Zum Inhalt springen
kreditzentrale.com

Steigende Zahlen bei Ratenkrediten für Konsumgüter: Was Verbraucher jetzt prüfen sollten

Immer mehr Menschen in Deutschland bezahlen Konsumgüter mit kleinen Ratenkrediten, Kreditkarten oder sogenannten „Buy now, pay later“-Modellen. Ein Ratenkredit ist ein Darlehen mit fester Laufzeit und regelmäßigen Rückzahlungen. Eine Monatsrate kann überschaubar wirken. Entscheidend sind aber der effektive Jahreszins, die Gesamtkosten und die Zahl der bereits laufenden Verträge.

Die Entwicklung ist deutlich: 2024 wurden in Deutschland erstmals mehr als zehn Millionen neue Ratenkreditverträge abgeschlossen. Gleichzeitig nahm die Zahl der laufenden Verträge seit 2020 zu. Besonders stark wuchsen Kredite unter 1.000 Euro. Kleine Beträge erleichtern spontane Käufe. Mehrere Verträge können zusammen aber zu einer dauerhaften Belastung werden.

Wer einen Kauf mit Kredit finanziert, sollte vorher drei Fragen beantworten: Passt die Rate dauerhaft zum Einkommen? Was kostet der Kredit insgesamt? Handelt es sich um einen festen Ratenkredit oder um eine teurere Kreditkarten- oder Zahlungsfunktion?

Kleine Kredite treiben das Wachstum

Gruppiertes Balkendiagramm: Die Zahl laufender Ratenkredite stieg von 17,6 Millionen im Jahr 2020 auf 19,6 Millionen im Jahr 2024. Verträge unter 1.000 Euro stiegen im selben Zeitraum von 1,3 auf 3,8 Millionen.
Quelle: BaFin unter Verweis auf SCHUFA; laufende Verträge.

Die Zahlen der BaFin zur Konsumfinanzierung zeigen: Vor allem Kleinkredite treiben das Wachstum.

Die Zahl der neuen Verträge nahm seit 2020 deutlich zu. Kredite unter 1.000 Euro machen ungefähr die Hälfte der neuen Verträge aus. Ein einzelner Vertrag ist klein. Die Summe aller Verpflichtungen eines Haushalts kann trotzdem schnell wachsen.

2025 nahm außerdem die Zahl der überschuldeten Verbraucher wieder zu.

Die Statistik beweist nicht, dass jeder neue Kleinkredit zu Überschuldung führt. Sie zeigt aber ein wachsendes Risiko: Mit mehr Verträgen verlieren Verbraucher leichter den Überblick über Laufzeiten, Fälligkeiten und Gesamtkosten.

Warum kleine Raten schnell problematisch werden

Eine Rate von wenigen Euro oder einigen Dutzend Euro wirkt zunächst bezahlbar. Für das Haushaltsbudget zählt aber die Summe aller monatlichen Verpflichtungen. Dazu gehören Raten für frühere Käufe und Mobilfunkverträge ebenso wie Leasing, Kreditkartenrückzahlungen und offene Rechnungen aus späterer Zahlung.

Mehrere Finanzierungen belasten das Haushaltsbudget zusammen, auch wenn jeder einzelne Vertrag klein wirkt.

Die Finanzierung wird besonders riskant, wenn hohe Wohnkosten bereits einen großen Teil des Einkommens binden. Der iff-Überschuldungsreport 2026 nennt Krankheit und Arbeitslosigkeit als wichtige Auslöser für Überschuldung. Hohe Lebenshaltungskosten verschärfen die Lage. Ratsuchende Haushalte verwendeten 2025 im Durchschnitt 38 Prozent ihres Einkommens für Wohnen, während der Vergleichswert für die Gesamtbevölkerung bei 24 Prozent lag.

Balkendiagramm: Ratsuchende Haushalte verwendeten 2025 durchschnittlich 38 Prozent ihres Einkommens für Wohnen, gegenüber 24 Prozent in der Gesamtbevölkerung.
Quelle: iff-Überschuldungsreport 2026; Werte für 2025.

