fragen diesen Wert ab, bevor sie Verträge abschließen. Dafür speichern die Auskunfteien Daten, die unter anderem bei der Eröffnung eines Girokontos oder der Aufnahme eines Kredits anfallen.
Der Umzug selbst senkt den Score nicht direkt. Er führt aber zu typischen Fehlern: Daten bleiben unter der alten Adresse gespeichert, Schlussrechnungen laufen ins Leere, oder Sie schließen kurz nacheinander mehrere neue Verträge ab und erzeugen dadurch mehrere Anfragen bei den Auskunfteien. Diese Fehler lassen sich vermeiden, und falsche Einträge lassen sich korrigieren.
Warum der Umzug den Score überhaupt beeinflusst
Die Auskunfteien verknüpfen Ihre Daten mit Ihrer Anschrift. Wenn Sie umziehen, sind Sie gesetzlich verpflichtet, die neue Wohnung beim Bürgeramt anzumelden. Die Meldebehörden geben die neue Adresse an die Auskunfteien weiter. Auch Banken, Mobilfunkanbieter und Versicherungen melden Adressänderungen. Diese Meldungen kommen aber nicht alle gleichzeitig an. Solange ein Vertrag noch unter der alten Adresse läuft, kann die Auskunftei zwei Datensätze führen: einen mit der alten und einen mit der neuen Adresse. Die pünktlichen Zahlungen aus der Vergangenheit bleiben dann unter der alten Adresse gespeichert und fließen unter der neuen Adresse möglicherweise nicht in die Bewertung ein.
Der zweite Auslöser sind unbezahlte Schlussrechnungen. Wenn ein Strom-, Gas- oder Telefonanbieter Ihre neue Adresse nicht kennt, schickt er die Schlussrechnung an die alte Wohnung. Sie bekommen sie verspätet oder gar nicht. Bleibt die Rechnung nach Mahnungen und nach der Ankündigung einer Meldung unbezahlt, kann der Anbieter sie an die Auskunftei melden. Dort entsteht dann ein negativer Eintrag.
Der dritte Auslöser ist, wenn viele neue Verträge in kurzer Zeit hinzukommen. Wer nach dem Umzug ein neues Girokonto, einen Handyvertrag, einen Internetvertrag, Versicherungen und den Stromvertrag innerhalb weniger Wochen abschließt, erzeugt bei jeder Auskunftei eine Anfrage. Jede Anfrage wird gespeichert. Mehrere Anfragen in kurzer Zeit behandeln die Auskunfteien wie eine erhöhte Kreditnachfrage. Das kann den Score senken.
Energieversorger dürfen vor Vertragsschluss eine Bonitätsauskunft einholen, bekommen dabei aber keine privaten Angaben wie Einkommen, Familienstand oder Beruf mitgeteilt. Wenn Sie aktuell Zahlungsprobleme haben, bieten Anbieter im Zweifel Vorauskasse, Pakettarife oder Verträge mit Kaution an; fragen Sie in diesem Fall direkt beim Anbieter nach, welche Möglichkeiten es gibt.
Die Schufa darf nur bestimmte Daten und diese auch nur für eine begrenzte Zeit speichern. Welche Einträge zulässig sind und wie lange sie bestehen bleiben, erläutert die Verbraucherzentrale auf ihrer Seite zum Umgang mit Schufa-Einträgen. Neben der Schufa führen auch Creditreform Boniversum und CRIF Bürgel Daten über Sie.
Diese Fehler sollten Sie nach dem Umzug vermeiden
Behalten Sie die Kontrolle über Ihre Daten, denn das schützt am besten gegen einen Scoreabfall; die folgenden Fehler sind häufig und lassen sich mit wenig Aufwand vermeiden.
Mehrere Verträge in wenigen Wochen abschließen. Da jede Anfrage bei einer Auskunftei gespeichert wird, schließen Sie neue Verträge nach dem Umzug in zeitlichen Abständen ab. Prüfen Sie vorher, welche Verträge sofort nötig sind. Wenn Sie einen Kredit suchen, vergleichen Sie Angebote innerhalb eines kurzen Zeitraums, statt über Monate verteilt immer wieder neue Anfragen zu stellen.
Die alte Adresse bei Anbietern nicht aktualisieren. Informieren Sie Bank, Arbeitgeber, Mobilfunkanbieter, Versicherungen, Energieversorger und Vermieterin oder Vermieter über die neue Anschrift. Führen Sie eine Umzugsliste und notieren Sie, wann Sie welche Stelle informiert haben. Bitten Sie bei Verträgen mit laufenden Rechnungen um eine Bestätigung der Adressänderung.
