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Kredit bei schwankendem Einkommen: So klappt der Antrag

Wenn Sie selbstständig sind und Ihr Einkommen von Monat zu Monat schwankt, reicht ein einzelner guter Monat als Nachweis für einen Kredit meist nicht aus. Banken wollen einschätzen, ob Sie die Rate auch dann zahlen können, wenn Aufträge ausbleiben oder Betriebskosten steigen. Dafür brauchen Banken nachvollziehbare Zahlen aus einem längeren Zeitraum und eine realistische Rechnung dazu, wie viel Geld Ihnen zur Verfügung steht.

Als Nachweise kommen zum Beispiel Steuerbescheide, eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA, eine laufende Übersicht über Erträge und Kosten) oder eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR, eine vereinfachte Gewinnermittlung) infrage. Es gibt keine einheitliche Regel dafür, welche Unterlagen eine Bank verlangt und wie sie die einzelnen Jahre bewertet. Ihre Chancen verbessern Sie, wenn die Zahlen vollständig, aktuell und widerspruchsfrei sind und die geplante Rate auch in schwächeren Monaten in Ihr Budget passt.

Worauf Banken bei schwankenden Einkünften achten

Banken prüfen, ob Ihre Einnahmen voraussichtlich ausreichen, um die Kreditrate zu bezahlen. Bei Selbstständigen beziehen sie dafür meist die Geschäftsentwicklung über mehrere Jahre und die aktuellen Zahlen ein. Steuerbescheide zeigen die vom Finanzamt festgestellten Einkünfte. Eine aktuelle BWA oder EÜR kann zusätzlich zeigen, wie sich Ihr Geschäft derzeit entwickelt. Die geforderten Unterlagen hängen unter anderem von Tätigkeit und Rechtsform ab.

Ein hoher Umsatz belegt für sich genommen nicht, dass Sie eine Rate tragen können. Entscheidend ist, was nach Betriebsausgaben, Steuern, Krankenversicherung, privaten Lebenshaltungskosten und bestehenden Raten übrig bleibt. Auch Rücklagen für Steuerzahlungen und schwächere Monate gehören in Ihre eigene Rechnung.

Eine allgemeingültige Methode, nach der alle Banken schwankende Einkünfte bewerten, gibt es nicht. Erfragen Sie daher, welche Jahre und welche aktuellen Zahlen die konkrete Bank berücksichtigt. Bei einem Immobilienkredit gelten besondere gesetzliche Anforderungen: Die Prüfung muss sich auf ausreichende Informationen zu Einkommen und Ausgaben stützen und darf grundsätzlich nicht hauptsächlich auf dem Immobilienwert beruhen. Näheres regelt § 505b BGB.

Diese Unterlagen machen Ihre Zahlen prüfbar

Legen Sie Nachweise bereit, die zeigen, wie sich Ihr Geschäft über längere Zeit entwickelt hat und wie es aktuell läuft. Banken fragen häufig nach Einkommensteuerbescheiden aus den vergangenen ein bis drei Jahren. Je nach Rechtsform und Geschäft können außerdem eine BWA, eine EÜR oder Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung verlangt werden. Kontoauszüge können ergänzend angefordert werden; der verlangte Zeitraum ist je nach Kreditgeber unterschiedlich.

Eine Gewerbeanmeldung oder ein Handelsregisterauszug belegt, dass Ihr Betrieb besteht. Sie zeigt aber nicht, ob das Geschäft genug abwirft, um eine Rate zu bezahlen. Eine Bescheinigung über Ihre Selbstständigkeit ersetzt deshalb nicht automatisch die Einkommensnachweise. Auch eine Bescheinigung der Steuerberatung ist kein einheitlich vorgeschriebenes Dokument; fragen Sie vorher, ob die Bank sie akzeptiert.

Sortieren Sie Ihre Unterlagen so, dass Sie Abweichungen leicht erklären können:

Rechenstufe Was Sie eintragen oder beilegen
Geschäftseinnahmen Einnahmen und Geschäftsentwicklung aus EÜR, BWA oder Bilanz
Betriebliche Belastungen Laufende Betriebskosten und andere geschäftliche Verpflichtungen
Persönliche Abzüge Rücklagen für Einkommensteuer und Krankenversicherung
Private Belastungen Lebenshaltungskosten und bestehende Kreditraten
Verfügbarer Spielraum Betrag, der dauerhaft für eine neue Rate übrig bleibt

Die Tabelle ist eine Hilfe für Ihre eigene Haushaltsrechnung, keine verbindliche Berechnungsformel der Banken. Gerade bei saisonalem Geschäft kann ein Jahresdurchschnitt die Lage zu günstig erscheinen lassen: Wenn ein großer Teil Ihrer Aufträge in wenigen Monaten anfällt, zeigen die schwächeren Monate, ob Sie die Rate auch zwischen den Zahlungseingängen tragen können.

Gleichen Sie BWA, Steuerbescheide, EÜR und Kontoauszüge ab. Erklären Sie kurz, wenn ein hoher Zahlungseingang etwa aus einer verspäteten Rechnungszahlung, einem einmaligen Auftrag oder einer Umbuchung stammt. Belegen Sie die Erklärung, soweit möglich. Widersprüche zwischen den Unterlagen können Rückfragen auslösen oder die Prüfung erschweren. Reichen Sie lesbare Scans ein und schwärzen Sie Angaben erst, nachdem die Bank bestätigt hat, welche Schwärzungen sie akzeptiert. Hinweise dazu enthält auch die Zusammenstellung der Kreditantragsunterlagen.

