Wenn ein mittelständischer Betrieb investieren will und schwerer an einen Bankkredit kommt, sollte er zuerst klären, woran es liegt. Die jüngsten KfW-Zahlen zeigen vor allem, dass weniger Unternehmen überhaupt einen Kredit aufnehmen wollen. Sie belegen nicht, dass Banken allgemein mehr Kreditanträge ablehnen. Für die Entscheidung zählt deshalb, ob es am Kreditangebot, an den Anforderungen der Bank oder daran liegt, dass der Betrieb keine neuen Schulden aufnehmen will.
Ein Bankkredit bleibt wichtig: Nach Angaben von KfW Research finanziert er etwa ein Drittel der jährlichen Mittelstandsinvestitionen. Gut die Hälfte stammt aus Eigenmitteln, etwa aus einbehaltenen Gewinnen. Als Alternativen kommen je nach Vorhaben Förderkredite, Eigenkapital oder eine Finanzierung über den Kapitalmarkt infrage. Entscheidend sind die benötigte Summe, die Möglichkeit zur Rückzahlung und die Bedingungen, die der Betrieb erfüllen kann und will.
Weniger Betriebe ziehen einen Kredit in Betracht
In einer KfW-Sonderbefragung vom Januar 2026 waren nur 27 Prozent der Mittelständler grundsätzlich bereit, einen Bankkredit für Investitionen aufzunehmen. 2023 lag der Wert bei 42 Prozent, 2017 bei 66 Prozent. Die Befragung erfasst die Bereitschaft zur Kreditaufnahme; aus ihr lassen sich weder die Zahl der Anträge noch die Häufigkeit ablehnender Bankentscheidungen direkt ableiten.
| Jahr | Betriebe, die einen Investitionskredit erwägen | Balken |
|---|---|---|
| 2017 | 66 % | ██████████ |
| 2023 | 42 % | ██████ |
| Januar 2026 | 27 % | ████ |
Anteile aus der KfW-Sonderbefragung; Balken veranschaulichen den Rückgang. Die KfW-Ergebnisse zeigen auch, warum viele Betriebe zurückhaltend sind: Fast zwei Drittel wollen Schulden vermeiden. 30 Prozent beklagen zudem, dass Banken und Sparkassen zu viele Informationen verlangen. 2023 sagten das 17 Prozent.
Hier geht es zum passenden Kredit
Wer eine Finanzierung sucht, sollte deshalb zuerst unterscheiden: Ist die Bank zu strengen Bedingungen bereit, den Kredit zu prüfen, oder will der Betrieb selbst keine zusätzlichen Schulden? Im zweiten Fall hilft ein Wechsel des Finanzierungswegs nur, wenn die Alternative tatsächlich besser zu Liquidität, Laufzeit und Risiken passt.
Wann der Bankkredit weiterhin passt
Ein Bankdarlehen eignet sich vor allem dann, wenn ein Unternehmen einen klar bezifferten Finanzierungsbedarf hat und die Rückzahlung aus künftigen Einnahmen planen kann. Für den Kreditantrag sollte der Betrieb erklären, wofür er das Geld braucht, wann das Vorhaben Einnahmen oder Einsparungen bringt und wie Zins und Tilgung in den Zahlungsplan passen.
Für die Kreditprüfung braucht die Bank Einblick in die Zahlen des Betriebs. Wer die verlangten Angaben für übertrieben hält, sollte konkret nachfragen, welche Unterlagen fehlen und welche davon für die Entscheidung nötig sind. Vollständige Unterlagen erleichtern die Prüfung, die Bank kann den Antrag aber trotzdem ablehnen. Sie zeigen auch, ob bestimmte Kennzahlen oder fehlende Sicherheiten ein Hindernis sind.
Wird ein Kredit abgelehnt, sollte der Betrieb nach dem ausschlaggebenden Grund fragen. Wenn die erwarteten Einnahmen für die Rückzahlung nicht ausreichen, braucht der Betrieb eine andere Lösung als bei fehlenden Sicherheiten oder einer unpassenden Laufzeit. Erst wenn der Grund feststeht, lässt sich sinnvoll entscheiden, ob eine angepasste Kredithöhe, ein längerer Planungshorizont oder ein anderer Finanzierungsweg infrage kommt.
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Förderkredit: andere Konditionen, aber kein direkter Ausweg an der Bank vorbei
Förderkredite können die Finanzierung eines Vorhabens unterstützen. Bei vielen KfW-Krediten läuft der Antrag über eine Hausbank. Die Hausbank prüft das Vorhaben und leitet den Antrag weiter. Ein Förderprogramm umgeht die Kreditprüfung durch die Bank also nicht automatisch.
Die IHK Bonn/Rhein-Sieg informiert über den KfW-Gründerkredit StartGeld. Förderbedingungen können sich ändern; die Programminformationen sind daher keine Zusage, dass das Programm unverändert verfügbar ist. Vor einer Antragstellung müssen Unternehmen die aktuellen Förderbedingungen prüfen und mit der Hausbank klären, welches Programm zum Vorhaben passt.
Bei einem drohenden Liquiditätsengpass sollte ein Betrieb frühzeitig mit Bank, Steuerberatung oder einer unabhängigen Unternehmensberatung sprechen. Förderanträge brauchen eine tragfähige Ausgangslage; wer zu lange wartet, verschlechtert seine Verhandlungsposition. Fördermittel sind daher kein Ersatz für eine rechtzeitige Planung.
