Wenn Ihre monatliche Kreditrate zu hoch ist, Sie mehrere Ratenkredite bedienen oder Ihr Girokonto dauerhaft im Minus steht, kann eine Umschuldung die Kosten senken. Dabei lösen Sie einen bestehenden Kredit mit einem neuen Darlehen ab. Der neue Kredit sollte einen niedrigeren effektiven Jahreszins oder günstigere Rückzahlungsbedingungen bieten.
Ob sich die Umschuldung lohnt, zeigt eine einfache Rechnung:
Ersparnis durch den neuen Kredit minus Kosten für die Ablösung und den Abschluss des neuen Kredits.
Die monatliche Rate allein reicht für die Entscheidung nicht aus. Eine niedrigere Rate ergibt sich häufig aus einer längeren Laufzeit. Dann zahlen Sie trotz des niedrigeren Zinssatzes insgesamt mehr. Vergleichen Sie deshalb die verbleibenden Gesamtkosten des alten Kredits mit der vollständigen Rückzahlung des neuen Kredits einschließlich aller Gebühren.
Wann eine Umschuldung Kosten spart
Eine Umschuldung lohnt sich, wenn der neue Kredit bei gleicher Restschuld und vergleichbarer Restlaufzeit deutlich günstiger ist. Der Zinsvorteil muss dabei alle Wechselkosten übersteigen.
Besonders naheliegend ist die Umschuldung in drei Situationen:
- Sie zahlen noch einen Ratenkredit mit einem hohen effektiven Jahreszins.
- Sie führen mehrere Kredite mit unterschiedlichen Raten zu einem Darlehen zusammen.
- Sie nutzen Ihren Dispokredit dauerhaft, obwohl ein Ratenkredit deutlich günstiger wäre.
Ein dauerhaft überzogenes Girokonto ist teuer. Nach Angaben von Smava zum Kontokorrentkredit liegen Dispozinsen typischerweise mehrere Prozentpunkte über den Zinsen vergleichbarer Ratenkredite. Da ein Dispokredit ohne Vorfälligkeitsentschädigung abgelöst werden kann, lohnt sich der Wechsel in einen festen Ratenkredit häufig. Die neue Rate muss in Ihr monatliches Budget passen. Außerdem darf das Girokonto danach nicht erneut dauerhaft ins Minus rutschen.
Mehrere kleine Kredite lassen sich ebenfalls zusammenlegen. Das schafft Übersicht und kann die Monatsrate senken. Sie sparen dadurch aber nur Geld, wenn der neue Kredit nicht durch eine deutlich längere Laufzeit oder zusätzliche Versicherungen teurer wird.
Der richtige Vergleich
Vergleichen Sie diese vier Werte:
| Vergleichswert | Alter Kredit | Neuer Kredit |
|---|---|---|
| Restschuld beziehungsweise Kreditbetrag | offene Summe | benötigter Ablösebetrag |
| Effektiver Jahreszins | tatsächliche jährliche Kreditkosten | tatsächliche jährliche Kreditkosten |
| Verbleibende Laufzeit | Monate bis zur vollständigen Rückzahlung | neue Laufzeit |
| Gesamte Rückzahlung | restliche Raten und Kosten | alle Raten und Kosten einschließlich Gebühren |
Der effektive Jahreszins enthält neben dem Sollzins weitere Kreditkosten. Deshalb eignet er sich besser für den Vergleich als der reine Nominal- oder Sollzins. Die Arbeiterkammer erklärt den Unterschied zwischen Zinssatz und Gesamtbelastung. Die rechtlichen Einzelheiten dieser österreichischen Quelle gelten nicht automatisch für Deutschland.
Diese Kosten müssen Sie vor dem Wechsel prüfen
Vorfälligkeitsentschädigung bei Ratenkrediten
Wenn Sie einen laufenden Ratenkredit vor dem vereinbarten Ende ablösen, verlangt der Kreditgeber unter bestimmten Voraussetzungen eine Vorfälligkeitsentschädigung. Bei Verbraucherdarlehen mit festem Zinssatz ist sie bei Ratenkrediten gesetzlich begrenzt: Bei einer Restlaufzeit von mehr als zwölf Monaten beträgt sie höchstens 1 Prozent der Restschuld, bei einer Restlaufzeit von höchstens zwölf Monaten höchstens 0,5 Prozent.
Eine Übersicht zu den Voraussetzungen und Grenzen bietet die Information zur Vorfälligkeitsentschädigung.
Fordern Sie von der bisherigen Bank eine schriftliche Ablösesumme für einen bestimmten Stichtag an. Sie enthält die Restschuld, die bis dahin angefallenen Zinsen und eine mögliche Entschädigung. Ohne diese Zahl lässt sich die Ersparnis nur schätzen.
Kosten des neuen Kredits
Prüfen Sie beim neuen Angebot, ob neben den Zinsen weitere Kosten anfallen. Dazu gehören:
- eine freiwillige Restschuldversicherung,
- Vermittlungsentgelte,
- Kosten für zusätzliche Sicherheiten,
- Gebühren für Sonderleistungen oder Vertragsänderungen.
