Sie haben in den letzten Monaten mehrere Einkäufe auf Raten oder über „Buy now, pay later" (BNPL) abgeschlossen und wissen nun nicht mehr genau, welche Beträge wann fällig werden. Vielleicht haben Sie bei verschiedenen Online-Shops Kleidung, Elektronik oder Möbel bestellt und die Zahlung auf mehrere Monate verteilt. Jetzt stehen mehrere monatliche Abbuchungen an, und Sie fragen sich, ob Sie den Überblick behalten und ob sich diese Käufe auf Ihre Bonität auswirken. Genau darum geht es hier: Sie erfahren, was Ratenkäufe für Ihre Kreditwürdigkeit bedeuten, welche Schritte Sie jetzt sinnvoll unternehmen können und wann Sie sich professionelle Hilfe holen sollten.
Ratenkauf und BNPL sind ein Kredit: Der Zahlungsdienstleister streckt den fälligen Betrag beim Online-Shop vor und bucht das Geld in der Regel erst 30 Tage später vom Konto ab. Jeder dieser Käufe ist eine Kreditaufnahme, die in Ihrer Bonitätsakte vermerkt wird. Die Werbung stellt solche Angebote oft als sorglos und risikofrei dar, doch die Realität sieht anders aus, wenn mehrere Verträge gleichzeitig laufen.
Warum Ratenkäufe ein Kredit sind und Ihre Bonität berühren
Beim Ratenkauf schließen Sie einen Vertrag mit einem Finanzdienstleister ab, nicht mit dem Händler. Dieser Dienstleister prüft vor der Genehmigung in der Regel Ihre Bonität, also Ihre Fähigkeit und Bereitschaft, den Betrag zurückzuzahlen. Dafür fragt er Daten bei Auskunfteien wie der Schufa ab. Jede solche Anfrage wird gespeichert, ebenso wie die Tatsache, dass Sie einen Ratenvertrag abgeschlossen haben.
Das Problem bei mehreren parallelen Ratenkäufen: Jeder einzelne Betrag mag überschaubar sein, aber die Summe aller monatlichen Verpflichtungen kann schnell so hoch werden, dass sie Ihre finanzielle Flexibilität einschränkt. Wenn Sie im Januar einen Fernseher auf zwölf Raten kaufen, im März ein Smartphone auf zehn Raten und im Mai eine Waschmaschine auf sechs Raten, dann zahlen Sie ab Juni drei verschiedene Raten gleichzeitig. Dazu kommen laufende Kosten für Miete, Strom, Versicherungen und Lebensmittel.
Die neue Score-Version der Schufa gilt seit dem 1. November 2024. Sie soll Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, die Kriterien der Bonitätsbewertung besser zu verstehen und fehlerhafte Einschätzungen zu korrigieren. Das ist wichtig, weil der Score mitentscheidet, ob Sie einen Mobilfunkvertrag bekommen, eine Wohnung mieten oder einen größeren Kredit aufnehmen können. Bisher galt das System vielen Menschen als kaum nachvollziehbar, zu komplex und zu wenig kontrollierbar. Die neue Version zielt darauf ab, mehr Transparenz zu schaffen.
Konkret bedeutet das für Sie: Jeder Ratenkauf, den Sie abschließen, wird in Ihrer Bonitätsakte vermerkt. Mehrere gleichzeitige Ratenkäufe erhöhen die Summe Ihrer laufenden Verpflichtungen, und genau diese Summe fließt in die Berechnung Ihres Scores ein. Wenn Sie alle Raten pünktlich zahlen, wirkt sich das positiv aus. Wenn Sie eine Rate verpassen oder gar ein Mahnverfahren läuft, verschlechtert das Ihren Score deutlich und Ihre Chancen auf zukünftige Verträge.
Was Sie jetzt tun können: Überblick schaffen und handeln
Der erste und wichtigste Schritt ist, sich einen vollständigen Überblick über alle laufenden Ratenkäufe zu verschaffen. Legen Sie eine Liste an, in der Sie für jeden Vertrag folgende Angaben notieren: Anbieter, ursprünglicher Kaufbetrag, bereits gezahlte Raten, verbleibende Raten, monatliche Rate, Fälligkeitstag und Restbetrag. Diese Informationen finden Sie in den Vertragsunterlagen, in den Bestellbestätigungen oder in den Online-Konten der jeweiligen Zahlungsdienste.
Wenn Sie die Liste erstellt haben, addieren Sie alle monatlichen Raten. Vergleichen Sie diese Summe mit Ihrem verfügbaren Einkommen nach Abzug der Fixkosten. Wenn die Raten mehr als einen spürbaren Teil Ihres Budgets ausmachen, sollten Sie handeln, bevor Zahlungsprobleme entstehen.
