Wenn Ihre Bank die Kontogebühren erhöht oder eine Erhöhung ankündigt, haben Sie als privater Verbraucher in Deutschland drei Optionen: die höheren Kosten akzeptieren, das Konto kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln oder die Zustimmung zur Änderung verweigern. Viele Banken haben nach Jahren mit kostenlosen Girokonten wieder Gebühren eingeführt, wie die Verbraucherzentrale berichtet.
Welche Option sinnvoll ist, hängt von Ihren Kontobewegungen, Ihrer Zufriedenheit mit der Bank und dem Aufwand eines Wechsels ab. Hinzu kommen die rechtlichen Hintergründe und die Risiken der einzelnen Optionen.
Die drei Optionen nach einer Gebührenerhöhung
Wenn Ihre Bank die Gebühren erhöht, haben Sie nach Angaben der Verbraucherzentrale drei Wege: Sie akzeptieren die Erhöhung, Sie kündigen das Konto oder Sie verweigern die Zustimmung zur Änderung. Jede Option hat unterschiedliche Konsequenzen, die Sie vor einer Entscheidung kennen sollten.
Die erste Option, die Erhöhung zu akzeptieren, ist dann sinnvoll, wenn die neue Gebühr für Sie tragbar ist und Sie mit der Bank zufrieden sind. Ein Konto mit einem guten Service, einer Filiale in Ihrer Nähe oder einer zuverlässigen App kann die höheren Kosten wert sein. Rechnen Sie nach, was die Erhöhung im Jahr ausmacht: Eine monatliche Gebühr von 5 Euro lässt sich einfach in einen Jahresbetrag umrechnen. Wenn dieses Geld für Sie keine große Rolle spielt und Sie die Bequemlichkeit schätzen, ist die Akzeptanz die einfachste Lösung. Prüfen Sie jedoch, ob die Bank Ihnen ein günstigeres Kontomodell anbietet, etwa ein reines Online-Konto ohne Filialservice. Manche Banken haben solche Varianten im Programm, und ein Wechsel innerhalb derselben Bank kann die Gebühr senken, ohne dass Sie das Konto kündigen müssen.
Die zweite Option, die Kündigung, ist der klassische Weg, wenn Sie die Erhöhung nicht hinnehmen wollen. Sie kündigen das Konto zum nächstmöglichen Zeitpunkt und eröffnen ein neues Konto bei einer günstigeren Bank. Dabei sollten Sie beachten, dass ein Kontowechsel Arbeit bedeutet: Daueraufträge, Lastschriften und das Gehalt müssen umgestellt werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, vor der Kündigung ein neues Konto zu eröffnen und erst dann den Wechsel durchzuführen, wenn alle Zahlungen umgestellt sind. So vermeiden Sie, dass wichtige Rechnungen nicht bezahlt werden oder Ihr Gehalt auf einem alten Konto landet, das Sie bereits gekündigt haben.
Die dritte Option, die Zustimmung zu verweigern, ist die rechtlich heikelste. Wenn Sie der Gebührenänderung nicht zustimmen, kann die Bank Ihnen nach Angaben der Verbraucherzentrale das Konto kündigen. Das bedeutet: Sie verlieren das Konto nicht freiwillig, sondern die Bank beendet die Geschäftsbeziehung. In der Praxis ist das für Sie kein Nachteil, wenn Sie ohnehin wechseln wollten, aber es kann problematisch sein, wenn Sie auf das Konto angewiesen sind und noch kein neues haben. Verweigern Sie die Zustimmung also nur, wenn Sie bereits ein neues Konto eröffnet haben oder sicher sind, schnell eines zu finden. Die Bank muss Ihnen eine angemessene Frist einräumen, um ein neues Konto einzurichten, aber Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass diese Frist lang genug ist.
Widerspruch, Kündigung oder Wechsel: So gehen Sie vor
Bevor Sie handeln, sollten Sie die genaue Ankündigung Ihrer Bank prüfen. Die Bank muss Sie über die Gebührenerhöhung informieren, in der Regel mit einem Schreiben, das die neuen Konditionen und den Zeitpunkt des Inkrafttretens nennt. Lesen Sie dieses Schreiben genau und prüfen Sie, ob die Erhöhung alle Kontomodelle betrifft oder nur Ihr aktuelles. Manche Banken bieten günstigere Kontovarianten an, etwa ein reines Online-Konto ohne Filialservice, das Sie wählen können, ohne die Bank zu wechseln. Wenn ein solches Modell existiert, ist das der einfachste Weg, die Gebühr zu umgehen.
Wenn Sie der Erhöhung widersprechen möchten, tun Sie das schriftlich und innerhalb der Frist, die die Bank in ihrem Schreiben nennt. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 27. April 2021 gilt Nichtstun nicht mehr als Zustimmung zu Gebührenänderungen. Früher konnten Banken in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen festlegen, dass fehlender Widerspruch bis zu einem Stichtag als Einverständnis galt. Das ist heute nicht mehr zulässig. Wenn Sie also nichts tun, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie der Erhöhung zustimmen. Trotzdem sollten Sie nicht einfach schweigen, sondern aktiv entscheiden, was Sie tun wollen. Ein schriftlicher Widerspruch schafft Klarheit und dokumentiert Ihre Position, falls es später zu Streitigkeiten kommt.