Je nach Vertrag übernimmt eine Restschuldversicherung bei Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit einen Teil der Raten, wobei der Versicherungsschutz häufig nur unter engen Bedingungen gilt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert hohe Prämien und lückenhaften Schutz. Seit Anfang 2025 gilt außerdem eine Wartefrist von sieben Tagen zwischen Kreditvertrag und Abschluss einer solchen Versicherung. Lassen Sie sich die Versicherung deshalb getrennt vom Kredit ausweisen und rechnen Sie die Kosten in die Gesamtbelastung ein.
Die Kosten einer längeren Laufzeit
Eine kleinere Rate kann die Gesamtkosten erhöhen. Wenn Sie eine Restschuld über eine längere Laufzeit umschulden, sinkt zwar die Monatsrate. Die Bank berechnet aber länger Zinsen. Vergleichen Sie deshalb nicht nur „alte Rate gegen neue Rate“, sondern:
Restliche Zahlungen des alten Kredits gegen sämtliche Rückzahlungen des neuen Kredits.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei Finanzierungen finanzielle Luft im Budget. Übertragen auf einen Ratenkredit bedeutet das: Planen Sie die Rate nicht so knapp, dass eine unerwartete Rechnung sofort zu einem neuen Dispokredit führt.
Wann die Umschuldung nicht sinnvoll ist
Eine Umschuldung rechnet sich nicht, wenn der Zinsvorteil die Ablösekosten nicht ausgleicht. Das gilt besonders, wenn Ihr alter Kredit fast vollständig zurückgezahlt ist. Dann ist die Restschuld klein und die verbleibenden Zinsen sind gering. Eine Vorfälligkeitsentschädigung oder eine neue Versicherung kann die Ersparnis vollständig aufzehren.
Seien Sie auch vorsichtig, wenn Sie die neue Rate nur über eine sehr lange Laufzeit bezahlen können. Eine niedrigere Monatsrate löst das Problem der Überschuldung nicht, wenn nach Abzug aller Lebenshaltungskosten zu wenig Geld übrig bleibt. Können Sie die Rate des bestehenden Kredits nicht zuverlässig zahlen, brauchen Sie zuerst eine tragfähige Haushaltsrechnung und gegebenenfalls unabhängige Schuldnerberatung.
Mehrere ausgefallene Raten gefährden den Kreditvertrag. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine Bank einen Kredit bei wiederholten Zahlungsausfällen kündigen kann. Warten Sie in diesem Fall nicht auf ein angebliches Sofortdarlehen. Sprechen Sie frühzeitig mit dem bisherigen Kreditgeber über Stundung, Ratenanpassung oder eine geordnete Beratung.
Misstrauen Sie Angeboten, die eine schnelle Auszahlung unabhängig von Ihrer finanziellen Lage versprechen oder vor der Kreditprüfung hohe Gebühren verlangen. Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Schuldnerberatungen. Eine Umschuldung darf Ihre finanzielle Lage nicht durch Vermittlungsgebühren, Zusatzverträge oder neue Schulden verschärfen.
Besonderheit bei Immobilienkrediten
Bei einem Immobiliendarlehen gelten andere wirtschaftliche Regeln als bei einem gewöhnlichen Ratenkredit. Während der Sollzinsbindung ist die vorzeitige Ablösung häufig nur gegen eine Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Für Immobiliendarlehen gibt es keine gesetzliche Obergrenze wie bei vielen Ratenkrediten. Die Höhe hängt unter anderem von der Restschuld, dem vereinbarten Sollzins, der verbleibenden Zinsbindung und den vertraglichen Tilgungsrechten ab.
Nach zehn Jahren seit dem vollständigen Empfang des Darlehens können Sie ein Immobiliendarlehen mit gebundenem Sollzins grundsätzlich mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Dann fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. Die Hinweise zur Ablösung von Darlehen nennen diese Kündigungsmöglichkeit. Prüfen Sie den konkreten Vertragsbeginn und lassen Sie sich den möglichen Kündigungstermin schriftlich bestätigen.
Bei einer Anschlussfinanzierung zum Ende der Zinsbindung vergleichen Sie frühzeitig neue Angebote. Eine Umschuldung mitten in der Zinsbindung lohnt sich bei Immobilienkrediten wegen der möglichen Entschädigung häufig erst nach einer genauen Berechnung.
So rechnen Sie Ihre Entscheidung selbst durch
Sammeln Sie für jeden bestehenden Kredit zuerst den aktuellen Ablösebetrag und den effektiven Jahreszins. Notieren Sie außerdem die verbleibende Laufzeit und die noch ausstehenden Raten. Für einen Dispokredit verwenden Sie den aktuellen Sollsaldo und den Zinssatz des Girokontos.
