Ich möchte für eine neue Heizung einen Kredit über 20.000 Euro aufnehmen. Die Bank bietet mir einen Vertrag an, in dem ein Darlehensbetrag von 21.600 Euro steht, aber nur 20.000 Euro ausgezahlt werden sollen. Die Laufzeit soll 7 Jahre betragen und der Sollzins ist mit 2,4 Prozent angegeben, was mir niedrig vorkommt.
Was bedeutet dieser Unterschied zwischen Darlehensbetrag und Auszahlung genau? Und worauf muss ich achten, um die tatsächlichen Kosten des Kredits zu erkennen? Reicht es, den Sollzins zu vergleichen, oder ist der effektive Jahreszins entscheidend?
Im Kreditvertrag kann ein höherer Darlehensbetrag stehen als der Betrag, den Sie ausgezahlt bekommen. Dieser Abschlag heißt Disagio. Die Bank zahlt also einen Teil des vereinbarten Darlehensbetrags nicht aus.
Prüfen Sie deshalb, wie viel Geld die Bank auszahlt und was der Kredit insgesamt kostet.
Kurze Antwort
Ein Disagio bedeutet, dass die Bank weniger auszahlt, als Sie laut Vertrag zurückzahlen müssen, weil sie einen Teil des Darlehensbetrags einbehält. Der einbehaltene Betrag gilt als vorausgezahlter Teil der Finanzierungskosten und kann mit einem niedrigeren Sollzins verbunden sein. Ob das Angebot günstig ist, erkennen Sie deshalb nicht am Sollzins allein, sondern vor allem am effektiven Jahreszins und am Gesamtbetrag.
Bevor Sie den Vertrag unterschreiben, sollten Sie genau prüfen, was Sie am Ende zurückzahlen. Mit dem Kreditvergleich von smava können Sie per Schufa-neutraler Anfrage verschiedene Ratenkredit-Angebote gegenüberstellen und so auch den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten vergleichen.
Wie das Disagio funktioniert
Das Disagio wird als Prozentsatz des vereinbarten Darlehensbetrags berechnet. Die Bank behält den vereinbarten Anteil ein und zahlt den verbleibenden Betrag aus; der vertragliche Darlehensbetrag bleibt maßgeblich.
Der Oberbegriff für den Unterschied zwischen Darlehensbetrag und Auszahlungsbetrag lautet Damnum. Ein Disagio ist eine Form davon; ein Aufgeld bei der Rückzahlung heißt Agio. Das Banklexikon erklärt die Begriffe.
Hier geht es zum passenden Kredit
Banken vereinbaren ein Disagio häufig im Zusammenhang mit einem niedrigeren Sollzins. Damit zahlen Sie wirtschaftlich einen Teil der Finanzierungskosten im Voraus. Ein geringerer Sollzins bedeutet daher nicht automatisch, dass der Kredit insgesamt günstiger ist.
Welche Regeln für den Kreditvergleich gelten
Beim Vergleich von Verbraucherkrediten sind drei Angaben wichtig: Nettodarlehensbetrag, effektiver Jahreszins und Gesamtbetrag. Der Nettodarlehensbetrag bezeichnet die Summe, die Ihnen tatsächlich zur Verfügung steht. Im Vertrag müssen außerdem die Rückzahlungsbedingungen und die Kosten verständlich dargestellt werden. Eine Erläuterung zu den Vertragsangaben bei Verbraucherdarlehen bietet Haufe zum § 492 BGB.
Der effektive Jahreszins bezieht vertragliche Abschläge wie ein Disagio in die Berechnung ein. Die Berechnung für Verbraucherkredite folgt den Vorgaben der Preisangabenverordnung. Vergleichen Sie deshalb Kredite mit ähnlicher Laufzeit und Auszahlung. Achten Sie auf den effektiven Jahreszins und den Gesamtbetrag. Prüfen Sie auch, wie viel tatsächlich ausgezahlt wird. Finanztip erklärt, welche Kosten der effektive Jahreszins berücksichtigt.
Worauf Banken achten
Die Bank legt im Angebot fest, wie hoch das Disagio ist und welcher Sollzins damit verbunden ist. Bei der Kreditprüfung zählt außerdem Ihre Bonität, also Ihre Kreditwürdigkeit. Die Bank prüft auch, ob Ihr Einkommen nach Abzug Ihrer Ausgaben für die vereinbarte Rate reicht. Das Disagio allein sagt daher weder aus, ob die Bank den Kredit bewilligt, noch ob das Angebot für Sie passt.
