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Welche Schritte helfen, wenn mehrere Ratenkäufe den Überblick erschweren

Haben Sie in Deutschland mehrere Ratenkäufe laufen und wissen nicht mehr genau, welche Zahlungen wann fällig sind? Beim Ratenkauf zahlt ein Händler oder Zahlungsdienstleister den Kaufpreis vor. Sie zahlen den Betrag in monatlichen Teilbeträgen zurück. Ähnlich funktioniert „Buy Now, Pay Later“ („Jetzt kaufen, später bezahlen“). Der Anbieter streckt den Betrag vor und bucht ihn meist erst 30 Tage später ab. Beides ist rechtlich oft ein Kreditvertrag, auch wenn es sich harmlos anfühlt.

Der wichtigste erste Schritt ist eine vollständige Liste aller laufenden Ratenkäufe. Jede versäumte Rate kann zu Mahnungen, Inkassoforderungen und Einträgen bei Auskunfteien wie der Schufa führen. Auskunfteien sind private Firmen. Sie sammeln Zahlungsdaten und berechnen daraus einen Bonitätsscore. Der Score verschlechtert sich bei negativen Einträgen. Banken, Mobilfunkanbieter und Vermieter prüfen ihn vor Vertragsabschluss. Ein negativer Eintrag wirkt also weit über den einzelnen Ratenkauf hinaus.

Der Artikel zeigt, welche Unterlagen Sie sammeln sollten, in welcher Reihenfolge Sie vorgehen, welche Kosten und Risiken entstehen und ab wann Beratung oder staatliche Hilfe sinnvoll ist.

Warum mehrere Ratenkäufe die Bonität gefährden

Jeder Ratenkauf ist ein Kredit, auch wenn er sich beim Online-Bezahlen wie ein bequemer Zusatzservice anfühlt. Der Anbieter zahlt den Kaufpreis an den Händler. Sie schulden dem Anbieter das Geld. Zahlen Sie nicht, mahnt der Anbieter, beauftragt ein Inkassounternehmen oder meldet die offene Forderung an eine Auskunftei. Solch ein Eintrag kann jahrelang gespeichert bleiben. Er erschwert später den Abschluss eines Handyvertrags, die Finanzierung eines Autos oder die Suche nach einer Mietwohnung.

Die Gefahr bei mehreren Ratenkäufen ist nicht der einzelne Vertrag, sondern die Summe. Die Finanzaufsicht BaFin schätzt, dass etwa jede siebte Person, die Buy Now, Pay Later nutzt, schon einmal den Überblick über solche Zahlungen verloren hat

Kreisdiagramm: 1 von 7 Personen, die Buy Now, Pay Later nutzen, hat bereits den Überblick über Zahlungen verloren; 6 von 7 hatten den Überblick nicht verloren. . Besonders oft sind 18- bis 34-Jährige betroffen. Sie haben oft noch kein gefestigtes Finanzmanagement. Weil die einzelnen Raten klein wirken, scheint alles problemlos machbar. Erst wenn mehrere Raten am Monatsende zusammenkommen, wird der Spielraum knapp.

Die Verbraucherzentrale warnt davor, Zahlungen bei Geldnot zu verschieben: Wer zu viele ausstehende Zahlungen ansammelt, kann sie auch in besseren Zeiten kaum abbezahlen. Je früher Sie reagieren, desto mehr Handlungsoptionen bleiben.

So erstellen Sie die vollständige Liste aller Ratenkäufe

Bevor Sie etwas entscheiden, brauchen Sie Zahlen. Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und tragen Sie alle laufenden Ratenkäufe zusammen. Dazu gehören Vertragsbestätigungen, Bestellbestätigungen, Kontoauszüge der letzten drei Monate, E-Mails von Zahlungsdiensten und die Übersichten in den Apps der Anbieter. Achten Sie besonders auf Lastschriften, die Sie vielleicht vergessen haben, etwa bei kleineren Beträgen, die monatlich abgebucht werden.