Schlussrechnungen übersehen und Zahlungsbelege wegwerfen. Bezahlen Sie die Schlussrechnung des alten Strom-, Gas- oder Telefonanbieters sofort nach Erhalt. Heben Sie den Überweisungsbeleg oder den Kontoauszug auf. Falls später ein Mahnverfahren oder ein negativer Eintrag auftaucht, ist der Zahlungsbeleg Ihr wichtigster Beweis.
Den Umzug nicht beim Bürgeramt anmelden. Die Anmeldung der neuen Wohnung ist gesetzlich vorgeschrieben. Ohne sie kennen die Auskunfteien Ihre neue Adresse nicht, und Vertragspartner können sie nicht zuordnen. Eine Meldebescheinigung bestätigt außerdem das Umzugsdatum, wenn Sie Daten bei einer Auskunftei korrigieren lassen wollen.
Einen Kredit aufnehmen, um den Score zu verbessern. Solange die eigentliche Ursache des niedrigen Scores bestehen bleibt, erzeugt ein unnötiger Kleinkredit eine neue Anfrage und einen neuen Vertrag. Der Score verbessert sich zuverlässiger, wenn Sie bestehende Verträge pünktlich zahlen und falsche Einträge bereinigen lassen.
Den Scoreabfall ignorieren und einfach weiter Verträge abschließen. Wer den Abfall bemerkt, sollte zuerst klären, warum er entstanden ist. Neue Verträge vor dieser Klärung können weitere Anfragen und weitere falsche Einträge verursachen.
| Fehler | Besser so |
|---|---|
| Mehrere neue Verträge in wenigen Wochen abschließen | Nur die nötigen Verträge schließen, den Rest staffeln |
| Alte Adresse bei Anbietern nicht melden | Umzugsliste führen und jede Adressänderung bestätigen lassen |
| Schlussrechnung nicht bezahlen | Jede Schlussrechnung sofort bezahlen und den Beleg aufbewahren |
| Kredit zur Score-Pflege aufnehmen | Bestehende Verträge pünktlich zahlen und falsche Einträge bereinigen |
| Scoreabfall ignorieren | Datenkopie anfordern und alle Einträge prüfen |
So prüfen und korrigieren Sie Ihre Daten
Der erste Schritt ist die kostenlose Datenkopie. Einmal im Jahr dürfen Sie bei den Auskunfteien kostenlos erfahren, welche Daten über Sie gespeichert sind. Stellen Sie die Anfrage schriftlich bei der Schufa sowie bei Creditreform Boniversum und CRIF Bürgel. Die Verbraucherzentrale erklärt, wie Sie die Datenauskunft anfordern und was Sie dabei beachten müssen.
Prüfen Sie in der Datenkopie vier Punkte. Erstens: Stimmen die gespeicherten Adressen, das heißt die alte und die neue Anschrift? Zweitens: Gehören alle aufgeführten Verträge und Konten tatsächlich Ihnen? Drittens: Welche Firma hat wann eine Anfrage gestellt, und war diese Anfrage berechtigt? Viertens: Gibt es negative Einträge wie Mahnungen oder Inkassoverfahren, und sind diese korrekt?
Wenn Sie einen falschen Eintrag finden, reichen Sie bei der Auskunftei einen schriftlichen Einspruch ein. Legen Sie Belege bei, etwa den Zahlungsbeleg, den Vertrag oder die Meldebescheinigung. Geben Sie immer beide Adressen und das Umzugsdatum an, damit die Auskunftei die Datensätze zusammenführen kann. Die Auskunftei muss Ihre Daten prüfen und Fehler korrigieren oder löschen, in der Regel innerhalb eines Monats. Bewahren Sie eine Kopie Ihres Schreibens und den Einlieferungsbeleg auf.
Wenn die Auskunftei die Korrektur ablehnt oder nicht reagiert, hilft eine Beratung bei der Verbraucherzentrale oder bei einer Anwältin beziehungsweise einem Anwalt für Verbraucherrecht. Zusätzlich können Sie sich bei der Datenschutzaufsichtsbehörde Ihres Bundeslandes beschweren, wenn Ihre Daten unrechtmäßig verarbeitet werden.
Wann Sie Beratung oder amtliche Hilfe brauchen
Die Verbraucherzentrale berät zu Schufa-Einträgen und hilft bei der Formulierung von Einsprüchen, wenn Sie einen falschen Eintrag nicht selbst auflösen können. Wenn ein Inkassounternehmen Geld von Ihnen fordert oder offene Rechnungen bestehen, die Sie nicht bezahlen können, ist eine Schuldnerberatung der richtige Ort. Je früher Sie dort anfragen, desto besser lassen sich Mahnungen und negative Einträge begrenzen.