Eine Möglichkeit ist, einzelne Verträge vorzeitig abzulösen. Viele Anbieter erlauben eine Sondertilgung oder die vorzeitige Rückzahlung des Restbetrags. Dafür können allerdings Gebühren anfallen, die Sie vorher erfragen sollten. Prüfen Sie, ob Sie Rücklagen haben, um einen oder zwei kleinere Verträge komplett abzulösen. Das reduziert die monatliche Belastung und verringert die Anzahl der laufenden Verpflichtungen in Ihrer Bonitätsakte.
Eine weitere Option ist die Umschuldung: Sie nehmen einen einzigen Kredit auf, um mehrere Ratenkäufe abzulösen. Das kann sinnvoll sein, wenn der neue Kredit günstigere Konditionen bietet als die Summe der Einzelraten. Allerdings sollten Sie die Gesamtkosten genau vergleichen, denn ein neuer Kredit bedeutet auch eine neue Bonitätsanfrage und eine neue Verpflichtung.
Wenn Sie merken, dass Sie eine Rate nicht pünktlich zahlen können, kontaktieren Sie den Anbieter frühzeitig. Viele Dienstleister bieten eine Stundung oder eine Anpassung der Ratenhöhe an, wenn Sie das Problem rechtzeitig ansprechen. Ein offenes Gespräch ist fast immer besser, als die Zahlung einfach ausfallen zu lassen. Eine versäumte Rate führt zu Mahnungen, Gebühren und im schlimmsten Fall zu einem negativen Eintrag bei der Schufa.
Bonität prüfen und Fehler korrigieren
Sie haben das Recht, einmal im Jahr eine kostenlose Datenauskunft von der Schufa zu erhalten. Diese Auskunft zeigt Ihnen, welche Informationen über Sie gespeichert sind, einschließlich aller laufenden Kredite und Ratenkäufe. Prüfen Sie diese Daten sorgfältig auf Fehler: Stimmen die Verträge, die aufgeführt sind? Sind bereits abgeschlossene Verträge korrekt als beendet markiert? Gibt es Einträge, die Sie nicht zuordnen können?
Wenn Sie Fehler finden, können Sie eine Korrektur verlangen. Die neue Score-Version soll es einfacher machen, fehlerhafte Einschätzungen zu korrigieren. Dazu reichen Sie bei der Schufa einen Einspruch ein und legen die entsprechenden Nachweise bei, etwa Kontoauszüge oder Vertragsunterlagen, die belegen, dass ein Vertrag abgeschlossen oder getilgt ist. Die Schufa ist verpflichtet, Ihrem Einspruch nachzugehen und die Daten zu prüfen.
Beachten Sie: Eine Datenauskunft ist nicht dasselbe wie ein Score-Auszug. Die Datenauskunft zeigt die gespeicherten Fakten, der Score ist die daraus berechnete Wahrscheinlichkeit, mit der Sie Ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen. Beide können Sie anfordern, aber nur die Datenauskunft ist gesetzlich einmal jährlich kostenlos vorgeschrieben.
Wenn Sie mehrere Ratenkäufe haben und eine größere Anschaffung planen, etwa einen Autokredit oder eine Immobilienfinanzierung, sollten Sie vorher prüfen, wie sich Ihre laufenden Verpflichtungen auf Ihre Kreditwürdigkeit auswirken. Eine hohe monatliche Ratenbelastung reduziert den Spielraum, den Banken Ihnen für neue Kredite einräumen. Es kann sinnvoll sein, erst einige Ratenkäufe abzulösen, bevor Sie einen größeren Kredit beantragen.
Wann Sie Beratung oder amtliche Hilfe suchen sollten
Wenn die Summe Ihrer Ratenzahlungen so hoch ist, dass Sie regelmäßig Probleme haben, Ihre laufenden Kosten zu decken, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Schuldnerberatung ist in Deutschland kostenlos oder kostengünstig und wird von Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas oder der Diakonie sowie von kommunalen Stellen angeboten.
Eine Schuldnerberatung hilft Ihnen, einen Überblick über alle Verbindlichkeiten zu bekommen, Prioritäten zu setzen und mit den Gläubigern zu verhandeln. Sie kann auch prüfen, ob eine außergerichtliche Einigung möglich ist oder ob ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren in Frage kommt. Wichtig ist, dass Sie frühzeitig kommen, bevor Mahnungen und Inkassoverfahren die Situation verschärfen.