Notieren Sie zu jedem Ratenkauf die folgenden Angaben:

Was Sie notieren Wozu Sie es brauchen
Anbieter und Vertragsnummer Für Rückfragen und schriftliche Vereinbarungen
Monatliche Rate Um die Gesamtbelastung pro Monat zu berechnen
Restschuld Um zu sehen, wie lange der Vertrag noch läuft
Fälligkeitstag Um Engpässe im Monatsverlauf zu erkennen
Zinssatz und Gesamtkosten Um zu erkennen, welcher Vertrag am teuersten ist
Restlaufzeit Um zu planen, wann welche Belastung wegfällt

Wenn die Liste vollständig ist, addieren Sie alle monatlichen Raten und vergleichen Sie die Summe mit Ihrem Einkommen und Ihren Fixkosten. Wenn die Raten zusammen einen spürbaren Teil Ihres verfügbaren Einkommens ausmachen, ist das ein Warnsignal. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei einem finanziellen Engpass zuerst alle finanziellen Verpflichtungen zu erfassen und dann die existenziellen Kosten zu sichern: Miete, Energiekosten und Lebensmittel haben Vorrang vor Ratenzahlungen. Altersvorsorgeverträge sollten Sie nicht übereilt kündigen, nur weil gerade Geld fehlt.

Was tun, wenn die Raten nicht mehr passen

Wenn die Liste zeigt, dass die Raten nicht mehr ins Budget passen, handeln Sie, bevor Sie eine Rate verpassen. Der wichtigste Schritt ist das Gespräch mit den Anbietern. Rufen Sie an oder schreiben Sie eine Nachricht. Erklären Sie die Lage kurz und sachlich. Fragen Sie dann nach einer Stundung, einer Reduzierung der Rate oder einer Verlängerung der Laufzeit. Viele Anbieter stimmen einer Lösung zu, weil ihnen ein geregelter Zahlungsfluss lieber ist als ein aufwendiges Mahnverfahren. Halten Sie jede Vereinbarung schriftlich fest.

Vermeiden Sie zwei typische Fehler. Einen neuen Kredit aufzunehmen, um alte Raten zu bezahlen, verschiebt das Problem nur und erhöht die monatliche Belastung. Auch Zahlungen einfach zu ignorieren ist riskant. Jede Mahnung kostet Geld. Inkassounternehmen berechnen zusätzliche Gebühren, die die Schuld weiter wachsen lassen. Setzt ein Anbieter eine Zahlungsfrist, sollten Sie sie nicht verstreichen lassen. Nach Fristablauf steigen die Kosten weiter.

Prüfen Sie gleichzeitig, ob Ihnen staatliche Unterstützung zusteht. Die Verbraucherzentrale rät, so früh wie möglich Hilfen zu beantragen, etwa Wohngeld, Bürgergeld oder Kinderzuschlag. Auch wer arbeitet, kann unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch haben. Ein Antrag lohnt sich auch dann, wenn Sie unsicher sind, ob er bewilligt wird.

Wann Beratung oder amtliche Hilfe sinnvoll ist

Warten Sie nicht, bis die Lage aussichtslos ist. Eine kostenlose Schuldnerberatung ist sinnvoll, sobald Sie Miete oder Energiekosten nicht mehr vollständig bezahlen können, Mahnungen oder Inkassoschreiben eintreffen oder Sie absehen, dass Sie die Raten auch in den nächsten sechs bis zwölf Monaten nicht stemmen können. Schuldnerberatung bedeutet nicht automatisch Privatinsolvenz. Die Beraterinnen und Berater prüfen zuerst, ob eine außergerichtliche Lösung möglich ist, etwa durch Umschuldung, Ratenvereinbarungen oder den Abbau von Forderungen.

Kostenlose Schuldnerberatung bieten kommunale Stellen sowie Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie und AWO an. Auch die Verbraucherzentrale berät zu Geld, Krediten und Schulden. Nehmen Sie zu einem Termin Ihre vollständige Liste der Ratenkäufe, die Kontoauszüge, alle Verträge und bereits eingegangene Mahnungen oder Inkassoschreiben mit. Je vollständiger die Unterlagen sind, desto konkreter kann die Beratung helfen.