Die Finanzierung muss auch bei höheren Ausgaben oder einem vorübergehenden Einkommensausfall bezahlbar bleiben. Wer die Rate nur durch das Aussetzen anderer Rechnungen finanzieren kann, sollte den Kauf verschieben.

Kreditkarte und „Buy now, pay later“ unterscheiden

Kreditkartenkredite

Bei einer Kreditkarte wird der Rechnungsbetrag entweder zum vereinbarten Termin vollständig eingezogen oder schrittweise zurückgezahlt. Bei der zweiten Variante handelt es sich um einen echten Kredit. Die BaFin bezeichnet diese Form als revolvierenden Kredit, weil sich der verfügbare Betrag nach Rückzahlungen wieder auffüllt.

Dieser Kredit kann deutlich mehr kosten als ein gewöhnlicher Ratenkredit. Laut BaFin erreichen effektive Jahreszinsen bei Kreditkartenkrediten derzeit bis zu 25 Prozent.

Eine niedrige Mindestzahlung birgt ein weiteres Risiko. Sie senkt die monatliche Belastung, verlängert aber die Rückzahlung und erhöht die Zinskosten. In einer BaFin-Befragung gaben sieben von zehn Nutzern eines echten Kreditkartenkredits an, den Zinssatz nicht zu kennen. Wer eine Kreditkarte mit Teilzahlung nutzt, sollte daher den Zinssatz, die Mindesttilgung und den vollständigen Rückzahlungsplan prüfen. Wenn möglich, sollte der offene Betrag vollständig und fristgerecht ausgeglichen werden.

Später bezahlen

„Buy now, pay later“ bedeutet, dass ein Zahlungsdienstleister den Kauf zunächst abwickelt und der Kunde später oder in mehreren Teilbeträgen zahlt. Bei diesen Angeboten geht es häufig um Beträge unter 200 Euro. An der Kasse sind sie schnell ausgewählt.

Der niedrige Betrag macht den Kauf leichter. Mehrere offene Zahlungen bei verschiedenen Händlern wirken dann nicht unbedingt wie ein gemeinsamer Kredit. Dadurch geht leicht der Überblick verloren. Die BaFin weist außerdem darauf hin, dass für bestimmte Mikro- und kurzfristige Kredite bislang nicht alle Schutzregeln des allgemeinen Verbraucherkreditrechts gelten und Zahlungsdienstleister dafür keine umfassende Kreditwürdigkeitsprüfung durchführen müssen.

Die geplante Überarbeitung der europäischen Verbraucherkreditregeln soll diese Lücke weitgehend schließen. Bis dahin sollten Verbraucher jede spätere Zahlung wie eine echte finanzielle Verpflichtung behandeln: offene Beträge notieren, Fälligkeiten zusammenführen und keine neue Finanzierung beginnen, solange mehrere alte Zahlungen laufen.

Null-Prozent-Finanzierung genau lesen

Eine Null-Prozent-Finanzierung kann bei einem notwendigen Kauf günstiger sein als ein verzinster Kredit. „Null Prozent“ bezieht sich aber nur auf den ausgewiesenen Kreditzins. Zusatzverträge, Gebühren oder eine angeschlossene Kreditkarte können den Gesamtbetrag erhöhen.

Die Verbraucherzentrale warnt vor gekoppelten Kreditkarten und revolvierenden Kreditrahmen. Nach dem Kauf bleibt dann möglicherweise ein Kreditrahmen bestehen, für den später hohe variable Zinsen gelten. Auch eine Ratenschutzversicherung erhöht die Kosten und ist nicht automatisch sinnvoll.

Vor der Unterschrift sollten Verbraucher deshalb den gesamten Vertrag prüfen:

  • Wie hoch ist der zu zahlende Gesamtbetrag?
  • Gibt es eine Kreditkarte oder einen zusätzlichen Kreditrahmen?
  • Welche Zinsen gelten nach Ablauf der Finanzierung?
  • Wird automatisch eine Versicherung oder ein weiterer Vertrag hinzugefügt?
  • Endet die Finanzierung nach der letzten Rate tatsächlich?

