Wenn Ihr Girokonto dauerhaft im Minus ist und der Dispo trotz regelmäßiger Einzahlungen nicht kleiner wird, hilft Ihnen dieser Artikel. Der Dispo (Dispositionskredit) ist eine Kreditlinie, die die Bank auf dem Girokonto einräumt. Sie dürfen das Konto bis zu einem vereinbarten Rahmen überziehen, zahlen aber auf den negativen Saldo Zinsen. Die Bank berechnet diese Zinsen in der Regel monatlich. Wenn Ihre Zahlungen nur die Zinsen abdecken, bleibt der Schuldenstand gleich. Sinkt der Dispo nicht, übersteigen die Ausgaben meist die Einnahmen, oder die Zinsbelastung frisst den Abbau auf.
Der Weg aus dem Dispo führt in drei Schritten: Finanzen genau kennen, Ausgaben senken, Schulden in einen Ratenkredit umwandeln. Gelingt das nicht, hilft eine kostenlose Schuldnerberatung. Je später Sie handeln, desto höher wird die Zinslast und desto schwerer fällt der Neustart.
Warum der Dispo nicht sinkt
Der Dispo gehört zu den teuersten Kreditformen für Privatkunden. Die Zinsen liegen deutlich höher als bei einem Ratenkredit, und die Bank kann den Zinssatz jederzeit anpassen. So funktioniert die Rechnung: Die Bank berechnet die Zinsen auf den gesamten negativen Saldo. Zahlen Sie am Monatsende nur so viel ein, wie die Zinsen in diesem Monat betragen, bleibt der Saldo unverändert. Zahlen Sie weniger als die Zinsen, wachsen die Schulden. Der Dispo sinkt also nur, wenn Sie monatlich mehr einzahlen, als Zinsen und laufende Ausgaben zusammen ausmachen.
Häufige Ursachen dafür, dass der Dispo nicht sinkt:
- Die laufenden Kosten für Miete, Strom, Versicherungen und Raten übersteigen das Einkommen.
- Daueraufträge und Lastschriften laufen weiter, auch wenn das Konto im Minus ist.
- Einmalige Ausgaben wie die Autoreparatur oder die neue Waschmaschine bezahlen Sie über den Dispo, und der Saldo erholt sich nicht.
- Die Bank erhöht den Dispo-Rahmen. Dadurch wirken die Schulden erträglicher, aber sie werden nicht kleiner.
Die Bank baut den Dispo nicht selbst ab. Sie zieht die Zinsen ein und erwartet, dass Sie den Saldo zurückzahlen. Solange Sie den Dispo voll ausschöpfen, bleiben die Schulden gleich hoch. Deshalb steht am Anfang eine genaue Finanzübersicht, bevor Sie über einen neuen Kredit nachdenken.
Einnahmen und Ausgaben prüfen
Bevor Sie den Dispo abbauen, müssen Sie wissen, wohin das Geld fließt. Schreiben Sie zwei oder drei Monate lang alle Einnahmen und Ausgaben auf. Nutzen Sie dafür die Kontoauszüge und listen Sie zuerst die festen Kosten auf: Miete, Strom, Versicherungen, Telefon, Streaming, Abos und bestehende Raten. Danach listen Sie die variablen Kosten auf: Lebensmittel, Transport, Freizeit, Kleidung.
Die Liste zeigt zwei Wege, den Dispo abzubauen. Erstens können Sie die Ausgaben senken. Vergleichen Sie Versicherungen und Stromanbieter, kündigen Sie ungenutzte Abos und achten Sie auf die Kündigungsfristen der Verträge. Der Betrag, der dadurch frei wird, soll direkt in den Dispo fließen, nicht in neue Ausgaben. Zweitens können Sie die Einnahmen erhöhen. Prüfen Sie, ob Ihnen staatliche Leistungen wie Wohngeld, Kinderzuschlag oder Bürgergeld zustehen. Viele Menschen lassen diese Leistungen liegen, weil sie nicht wissen, dass sie Anspruch darauf haben.
