Wenn Ihre Kreditkarte gekündigt wird, weil Ihre Bonität nicht mehr ausreicht, fragen Sie sich, was Sie jetzt tun können. Dieser Artikel richtet sich an private Verbraucher in Deutschland, die eine solche Kündigung erhalten haben oder befürchten. Der Score ist eine Zahl, die Auskunfteien wie die Schufa aus Ihren gespeicherten Daten berechnen. Er gibt Banken an, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie Ihre Zahlungen leisten. Ein niedriger Score führt dazu, dass ein Anbieter das Vertragsverhältnis beendet oder keine neuen Produkte anbietet.
Sie haben das Recht, Ihre gespeicherten Daten kostenlos einzusehen und Fehler korrigieren zu lassen. Ein großer Teil der Kündigungen beruht auf veralteten oder falschen Einträgen. Wer die Daten prüft, Fehler meldet und die eigene Zahlungshistorie in den Griff bekommt, verbessert den Score über Monate hinweg. Der Weg dorthin ist überschaubar, erfordert aber Geduld und genaue Unterlagen.
Was die Kündigung bedeutet und wie der Score zustande kommt
Die Schufa ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, kein staatliches Amt. Sie erhält ihre Informationen hauptsächlich über Vertragspartner aus der Wirtschaft, also Banken, Versandhändler und Mobilfunkanbieter. Schon die Eröffnung eines Girokontos wird dort eingetragen, und aus diesen Daten berechnet die Schufa einen Score, der Ihre Kreditwürdigkeit abbilden soll. Je niedriger der Score ist, desto höher schätzt die Bank das Risiko ein, dass Sie Rechnungen nicht bezahlen.
Die Schufa darf nicht alles speichern und auch nicht auf Dauer. Es gibt Löschfristen, nach denen Einträge entfernt werden müssen. Ein veralteter Eintrag belastet Ihre Kreditwürdigkeit lange Zeit, wenn niemand die Daten korrigiert. Neben der Schufa gibt es weitere Auskunfteien wie Creditreform Boniversum und CRIFBürgel. Auch dort können Einträge über Sie liegen, die eine Bank bei ihrer Entscheidung berücksichtigt.
Wenn die Bank die Kündigung ausgesprochen hat, fragen Sie zuerst nach, welche Auskunftei an der Entscheidung beteiligt war. Eine Bank muss Ihnen mitteilen, wenn eine Auskunftei Daten zu Ihrer Person geliefert hat. Diese Information brauchen Sie, um gezielt die richtige Datenkopie anzufordern und nicht bei jeder Auskunftei einzeln raten zu müssen.
Ab dem 17. März 2026 gilt ein neuer Schufa-Score. Statt der bisherigen maximal 100 Prozent reicht die Skala dann von 100 bis 999 Punkten. Die Schufa verwendet dafür nur noch zwölf Kriterien statt wie bisher hunderte. Für Sie ändert das zunächst wenig an der Praxis: Die Bank sieht weiterhin einen Score und entscheidet danach. Die Umstellung ist aber ein guter Anlass, die eigenen Daten zu prüfen, denn eine falsche Datenbasis führt zu einer fehlerhaften Bonitätsbewertung.
Daten prüfen und Fehler korrigieren
Sie haben ein Recht darauf, Ihren persönlichen Schufa-Eintrag kostenlos abzufragen und zu korrigieren. Die Verbraucherzentralen kritisieren allerdings, dass die Schufa dies unnötig schwer macht. Der erste Schritt ist eine Datenkopie nach der Datenschutz-Grundverordnung. Sie können diese einmal im Jahr kostenlos verlangen. In der Antwort sehen Sie, welche Einträge zu Ihrer Person gespeichert sind, von welchem Unternehmen sie stammen und wie Ihr Score berechnet wurde.
Prüfen Sie die Einträge Zeile für Zeile. Häufige Fehler sind veraltete Adressen, doppelte Einträge oder Zahlungsstörungen, die längst beglichen wurden. Vergleichen Sie die Angaben mit Ihren eigenen Unterlagen, etwa Kontoauszügen und Mahnungen. Wenn ein Eintrag falsch ist, melden Sie das der Auskunftei schriftlich und legen Sie Belege bei. Die Auskunftei muss den Eintrag prüfen und korrigieren oder löschen. Kosten entstehen Ihnen dafür nicht.
Für die erste Orientierung können Sie auch die App bonify nutzen, mit der Sie sich kostenlos über Ihre Kreditwürdigkeit informieren können. Für eine belastbare Grundlage, etwa wenn Sie einen Eintrag anfechten wollen, ist die formelle Datenkopie der Auskunftei der richtige Weg. Die Verbraucherzentrale zeigt in ihrem Ratgeber, wie Sie abfragen, was Auskunfteien gespeichert haben, und wie Sie sich bei falschen Einträgen wehren.