Fordern Sie anschließend ein konkretes Umschuldungsangebot über genau diesen Betrag an. Achten Sie darauf, dass der neue Kredit die alten Darlehen tatsächlich ablöst. Wenn Sie zusätzlich Geld aufnehmen, gehört dieser Betrag in eine getrennte Rechnung. Sonst wirkt die Umschuldung günstiger, obwohl Sie neue Schulden aufnehmen.
Rechnen Sie dann:
Ersparnis = verbleibende Gesamtkosten des alten Kredits minus Gesamtkosten des neuen Kredits einschließlich Ablösung und Zusatzkosten
Ein positives Ergebnis reicht allein nicht aus. Prüfen Sie zusätzlich, ob Ihr Einkommen die neue Rate dauerhaft trägt. Die Umschuldung bleibt nur tragfähig, wenn die monatliche Entlastung nicht durch einen erneut wachsenden Dispo oder neue Ratenkäufe verloren geht.
Die Ablösung sollte ohne Zahlungslücke erfolgen. Vereinbaren Sie mit dem neuen Kreditgeber und der bisherigen Bank einen eindeutigen Ablösetermin. Zahlen Sie die alte Rate weiter, bis die Ablösung bestätigt ist. So vermeiden Sie Rückstände und unnötige Mahnkosten.
Ihre konkrete nächste Handlung
Fordern Sie heute von jedem bestehenden Kreditgeber eine schriftliche Ablösebescheinigung mit Betrag, Gültigkeitsdatum und möglicher Vorfälligkeitsentschädigung an. Tragen Sie diese Zahlen zusammen und holen Sie anschließend ein neues Angebot über exakt denselben Ablösebetrag ein, zunächst ohne Restschuldversicherung. Vergleichen Sie die beiden Gesamtkosten und prüfen Sie danach, ob die neue Rate auch bei unerwarteten Ausgaben noch in Ihr Monatsbudget passt.
Kernaussagen
- Berechnen Sie die Gesamtkosten: Eine niedrigere Monatsrate spart nur Geld, wenn die gesamte Rückzahlung einschließlich aller Wechselkosten sinkt.
- Fordern Sie die Ablösesumme schriftlich an: Vorfälligkeitsentschädigung und Restschuld bilden die Grundlage für eine belastbare Rechnung.
- Prüfen Sie die Laufzeit: Eine längere Laufzeit senkt die Rate, erhöht aber häufig die gesamten Zinsen.
- Behandeln Sie den Dispo als Warnsignal: Ein dauerhaft genutzter Dispokredit kann durch einen passenden Ratenkredit günstiger ersetzt werden, sofern Sie das Konto danach ausgleichen.
- Lehnen Sie unnötige Zusatzverträge ab: Eine Restschuldversicherung verteuert den Kredit und bietet häufig nur eingeschränkten Schutz.
FAQ
Lohnt sich eine Umschuldung bei nur einem Kredit?
Ja, wenn der neue effektive Jahreszins deutlich niedriger ist und die Ersparnis nach Abzug aller Ablösekosten positiv bleibt. Bei einer fast abbezahlten Restschuld ist der Vorteil häufig zu klein, weil nur noch wenige Zinsen anfallen.
Wie viel Zinsunterschied brauche ich für eine Umschuldung?
Eine feste Prozentzahl gibt es nicht. Entscheidend sind Restschuld, Restlaufzeit, Vorfälligkeitsentschädigung und Kosten des neuen Kredits. Je höher die Restschuld und je länger die verbleibende Laufzeit, desto stärker wirkt sich ein Zinsunterschied aus.
Kann ich einen Dispokredit in einen Ratenkredit umwandeln?
Sie können den Dispo durch einen Ratenkredit ablösen. Das ist bei dauerhaftem Minus häufig günstiger, weil ein Ratenkredit feste Raten und ein festes Ende hat. Achten Sie darauf, das Girokonto anschließend auszugleichen und die neue Rate dauerhaft einzuplanen.
Was passiert mit mehreren alten Krediten?
Der neue Kredit kann die Ablösebeträge mehrerer Darlehen bündeln. Lassen Sie sich von jedem Kreditgeber den genauen Ablösebetrag geben und prüfen Sie, ob der neue Vertrag alle alten Kredite tatsächlich ablöst. Eine geringere Gesamtrate darf nicht durch eine unnötig lange Laufzeit erkauft werden.
Darf ich einen Ratenkredit jederzeit vorzeitig zurückzahlen?
Bei vielen Ratenkrediten ist die vorzeitige Rückzahlung möglich. Je nach Vertragsart und Restlaufzeit kann eine begrenzte Vorfälligkeitsentschädigung anfallen. Lassen Sie sich die Ablösesumme und die enthaltenen Kosten vor der Umschuldung schriftlich mitteilen.
Was mache ich, wenn ich die Kreditrate schon nicht mehr zahlen kann?
Warten Sie nicht auf ein neues Darlehen mit unklaren Bedingungen. Sprechen Sie sofort mit dem Kreditgeber und wenden Sie sich an eine seriöse, gemeinnützige Schuldnerberatung. Angebote mit hohen Vorauszahlungen oder einer angeblich sicheren Kreditvermittlung sollten Sie meiden.