Auch eine Steuererklärung hilft, den Dispo zu verkleinern. Sie können die Steuererklärung für die letzten vier Jahre nachreichen und sich zuvor gezahlte Steuern erstatten lassen. Der Betrag ist oft höher als erwartet und reduziert die Schulden spürbar. Der monatliche Überschuss, also der Betrag zwischen Einnahmen und Ausgaben, muss tatsächlich in den Dispo fließen. Je kleiner der Saldo wird, desto weniger Zinsen fallen an, und der Abbau beschleunigt sich.
Den Dispo in einen Ratenkredit umwandeln
Die Umschuldung ist der wichtigste Schritt. Sie ersetzt den Dispo durch einen Kredit mit fester Laufzeit und fester Rate. Sie nehmen einen Ratenkredit auf. Die Bank zahlt damit den Dispo aus, und Sie zahlen den Kredit in monatlichen Raten zurück. Die Zinsen sind niedriger als beim Dispo, und die feste Laufzeit sorgt dafür, dass die Schulden jeden Monat abgebaut werden.
Für den Kreditantrag benötigen Sie in der Regel:
- die letzten drei Gehaltsabrechnungen oder einen Einkommensnachweis,
- die Kontoauszüge der letzten Monate,
- eine Übersicht über Ihre bestehenden Ausgaben,
- die Auskunft über Ihre Kreditwürdigkeit, die die Bank bei der SCHUFA erhält.
Die Bank prüft Ihre Kreditwürdigkeit und entscheidet über den Kredit. Eine Zusage gibt es nicht automatisch. Wenn die Bank den Antrag ablehnt, fragen Sie nach dem Grund. Danach ist die Schuldnerberatung der nächste Schritt. Vergleichen Sie die Angebote mehrerer Banken. Entscheidend ist der effektive Jahreszins, der alle Kosten enthält. Auch die eigene Bank kann einen Ratenkredit anbieten, aber ein Vergleich lohnt sich.
Bei der Umschuldung fallen Kosten an, und es gibt Risiken. Der Ratenkredit kostet Zinsen und möglicherweise eine Bearbeitungsgebühr. Die Bank bietet Ihnen vielleicht eine Restschuldversicherung an, die die Rate bei Arbeitsunfall oder Krankheit absichert. Diese Versicherung ist freiwillig und erhöht die Kosten. Das größte Risiko entsteht, wenn Sie den Dispo nach der Umschuldung erneut nutzen. Dann haben Sie zwei Schulden: einen Kredit und einen neuen Dispo. Reduzieren Sie deshalb nach der Umschuldung den Dispo-Rahmen oder führen Sie das Konto mit positivem Guthaben.
| Kriterium | Dispo | Ratenkredit |
|---|---|---|
| Zinsen | deutlich höher | niedriger |
| Laufzeit | unbegrenzt | festgelegt |
| Rückzahlung | frei, oft nur Zinsen | feste monatliche Rate |
| Schuldenabbau | ungewiss | planbar, wenn die Rate gezahlt wird |
| Konto | bleibt über das Limit | wird nach der Auszahlung ausgeglichen |
Wenn die Bank ablehnt
Wenn die Bank den Kredit ablehnt oder die Schulden zu hoch sind, wenden Sie sich an die Schuldnerberatung. Sie wird von der Caritas, der Diakonie, der AWO und den kommunalen Beratungsstellen angeboten. Die Beraterinnen und Berater verschaffen sich einen Überblick über alle Schulden, verhandeln mit den Gläubigern und prüfen, ob eine Einigung möglich ist.
In Deutschland gelten viele Menschen als überschuldet, besonders viele Frauen sind betroffen.
Überschuldung entsteht nach Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung oder einer falschen Kreditentscheidung. Sie kann jede treffen. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.
Melden Sie sich, wenn der Dispo dauerhaft am Limit ist, Sie die Miete nicht mehr zahlen können, die Bank das Konto kündigt oder Sie mehrere Schulden haben. Je früher Sie die Beratung aufsuchen, desto mehr Optionen haben Sie. Die Beratungsstellen haben oft Wartezeiten, deshalb ist ein früher Termin sinnvoll.