Zinsen vieler Banken vergleichen und günstigen Kredit finden
Prüfen Sie vor der Unterschrift, wie viel Geld tatsächlich ausgezahlt wird und welchen Gesamtbetrag Sie zurückzahlen. Diese Beträge finden Sie in den Kreditunterlagen, insbesondere bei den Angaben zu Nettodarlehensbetrag, Auszahlungsbedingungen, effektivem Jahreszins und Gesamtbetrag. Bitten Sie die Bank bei Unklarheiten um ein Vergleichsangebot ohne Disagio.
Beispiel zur Wirkung des Disagios
Ein Disagio verringert den Auszahlungsbetrag gegenüber dem vertraglichen Darlehensbetrag. Bei der Beurteilung zählen außerdem die Zinsen, die Tilgung, also die Rückzahlung des Darlehensbetrags, die Laufzeit und weitere Kreditkosten.
Typische Fehler beim Disagio
Der häufigste Fehler ist, Angebote nur nach dem Sollzins zu vergleichen. Ein niedrigerer Sollzins kann durch den einbehaltenen Betrag und weitere Kosten aufgewogen werden. Entscheidend sind die tatsächliche Auszahlung, der effektive Jahreszins und der Gesamtbetrag.
Verwechseln Sie außerdem den Darlehensbetrag nicht mit dem Betrag, den Sie tatsächlich erhalten. Wenn Sie einen bestimmten Kaufpreis finanzieren müssen, zählt, ob die Auszahlung nach Abzug des Disagios dafür ausreicht. Ein Disagio ist ein Abschlag bei der Auszahlung und kann wirtschaftlich als vorausgezahlter Teil der Zinsen wirken; eine zusätzliche Gebühr neben allen Zinsen ist es nicht zwangsläufig.
Was Sie tun können, wenn das Angebot nicht passt
Bitten Sie die Bank um ein zweites Angebot ohne Disagio und vergleichen Sie beide Varianten anhand derselben Laufzeit und Tilgung. Prüfen Sie dabei den effektiven Jahreszins, den Gesamtbetrag und den Nettodarlehensbetrag. Ein geringerer Sollzins allein ist kein Grund, die Variante mit Disagio zu wählen.
Ein Kreditvergleich kann weitere Angebote sichtbar machen. Bei einem Vergleichsportal wie smava sollten Sie darauf achten, dass die erste Prüfung ausdrücklich als schufaneutrale Anfrage zur Kreditkondition erfolgt. Dabei werden Konditionen angefragt, bevor Sie einen konkreten Kredit beantragen. Lesen Sie die Hinweise des Portals und unterscheiden Sie diese Anfrage vom verbindlichen Kreditantrag. Wenn die monatliche Rate oder die Auszahlung nicht zu Ihrem Bedarf passt, fragen Sie nach einer anderen Kreditsumme oder Laufzeit, statt allein auf einen niedrigeren Sollzins zu schauen.
FAQ
Ist ein Disagio eine Gebühr?
Ein Disagio ist ein Abschlag vom Darlehensbetrag, den die Bank bei der Auszahlung einbehält. Es kann wirtschaftlich als vorausgezahlter Teil der Zinsen wirken und muss in den Kreditkosten berücksichtigt werden.
Ist ein Kredit mit Disagio günstiger?
Das lässt sich nicht am Sollzins allein ablesen. Vergleichen Sie die tatsächliche Auszahlung, den effektiven Jahreszins und den Gesamtbetrag mit einem Angebot ohne Disagio.
Wie frage ich einen Kredit schufaneutral an?
Wählen Sie bei einem Vergleichsportal wie smava ausdrücklich die Anfrage zur Kreditkondition und prüfen Sie die Hinweise zur Schufa-Abfrage. Eine solche Konditionsanfrage ist vom späteren verbindlichen Kreditantrag zu unterscheiden.
Bekomme ich bei einer vorzeitigen Rückzahlung einen Teil des Disagios zurück?
Wenn die Bank bei einer vorzeitigen Rückzahlung eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt, muss sie ein vereinbartes Disagio nach Angaben der Verbraucherzentrale anteilig erstatten. Prüfen Sie die Abrechnung und lassen Sie sich bei Unklarheiten dazu beraten.
Kernaussagen
- Prüfen Sie die Auszahlung: Bei einem Disagio ist der Auszahlungsbetrag niedriger als der vertragliche Darlehensbetrag.
- Vergleichen Sie die Gesamtkosten: Entscheidend sind effektiver Jahreszins, Gesamtbetrag und tatsächliche Auszahlung, nicht allein der Sollzins.
- Fordern Sie eine zweite Variante an: Ein Angebot ohne Disagio macht sichtbar, ob der niedrigere Sollzins den einbehaltenen Betrag aufwiegt.