So prüfen Sie, ob die Rate zu Ihrem Alltag passt

Berechnen Sie Ihr Budget nicht anhand des besten Monats. Ziehen Sie von Ihren Einnahmen zuerst die Betriebskosten ab. Berücksichtigen Sie danach Rücklagen für Steuern und Krankenversicherung, private Lebenshaltungskosten sowie bestehende Kreditraten. Der verbleibende Betrag zeigt, wie viel Sie für eine zusätzliche Rate einplanen können. Wenn eine Rate nur bei besonders hohen Einnahmen passt, ist sie kein verlässlicher Maßstab. Hinweise zur Kalkulation von Zinsen und Raten für Selbstständige betonen ebenfalls, dass laufende Verpflichtungen und Rücklagen einzubeziehen sind.

Prüfen Sie außerdem die Gesamtkosten: Vergleichen Sie den effektiven Jahreszins, die monatliche Rate und den Gesamtbetrag, den Sie zurückzahlen. Bei einer tilgungsfreien Anfangszeit zahlen Sie zunächst keine Tilgung; die Zinsen laufen weiter und die spätere Rate steigt. Rechnen Sie deshalb sowohl die Anfangsphase als auch die Zeit danach durch.

Wenn Ihre Einnahmen schon nicht für laufende Ausgaben reichen oder Sie bestehende Raten nicht mehr bezahlen können, löst ein weiterer Kredit das Problem nicht. Klären Sie zuerst Ihre Finanzlage, statt eine zusätzliche monatliche Belastung einzuplanen.

Prüfen Sie die Unterlagen vor dem Versand

Schreiben Sie der Bank vorab und bitten Sie um eine konkrete Liste für Ihre Tätigkeit und Rechtsform. Fragen Sie dabei auch, welche Jahre die Steuerbescheide abdecken sollen, wie aktuell die BWA sein muss und in welchem Format und über welchen sicheren Übermittlungsweg Sie die Dateien einreichen sollen. Diese kurze schriftliche Nachfrage verhindert, dass Sie unnötige oder unpassende Unterlagen zusammenstellen.

Prüfen Sie anschließend drei Dinge: Sind alle verlangten Zeiträume enthalten? Stimmen die Zahlen zwischen Steuerbescheiden, EÜR oder BWA und Kontoauszügen überein? Haben Sie jede größere Abweichung kurz erklärt? Prüfen Sie vor einer Kreditanfrage außerdem Ihre Angaben bei der SCHUFA. Eine kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung hilft, mögliche Fehler in den dort gespeicherten Daten zu finden; sie ersetzt keine Einkommensnachweise.

Seien Sie vorsichtig, wenn ein Vermittler Geld verlangt, bevor ein Kredit zustande gekommen ist. Ein Vermittler entscheidet nicht über die Kreditvergabe. Prüfen Sie zudem, wer Ihre Daten erhält und welche Kosten ein Vergleichsportal auslöst, bevor Sie persönliche und finanzielle Angaben übermitteln.

FAQ

Wie viele Jahre an Steuerbescheiden brauche ich?

Banken verlangen häufig Steuerbescheide aus den vergangenen ein bis drei Jahren. Die konkrete Zahl hängt vom Kreditgeber, der Rechtsform und der Dauer Ihrer Selbstständigkeit ab. Fragen Sie vor dem Einreichen nach dem benötigten Zeitraum.

Reicht eine aktuelle BWA als Einkommensnachweis?

Eine BWA kann die aktuelle Geschäftslage zeigen, ersetzt aber nicht automatisch Steuerbescheide oder eine EÜR. Welche Nachweise die Bank verlangt, ist nicht einheitlich geregelt. Klären Sie deshalb, welche Unterlagen sie für Ihre Tätigkeit anerkennt.

Was mache ich, wenn BWA und Kontoauszüge unterschiedliche Zahlen zeigen?

Erklären Sie die Abweichung kurz und verständlich. Ein später Zahlungseingang oder ein einmaliger Auftrag kann zum Beispiel dazu führen, dass sich die Unterlagen zeitlich unterscheiden. Lassen Sie die Erklärung nach Möglichkeit durch passende Belege nachvollziehbar werden.

Ist eine Zusage sicher, wenn alle Unterlagen vollständig sind?

Nein. Vollständige Unterlagen erleichtern die Prüfung, garantieren aber keine Kreditzusage. Die Bank beurteilt weiterhin, ob Ihre Einkünfte und Ihre finanzielle Situation die Rückzahlung voraussichtlich tragen.

Kernaussagen

  • Fragen Sie zuerst nach den Anforderungen der Bank: Klären Sie benötigte Jahre, Aktualität der BWA und den sicheren Übermittlungsweg, bevor Sie Dateien versenden.
  • Belegen Sie die Entwicklung mit mehreren Unterlagen: Steuerbescheide zeigen längerfristige Einkünfte; BWA, EÜR oder Bilanz ergänzen das Bild je nach Geschäft.
  • Rechnen Sie mit dem Geld, das wirklich übrig bleibt: Ziehen Sie Betriebskosten, Steuer- und Krankenversicherungsrücklagen, private Ausgaben und bestehende Raten ab.
  • Erklären Sie Abweichungen selbst: Stimmen BWA, Steuerbescheid und Kontoauszüge nicht direkt überein, ordnen Sie die Unterschiede mit einer kurzen Erläuterung und Belegen ein.

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