Wenn ein Anbieter einen Vertrag wegen eines schlechten Scores ablehnt oder nur zu schlechteren Konditionen anbietet, fragen Sie nach, welcher Scorewert verwendet wurde und von welcher Auskunftei er stammt. Anbieter müssen Ihnen diese Angabe auf Wunsch mitteilen. Wenn Ihr Einkommen für eine anwaltliche Beratung nicht reicht, können Sie beim Amtsgericht Beratungshilfe beantragen; damit übernimmt der Staat die Kosten für eine erste rechtliche Einschätzung.
Kernaussagen
- [Datenkopie einfordern]: Fordern Sie nach dem Umzug die kostenlose Datenkopie bei der Schufa, Creditreform Boniversum und CRIF Bürgel an, bevor Sie neue Verträge abschließen.
- [Adresse überall melden]: Aktualisieren Sie die Anschrift bei Bank, Arbeitgeber, Mobilfunkanbieter, Versicherungen und Energieversorgern, damit Schlussrechnungen nicht in der alten Wohnung landen.
- [Anfragen strecken]: Schließen Sie neue Verträge gestaffelt ab, weil jede Bonitätsanfrage gespeichert wird. Mehrere Anfragen in kurzer Zeit senken den Score.
- [Falsche Einträge schriftlich beanstanden]: Belegen Sie die Korrektur mit Zahlungsnachweisen und der Meldebescheinigung; die Auskunftei muss die Daten prüfen und Fehler löschen.
- [Keine Kredite zur Score-Pflege]: Ein unnötiger Kleinkredit erzeugt nur weitere Einträge; pünktliche Zahlungen und stabile Verträge wirken nachhaltiger.
FAQ
Sinkt der Score automatisch, wenn ich umziehe?
Nein. Der Umzug selbst ist kein negativer Eintrag. Der Score sinkt durch Fehler, die den Umzug begleiten: unbezahlte Schlussrechnungen, eine veraltete Adresse bei Anbietern und viele neue Anfragen in kurzer Zeit. Wer diese Punkte beachtet, verhindert den Abfall meist schon.
Wie bekomme ich heraus, welche Daten über mich gespeichert sind?
Fordern Sie bei der Schufa und den anderen Auskunfteien eine Datenkopie an. Einmal im Jahr ist sie kostenlos. Prüfen Sie darin Adressen, Verträge, Anfragen und negative Einträge. Wenn Ihnen ein Eintrag unklar ist, fragen Sie die Auskunftei, auf welcher Grundlage er gespeichert wurde.
Was mache ich, wenn ein falscher Eintrag meinen Score senkt?
Schreiben Sie der Auskunftei einen formlosen Einspruch und legen Sie Belege bei, etwa den Zahlungsbeleg oder die Meldebescheinigung. Die Auskunftei muss die Daten prüfen und Fehler berichtigen oder löschen. Antwortet sie nicht oder lehnt sie ab, hilft die Verbraucherzentrale oder eine anwaltliche Beratung weiter.
Wie lange bleiben negative Einträge gespeichert?
Nicht auf Dauer. Die Speicherfristen hängen von der Art des Eintrags ab und sind gesetzlich geregelt. In Ihrer Datenkopie steht, seit wann ein Eintrag besteht. Sind die Fristen unklar, fragen Sie direkt bei der Auskunftei nach dem vorgesehenen Löschdatum.
Darf ein Energieversorger meine Bonität prüfen, bevor ich einen Vertrag bekomme?
Ja, vor Vertragsschluss darf ein Gas- oder Stromanbieter eine Bonitätsauskunft einholen. Er bekommt dabei aber keinen Einblick in Ihr Einkommen, Ihren Familienstand oder Beruf. Bei aktuellen Zahlungsproblemen bieten Anbieter häufig Vorauskasse, Pakettarife oder Verträge mit Kaution an; fragen Sie im Zweifel direkt nach.
Hilft ein Kleinkredit, den Score wieder zu verbessern?
In der Regel nicht. Solange die eigentliche Ursache des niedrigen Scores bestehen bleibt, erzeugt ein neuer Kredit eine neue Anfrage und einen neuen Vertrag. Besser ist, falsche Einträge bereinigen zu lassen, offene Rechnungen zu bezahlen und bestehende Verträge pünktlich zu bedienen.