Beachten Sie, dass eine Korrektur Zeit braucht. Die Auskunftei muss Ihre Meldung prüfen, und wenn der Vertragspartner widerspricht, kann sich der Vorgang hinziehen. Halten Sie den Schriftverkehr fest und notieren Sie, wann Sie welche Meldung abgeschickt haben. Wenn die Auskunftei nicht reagiert oder eine Korrektur ablehnt, können Sie sich an die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde wenden oder rechtliche Schritte prüfen.
Was nach der Kündigung konkret hilft
Direkt nach der Kündigung sollten Sie nicht bei mehreren Banken gleichzeitig eine neue Kreditkarte beantragen, denn jede Anfrage erzeugt einen neuen Eintrag und viele Anfragen in kurzer Zeit können den Score weiter senken. Warten Sie stattdessen, bis Ihre Daten bereinigt sind, und beantragen Sie dann gezielt ein Produkt, das zu Ihrer Situation passt. Eine Prepaid-Kreditkarte, die Sie vorab aufladen, ist eine praktikable Zwischenlösung, um weiterhin bargeldlos zu zahlen, ohne eine Bonitätsprüfung zu durchlaufen.
Zahlen Sie offene Rechnungen pünktlich und reduzieren Sie bestehende Schulden. Eine regelmäßige Zahlungshistorie ist der stärkste Hebel, um den Score über Monate zu verbessern. Einzelne verspätete Zahlungen wiegen weniger schwer, wenn sie die Ausnahme bleiben. Vermeiden Sie in dieser Zeit neue Kredite oder Ratenkäufe, die zusätzliche Einträge erzeugen und den Score kurzfristig belasten können.
Wenn Sie unsicher sind, welche Einträge zu Ihrem Score geführt haben, oder wenn Sie mehrere Kündigungen erhalten, ist Beratung sinnvoll. Die Verbraucherzentralen helfen bei Fragen zu Schufa-Einträgen und Bonität und zeigen, welche Rechte Sie gegenüber Auskunfteien haben. Bei finanziellen Schwierigkeiten, die über eine einzelne Kreditkarte hinausgehen, ist eine Schuldnerberatung der richtige Ansprechpartner; sie hilft dabei, Schulden zu ordnen und einen Plan zu entwickeln, und ist in vielen Fällen kostenlos oder kostengünstig.
Kernaussagen
- Prüfen Sie Ihre Daten: Fordern Sie einmal im Jahr die kostenlose Datenkopie bei der Schufa und anderen Auskunfteien an, um Fehler zu finden.
- Korrigieren Sie falsche Einträge: Melden Sie Fehler schriftlich mit Belegen; die Korrektur ist kostenlos und verbessert den Score deutlich.
- Vermeiden Sie viele Kreditanfragen auf einmal: Jede Anfrage erzeugt einen neuen Eintrag und senkt den Score weiter.
- Zahlen Sie Rechnungen pünktlich: Eine saubere Zahlungshistorie über mehrere Monate ist der wirksamste Weg, den Score zu verbessern.
- Nutzen Sie die Umstellung 2026: Ab März 2026 gilt ein neuer Score mit 100 bis 999 Punkten und zwölf Kriterien, die Datenprüfung bleibt der wichtigste Hebel.
FAQ
Wie oft kann ich meine Schufa-Daten kostenlos einsehen?
Einmal im Jahr haben Sie Anspruch auf eine kostenlose Datenkopie nach der Datenschutz-Grundverordnung. Weitere Abfragen innerhalb des Jahres sind kostenpflichtig. Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass die Schufa die kostenlose Abfrage unnötig schwer macht.
Was kostet die Korrektur eines falschen Eintrags?
Die Korrektur ist kostenlos. Sie müssen die Auskunftei schriftlich informieren und Belege beifügen. Die Auskunftei ist verpflichtet, den Eintrag zu prüfen und zu korrigieren oder zu löschen.
Kann ich direkt nach der Kündigung eine neue Kreditkarte beantragen?
Technisch ja, aber es ist meist nicht sinnvoll. Jede Anfrage erzeugt einen neuen Eintrag, und mehrere Anfragen in kurzer Zeit senken den Score weiter. Warten Sie, bis Ihre Daten bereinigt sind, und beantragen Sie dann gezielt ein Produkt.
Was ändert sich mit dem neuen Score ab März 2026?
Die Skala wechselt von maximal 100 Prozent auf 100 bis 999 Punkte
Die Schufa verwendet nur noch zwölf Kriterien. Für die Kündigungspraxis der Banken ändert sich zunächst wenig, aber die Umstellung ist ein guter Anlass, die eigenen Daten zu prüfen.
Hilft eine Prepaid-Kreditkarte nach der Kündigung?
Eine Prepaid-Kreditkarte, die Sie vorab aufladen, ist eine praktikable Alternative, um weiterhin bargeldlos zu zahlen. Sie ersetzt aber keine Bonitätsverbesserung. Der Score verbessert sich nur durch pünktliche Zahlungen und bereinigte Daten.