Auch die Verbraucherzentralen bieten Beratung zu Verbraucherkrediten und Ratenzahlungen an. Dort erhalten Sie neutrale Informationen zu Ihren Rechten, etwa zum Widerruf von Ratenkaufverträgen oder zur Anfechtung von Verträgen, die unter Druck zustande gekommen sind. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Vertrag rechtmäßig ist oder ob Sie übervorteilt wurden, ist eine Rechtsberatung sinnvoll.
Amtliche Hilfe kann auch das Jobcenter oder das Sozialamt leisten, wenn Sie Leistungen beziehen oder Ihre Existenzgrundlage gefährdet ist. In akuten Notlagen können dort Darlehen oder Beihilfen beantragt werden, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen und nach Prüfung des Einzelfalls.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem vorübergehenden Engpass und einer dauerhaften Überschuldung. Wenn Sie nur einmalig eine Rate nicht zahlen können, reicht oft ein Gespräch mit dem Anbieter. Wenn Sie jedoch feststellen, dass Sie über Monate hinweg mehr ausgeben als Sie einnehmen und die Schulden wachsen, ist eine Schuldnerberatung der richtige Weg. Sie hilft nicht nur bei der Bewältigung der aktuellen Situation, sondern auch dabei, zukünftige Ratenkäufe zu vermeiden und ein Budget aufzustellen, das zu Ihrem Einkommen passt.
Kernaussagen
- Jeder Ratenkauf ist ein Kredit: Der Zahlungsdienstleister streckt den Betrag vor und meldet den Vertrag an Auskunfteien wie der Schufa. Mehrere parallele Ratenkäufe erhöhen Ihre laufenden Verpflichtungen und beeinflussen Ihren Score.
- Erstellen Sie eine vollständige Liste aller Ratenverträge: Notieren Sie Anbieter, monatliche Rate, Fälligkeitstag und Restbetrag. Nur wer die Gesamtbelastung kennt, kann rechtzeitig handeln.
- Kontaktieren Sie den Anbieter frühzeitig bei Zahlungsschwierigkeiten: Stundung oder Ratenanpassung sind oft möglich, wenn Sie das Problem ansprechen, bevor die Zahlung ausfällt. Eine versäumte Rate kann zu negativen Schufa-Einträgen führen.
- Prüfen Sie Ihre Schufa-Daten einmal jährlich kostenlos: Die Datenauskunft zeigt alle gespeicherten Verträge. Mit der neuen Score-Version können Sie Fehler einfacher korrigieren lassen.
- Suchen Sie frühzeitig Schuldnerberatung auf: Wenn die Raten dauerhaft Ihr Budget sprengen, helfen Verbraucherzentralen und Wohlfahrtsverbände kostenlos oder kostengünstig, bevor Mahnungen und Inkasso die Lage verschärfen.
FAQ
Wie viele Ratenkäufe sind zu viel?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Ihren monatlichen Raten und Ihrem verfügbaren Einkommen. Wenn die Summe aller Raten mehr als einen spürbaren Teil Ihres Budgets ausmacht und Sie dadurch andere Rechnungen nicht mehr bezahlen können, ist die Belastung zu hoch.
Kann ich mehrere Ratenkäufe in einen Kredit umschulden?
Ja, das ist möglich. Sie nehmen einen einzelnen Kredit auf, um mehrere Ratenkäufe abzulösen. Das lohnt sich, wenn der neue Kredit günstiger ist als die Summe der Einzelraten. Vergleichen Sie die Gesamtkosten genau und beachten Sie, dass eine Umschuldung eine neue Bonitätsanfrage auslöst.
Was passiert, wenn ich eine Rate nicht zahlen kann?
Kontaktieren Sie den Anbieter sofort und schildern Sie Ihre Situation. Viele Dienstleister bieten Stundung oder eine Anpassung der Ratenhöhe an. Wenn Sie die Zahlung einfach ausfallen lassen, drohen Mahngebühren, Inkassoverfahren und ein negativer Schufa-Eintrag.
Wie bekomme ich meine Schufa-Daten?
Sie haben das Recht, einmal jährlich eine kostenlose Datenauskunft von der Schufa zu erhalten. Stellen Sie den Antrag schriftlich oder online über die Schufa-Website. Die Auskunft zeigt alle gespeicherten Informationen über Sie, einschließlich laufender Kredite und Ratenkäufe.
Wann sollte ich zur Schuldnerberatung gehen?
Wenn Sie über mehrere Monate hinweg mehr ausgeben als Sie einnehmen und die Schulden wachsen, ist eine Schuldnerberatung sinnvoll. Auch wenn Mahnungen oder Inkassoschreiben eintreffen, sollten Sie nicht zögern. Je früher Sie Hilfe suchen, desto mehr Handlungsspielraum haben Sie.