Für einen Kontowechsel gibt es einen praktischen Ablauf: Zuerst eröffnen Sie das neue Konto bei der Wunschbank, dann stellen Sie Gehalt, Daueraufträge und Lastschriften um, danach kündigen Sie das alte Konto. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass besonders Direktbanken oft ein günstiges oder kostenloses Konto anbieten. Diese Banken arbeiten ohne Filialnetz und geben die eingesparten Kosten teilweise an die Kunden weiter. Ein Wechsel zu einer Direktbank lohnt sich vor allem, wenn Sie keine Filiale benötigen und mit Online-Banking und App zurechtkommen. Vergleichen Sie die Konditionen mehrerer Anbieter: Achten Sie nicht nur auf den monatlichen Grundpreis, sondern auch auf Kosten für Überweisungen, Karten, Bargeldabhebungen im Ausland und mögliche Mindestgeldeingänge, die für die Kostenfreiheit erforderlich sind.
Beim Wechsel sollten Sie folgende Punkte beachten: Sammeln Sie alle Informationen über Ihre laufenden Zahlungen, etwa Gehaltseingang, Versicherungsbeiträge, Miete und Abos. Die meisten Banken bieten einen kostenlosen Kontowechsel-Service an, der die Umstellung der Lastschriften übernimmt. Sie sollten aber selbst prüfen, ob alle Zahlungen wirklich umgestellt wurden, und das alte Konto erst auflösen, wenn keine Buchungen mehr eingehen oder abgehen. Kündigen Sie das alte Konto schriftlich und bewahren Sie die Bestätigung auf. Notieren Sie sich, welche Verträge mit dem alten Konto verknüpft sind, und aktualisieren Sie die Kontodaten bei allen Zahlungsempfängern. Ein Kontowechsel dauert in der Regel zwei bis vier Wochen, wenn Sie die Umstellung zügig angehen.
Wann sich ein Kontowechsel lohnt und welche Risiken bleiben
Ein Kontowechsel lohnt sich nicht immer. Wenn die Gebührenerhöhung nur wenige Euro im Monat beträgt und Sie mit Ihrer Bank zufrieden sind, kann der Aufwand des Wechsels größer sein als der Nutzen. Rechnen Sie den Jahresbetrag aus und vergleichen Sie ihn mit dem, was Sie bei einer anderen Bank sparen würden. Wenn die Ersparnis gering ausfällt, der Wechsel aber mehrere Stunden Arbeit und das Risiko von Fehlbuchungen mit sich bringt, kann die Bequemlichkeit den Preis rechtfertigen. Anders sieht es aus, wenn die Bank die Gebühr deutlich anhebt oder zusätzliche Kosten für Leistungen einführt, die Sie regelmäßig nutzen. Dann kann der Wechsel zu einer Direktbank oder einem günstigeren Anbieter mehrere hundert Euro im Jahr sparen.
Ein wichtiger Punkt ist das Risiko der Kündigung durch die Bank, wenn Sie der Gebührenerhöhung nicht zustimmen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Bank in diesem Fall die Geschäftsbeziehung beenden kann. Das ist kein theoretisches Szenario, sondern eine reale Folge, die Sie einkalkulieren sollten. Wenn Sie auf das Konto angewiesen sind, etwa für den Gehaltseingang oder laufende Zahlungen, sollten Sie nicht riskieren, ohne Konto dazustehen. Eröffnen Sie daher immer zuerst ein neues Konto, bevor Sie der alten Bank die Zustimmung verweigern. So haben Sie ein Sicherheitsnetz, falls die Bank die Kündigung ausspricht.
Auch wenn Sie die Erhöhung akzeptieren, sollten Sie die Entwicklung im Blick behalten. Banken können Gebühren mehrmals anpassen, und was heute noch akzeptabel ist, kann in einem Jahr deutlich teurer sein. Vergleichen Sie regelmäßig die Konditionen Ihres Kontos mit denen anderer Anbieter, etwa einmal im Jahr. So bleiben Sie informiert und können rechtzeitig reagieren, wenn Ihre Bank erneut die Preise erhöht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei einer Gebührenerhöhung nicht sofort zu kündigen, sondern erst zu prüfen, ob ein günstigeres Modell bei derselben Bank verfügbar ist oder ob ein Wechsel zu einem anderen Anbieter tatsächlich Vorteile bringt.
Letztlich geht es darum, eine bewusste Entscheidung zu treffen, die zu Ihrer finanziellen Situation und Ihren Gewohnheiten passt. Nehmen Sie sich die Zeit, die Ankündigung der Bank zu lesen, Ihre Optionen zu vergleichen und den Wechsel sorgfältig vorzubereiten. Wenn Sie unsicher sind, welche Lösung für Sie die richtige ist, können Sie sich an die Verbraucherzentrale wenden. Sie bietet kostenlose Beratung zu Bankkonten und Kontowechsel an und hilft Ihnen, die Konditionen verschiedener Anbieter zu verstehen. So vermeiden Sie, dass Sie aus Ärger über die Gebührenerhöhung eine Entscheidung treffen, die Sie später bereuen.