Die Rate muss über die gesamte Laufzeit in das Budget passen. Eine Null-Prozent-Finanzierung für einen notwendigen Ersatzkauf ist anders zu bewerten als eine Finanzierung, die einen nicht notwendigen Spontankauf erst ermöglicht.

Ratenkauf, Ratenkredit und Kreditkarte vergleichen

Bei einem Ratenkauf zählt nicht nur die Monatsrate. Zwei Angebote mit derselben Rate können wegen unterschiedlicher Laufzeiten und Zinsen unterschiedlich viel kosten.

Der effektive Jahreszins erleichtert den Vergleich. Er berücksichtigt neben dem Sollzins auch weitere verpflichtende Kreditkosten. Zusätzlich sollte der Gesamtbetrag betrachtet werden. Die Rechnung lautet im Kern:

Gesamtkosten = Summe aller Raten + verpflichtende Gebühren und Zusatzkosten

Ein längerer Vertrag senkt die Monatsrate, erhöht bei einem verzinsten Kredit aber häufig die Gesamtkosten. Ein kurzer Vertrag führt zu höheren Monatsraten, tilgt die Schuld aber früher. Die Laufzeit sollte sich deshalb nach der sicher tragbaren Rate richten, nicht nach der niedrigsten Werberate.

Vor dem Abschluss lohnt sich diese Reihenfolge:

  1. Den Barpreis des Produkts mit dem Gesamtbetrag der Finanzierung vergleichen.
  2. Effektiven Jahreszins und Laufzeit festhalten.
  3. Alle bereits laufenden Raten und Zahlungsfristen zusammenrechnen.
  4. Prüfen, ob der Kauf auch bei höheren Lebenshaltungskosten finanzierbar bleibt.
  5. Nicht benötigte Zusatzprodukte wie Versicherungen oder Kreditkarten abwählen.

Für einen fairen Vergleich sollten Verbraucher möglichst dieselbe Kreditsumme und dieselbe Laufzeit gegenüberstellen. Ein Händlerangebot mit kleiner Monatsrate ist nicht automatisch günstiger als ein separat aufgenommener Ratenkredit.

Warnzeichen bei unseriösen Kreditangeboten

Wer wegen finanzieller Engpässe einen Kredit sucht, findet oft Angebote mit besonders einfachen Antragswegen. Die Verbraucherzentrale warnt vor Vorauszahlungen, Prepaid-Karten und angeblich schufa-freien Krediten.

Ein Kreditvermittler vergibt den Kredit in der Regel nicht selbst. Er leitet die Anfrage an Banken weiter. Eine Vermittlungsgebühr vor der Auszahlung ist ein starkes Warnsignal. Gleiches gilt, wenn zuerst eine Prepaid-Karte gekauft, eine Versicherung abgeschlossen oder Geld für angebliche Bearbeitungskosten überwiesen werden soll.

Verbraucher sollten außerdem nicht mit einer sicheren Zusage rechnen. Kein seriöser Anbieter kann unabhängig von Einkommen, Ausgaben und Kreditwürdigkeit jedem Antragsteller einen Kredit versprechen. Bei Zahlungsschwierigkeiten ist eine anerkannte Schuldnerberatung der bessere erste Schritt als ein weiterer Kleinkredit.

Was steigende Zinsen und Arbeitslosigkeit bedeuten

Die Entwicklung bei Konsumkrediten hängt auch von den allgemeinen Bedingungen für Kredite ab. Die Bundesbank meldete für das zweite Quartal 2025 ein moderates Wachstum der Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen. Zugleich hatte die Europäische Zentralbank im Juni 2025 die Leitzinsen gesenkt. Solche Veränderungen ändern bestehende Verträge nicht immer sofort. Sie beeinflussen aber neue Kreditangebote und variable Zinsen.

Für Verbraucher ist besonders relevant, ob ein Vertrag einen festen oder variablen Zinssatz hat. Ein fester Ratenkredit bleibt während der vereinbarten Laufzeit grundsätzlich planbarer. Ein Kreditkartenrahmen mit variablem Zinssatz reagiert dagegen auf Änderungen der Bedingungen des Anbieters.