Staatliche Hilfe wie Wohngeld, Bürgergeld oder Kinderzuschlag sollten Sie ebenfalls früh beantragen. Die Bearbeitung dauert oft mehrere Wochen. Rückwirkende Zahlungen gibt es in der Regel erst ab dem Monat des Antrags. Ein früher Antrag sichert Ihnen also Geld, das Sie für die Raten oder die Lebenshaltungskosten nutzen können.

Kernaussagen

  • Vollständige Liste erstellen: Notieren Sie zu jedem Ratenkauf Anbieter, Monatsrate, Restschuld, Fälligkeitstag und Zinssatz, bevor Sie Entscheidungen treffen.
  • Existenzielle Kosten zuerst sichern: Miete, Energie und Lebensmittel haben Vorrang vor Ratenzahlungen; kündigen Sie Altersvorsorgeverträge nicht übereilt.
  • Anbieter früh kontaktieren: Fragen Sie vor der ersten versäumten Rate nach Stundung oder Ratenreduzierung und lassen Sie jede Vereinbarung schriftlich bestätigen.
  • Keine neuen Kredite zur Ablösung alter Raten: Eine Umschuldung erhöht meist die Gesamtbelastung und verschiebt das Problem nur.
  • Früh Hilfe holen: Kostenlose Schuldnerberatung und staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Bürgergeld wirken am besten, wenn Sie sie beantragen, bevor Mahnungen und Inkassoforderungen eintreffen.

FAQ

Was passiert mit meiner Bonität, wenn ich eine Rate nicht zahle?

Meldet ein Anbieter die offene Forderung an eine Auskunftei oder übergibt sie einem Inkassounternehmen, kann das zu einem negativen Eintrag führen, der über Jahre gespeichert bleibt. Banken, Mobilfunkanbieter und Vermieter sehen diesen Eintrag bei Bonitätsprüfungen und lehnen Verträge dann häufiger ab. Deshalb ist es besser, vor der ersten versäumten Rate mit dem Anbieter zu sprechen.

Kann ich einen Ratenkauf vorzeitig zurückzahlen?

Ja, in der Regel können Sie einen Ratenkauf jederzeit ganz oder teilweise vorzeitig zurückzahlen. Ob der Anbieter dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung, also eine Ausgleichszahlung für entgangene Zinsen, verlangen darf, hängt vom Vertrag ab. Fragen Sie vorher schriftlich nach, welche Kosten anfallen, und vergleichen Sie sie mit der Zinsersparnis.

Hilft eine Umschuldung bei mehreren Ratenkäufen?

Eine Umschuldung kann helfen, wenn Sie mehrere teure Ratenverträge zu einem einzigen Kredit mit niedrigerem Zinssatz zusammenfassen. Sie hilft nicht, wenn Sie dadurch nur neue Schulden aufnehmen, ohne die monatliche Belastung zu senken. Lassen Sie sich vorher berechnen, ob die Gesamtkosten tatsächlich sinken, und holen Sie bei Unsicherheit eine Schuldnerberatung dazu.

Wo finde ich kostenlose Schuldnerberatung?

Kostenlose Schuldnerberatung bieten kommunale Stellen und Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie und AWO an. Einen Termin können Sie direkt bei der örtlichen Beratungsstelle vereinbaren; oft gibt es Wartezeiten, also stellen Sie den Antrag früh. Auch die Verbraucherzentrale berät zu Krediten und Schulden.

Was ist der Unterschied zwischen Ratenkauf und Buy Now, Pay Later?

Beim Ratenkauf zahlen Sie einen Kaufpreis in monatlichen Teilbeträgen zurück. Bei Buy Now, Pay Later streckt der Anbieter den Betrag vor und bucht ihn meist erst 30 Tage später vom Konto ab, oft in einer Summe. Rechtlich sind beide Varianten in vielen Fällen Kreditverträge, auch wenn sie im Bestellvorgang wie ein bequemer Zusatzservice wirken.

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