Wenn die Schulden so hoch sind, dass eine Rückzahlung nicht möglich ist, bleibt die Privatinsolvenz. Nach der aktuellen Regel dauert das Verfahren drei Jahre. In dieser Zeit wird das Einkommen über dem Pfändungsfreibetrag an die Gläubiger verteilt. Danach werden die restlichen Schulden erlassen. Die Privatinsolvenz belastet die Kreditwürdigkeit, und die Bank kann das Konto kündigen. Sie bietet aber einen klaren Neuanfang. Ein Pfändungsschutzkonto, das P-Konto, schützt in dieser Situation das Einkommen vor dem Zugriff der Gläubiger.
Kernaussagen
- Erstellen Sie zuerst eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Nur wer weiß, wohin das Geld fließt, kann den Überschuss erhöhen, der den Dispo abbaut.
- Wandeln Sie den Dispo in einen Ratenkredit um. Die feste Laufzeit und die niedrigeren Zinsen sorgen dafür, dass die Schulden sinken.
- Reduzieren Sie den Dispo-Rahmen nach der Umschuldung. Sonst entstehen aus dem neuen Kredit und dem alten Dispo zwei Schulden.
- Nutzen Sie staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Bürgergeld. Viele Menschen lassen sich Geld entgehen, das den Dispo schneller verkleinern würde.
- Suchen Sie frühzeitig die kostenlose Schuldnerberatung auf. Sie ist der richtige Weg, wenn die Bank einen Kredit ablehnt oder die Schulden zu hoch sind.
FAQ
Wie lange dauert es, den Dispo abzubauen?
Das hängt davon ab, wie hoch die Schulden sind und wie viel Sie monatlich übrig haben. Wenn Sie jeden Monat mehr einzahlen, als Zinsen und Ausgaben zusammen ausmachen, sinken die Schulden jeden Monat um diesen Überschuss. Ein Ratenkredit gibt Ihnen eine feste Laufzeit und damit ein klares Ende.
Kann die Bank den Dispo kündigen?
Ja, die Bank kann die Kreditlinie kündigen und die Rückzahlung verlangen, wenn sie das Konto als Risiko sieht. Dann schützt ein Pfändungsschutzkonto, das P-Konto, einen Teil des Einkommens vor dem Zugriff der Gläubiger.
Wann ist eine Umschuldung möglich?
Die Bank entscheidet anhand Ihrer Kreditwürdigkeit. Wenn sie den Antrag ablehnt, sagt sie Ihnen den Grund. Danach können Sie die Schuldnerberatung einschalten. In einigen Fällen gelingt die Umschuldung über eine andere Bank, wenn sich Ihre Kreditwürdigkeit verbessert.
Was passiert, wenn ich den Ratenkredit nicht mehr zahlen kann?
Die Bank mahnt die Raten, der Kredit gerät in Verzug, und die Kreditwürdigkeit wird schlechter. Suchen Sie dann sofort die Schuldnerberatung auf, bevor die Schulden weiter wachsen. Eine Umschuldung ist dann schwieriger, aber nicht unmöglich.
Was kostet die Schuldnerberatung?
Die Beratung bei den öffentlichen und kirchlichen Stellen ist kostenlos. Die Städte, Kirchen und Wohlfahrtsverbände finanzieren die Beratungsstellen. Bei privater Schuldnerberatung zahlen Sie das Honorar selbst.
Wirkt sich die Nutzung des Dispos auf die SCHUFA aus?
Den Dispo innerhalb des Rahmens zu nutzen, führt nicht automatisch zu einem negativen Eintrag. Wenn die Bank das Konto kündigt, die Schuld eingetragen wird oder ein Insolvenzverfahren läuft, kann das die Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Ein negativer Eintrag verfällt nach den gesetzlichen Fristen und lässt sich nicht einfach löschen.