Die BaFin weist außerdem darauf hin, dass eine weiter steigende Arbeitslosigkeit die Kreditrisiken bei Verbraucherdarlehen erhöhen würde. Daraus folgt eine klare Regel: Die Rate sollte auch dann tragbar bleiben, wenn Überstunden, Bonuszahlungen oder ein zweites Einkommen zeitweise wegfallen.

Kernaussagen

  • Addiere alle Monatsraten: Beurteile nicht nur den neuen Vertrag, sondern auch die gesamte feste Belastung durch Ratenkredite, Kreditkarten und spätere Zahlungen.
  • Vergleiche den Gesamtbetrag: Eine niedrige Monatsrate sagt wenig über die Kosten aus; prüfe effektiven Jahreszins, Laufzeit und verpflichtende Zusatzkosten.
  • Behandle Kleinkredite wie echte Schulden: Mehrere Beträge unter 1.000 Euro oder unter 200 Euro können zusammen eine dauerhafte Belastung bilden.
  • Prüfe Kreditkarten besonders genau: Teilzahlungen können bis zu 25 Prozent effektiven Jahreszins kosten und sich durch niedrige Mindestzahlungen lange hinziehen.
  • Zahle niemals für ein Kreditversprechen im Voraus: Vorauszahlungen, Prepaid-Karten und angeblich schufa-freie Angebote gehören zu den Warnzeichen unseriöser Vermittlung.

FAQ

Sind kleine Ratenkredite grundsätzlich schlecht?

Nein. Ein kleiner Ratenkredit kann für einen notwendigen Kauf sinnvoll sein, wenn die Rate sicher ins Budget passt und die Gesamtkosten überschaubar bleiben. Problematisch wird die Finanzierung vor allem bei mehreren parallelen Verträgen oder wenn sie laufende Ausgaben dauerhaft überdeckt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Ratenkredit und einer Kreditkartenteilzahlung?

Beim Ratenkredit stehen Kreditsumme, Laufzeit und Rate normalerweise von Beginn an fest. Bei einer Kreditkartenteilzahlung bleibt der Kreditrahmen revolvierend, und der Zinssatz kann deutlich höher liegen. Entscheidend sind die Vertragsbedingungen und der effektive Jahreszins.

Wie prüfe ich, ob ich mir eine Finanzierung leisten kann?

Addiere zunächst alle bestehenden Monatsraten und offenen Zahlungsbeträge. Ziehe diese Summe zusammen mit Miete, Energie, Versicherungen und Lebenshaltungskosten vom verlässlich verfügbaren Einkommen ab. Die neue Rate muss auch ohne Überstunden, Sonderzahlungen oder ein zusätzliches Einkommen tragbar bleiben.

Ist eine Null-Prozent-Finanzierung immer kostenlos?

Nein. Der ausgewiesene Kreditzins kann null Prozent betragen, während eine angeschlossene Kreditkarte, ein zusätzlicher Kreditrahmen, Gebühren oder eine Ratenschutzversicherung weitere Kosten verursachen. Maßgeblich sind der Gesamtbetrag und alle verbundenen Vertragsbedingungen.

Was passiert, wenn ich mehrere „Später bezahlen“-Käufe nutze?

Jede Zahlung wird zu einer eigenen finanziellen Verpflichtung. Notiere deshalb Betrag und Fälligkeit sofort und vermeide neue Käufe, solange mehrere offene Zahlungen bestehen. Bei bereits eingetretenen Rückständen sollte frühzeitig eine Schuldnerberatung helfen.

Wie erkenne ich ein unseriöses Kreditangebot?

Vorsicht gilt bei Vorauszahlungen, Prepaid-Karten, Druck zur schnellen Unterschrift und Versprechen eines Kredits unabhängig von Einkommen oder Kreditwürdigkeit. Ein Kreditvermittler sollte transparent erklären, welche Bank den Kredit vergibt und welche Kosten tatsächlich entstehen.

Seitenadresse: https://www.kreditzentrale.com/thema/steigende-zahlen-bei-ratenkrediten-fur-konsumguter