Eigenmittel schonen und gezielt einsetzen
Eigenmittel vermeiden zusätzliche Kreditraten, sind aber nicht kostenlos: Geld, das in eine Investition fließt, fehlt zunächst als Reserve für laufende Ausgaben und unvorhergesehene Belastungen. Der Betrieb sollte deshalb nicht nur prüfen, ob genug Eigenmittel vorhanden sind. Er muss auch berechnen, wie viel Geld nach der Investition für laufende Ausgaben übrig bleibt.
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Die KfW-Befragung ergab, dass 36 Prozent der Unternehmen nach eigener Einschätzung genügend Eigenmittel für Investitionen haben. Diese Zahl stammt aus einer anderen Erhebung als die Creditreform-Angabe, wonach 36 Prozent der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent aufweisen. Die Werte messen unterschiedliche Sachverhalte und lassen sich nicht gleichsetzen.
Der Betrieb kann Eigenmittel für einen Teil des Vorhabens einsetzen und so den benötigten Kredit senken. Zugleich sollte genug Geld für laufende Ausgaben übrig bleiben. Ob diese Kombination passt, hängt von den erwarteten Einnahmen und den verfügbaren Reserven ab.
Anleihe: eine Option für größere Finanzierungsbedarfe
Kleinere Unternehmensanleihen richten sich an mittelständische Unternehmen mit einem deutlich größeren Kapitalbedarf. Ein Beitrag in Finance Magazin nennt ein Mindestvolumen von 20 Millionen Euro oder Schweizer Franken; als Größenordnung für kleinere Anleihen werden 20 bis 100 Millionen genannt. Für viele kleinere Vorhaben ist diese Form deshalb nicht passend.
Bei einer Anleihe stellen Anleger dem Unternehmen Geld zur Verfügung. Laut dem Beitrag werden solche Anleihen ohne typische finanzielle Kreditauflagen und ohne Sicherheiten begeben. Das Unternehmen zahlt das Kapital am Ende der Laufzeit zurück. Bei einem Kredit kann das Unternehmen regelmäßig tilgen; bei einer Anleihe muss es am Laufzeitende eine größere Summe auf einmal zurückzahlen. Es sollte deshalb frühzeitig prüfen, ob es diesen Betrag dann aufbringen oder durch eine neue Finanzierung ersetzen kann.
Als Beispiel nennt der Beitrag eine Anleihe der Wolffkran Gruppe über 38 Millionen Schweizer Franken mit einem Kupon von fünf Prozent. Das ist ein Einzelfall und kein allgemeiner Maßstab für Kosten oder Eignung. Die Darstellung kleinerer Anleihen stammt zudem von einem Anbieter von Corporate-Finance-Dienstleistungen. Unternehmen sollten die Bedingungen daher mit unabhängiger Beratung prüfen.
So fällt die Entscheidung für den nächsten Schritt
Klären Sie zuerst die Eckdaten des Vorhabens: Wie viel Geld wird gebraucht, wann wird es benötigt und aus welchen Einnahmen soll der Betrieb es zurückzahlen? Fragen Sie danach, woran die bisherige Finanzierung scheitert. Fehlen Sicherheiten? Reichen die erwarteten Einnahmen nicht für die Rückzahlung? Oder will der Betrieb grundsätzlich keine neuen Schulden aufnehmen? Für jede dieser Ursachen kommt eine andere Lösung infrage.
Wenn der Kapitalbedarf überschaubar ist und die Einnahmen für die Rückzahlung ausreichen, sollte der Betrieb zuerst einen Bankkredit oder einen passenden Förderkredit prüfen. Bei knapper Liquidität sollte der Betrieb zuerst die Investition und den Zahlungsplan überarbeiten, statt weitere Schulden aufzunehmen. Eine Anleihe kann bei einem Kapitalbedarf von mehreren zehn Millionen Euro infrage kommen. Für kleinere Vorhaben sind die genannten Mindestvolumen meist zu hoch.
Vergleichen Sie bei jedem Angebot die Gesamtkosten, Laufzeit, Sicherheiten, Tilgungsplan und Folgen bei schwächeren Geschäftsergebnissen. Ein niedriger Zinssatz allein sagt wenig darüber aus, ob die Finanzierung zur Zahlungsfähigkeit des Unternehmens passt.
FAQ
Belegen die Zahlen, dass Banken Mittelständlern häufiger Kredite verweigern?
Nein. Die KfW-Befragung misst, wie viele Betriebe einen Kredit grundsätzlich erwägen. Sie enthält in den vorliegenden Angaben keine Ablehnungsquote für Kreditanträge. Zugleich berichten Unternehmen häufiger, dass Banken umfangreiche Angaben verlangen.
Wie gehe ich vor, wenn die Bank meinen Kreditantrag ablehnt?
Fragen Sie nach dem konkreten Ablehnungsgrund und danach, welche Unterlagen oder Änderungen die Entscheidung beeinflussen würden. Prüfen Sie anschließend, ob sich Kredithöhe, Laufzeit oder Eigenmittelanteil anpassen lassen. Wenn die Rückzahlung auch mit Änderungen nicht tragfähig ist, sollte die Investition neu geplant werden.
Umgeht ein KfW-Förderkredit die Prüfung durch die Hausbank?
Bei vielen KfW-Krediten wird der Antrag über eine Hausbank gestellt. Diese prüft das Vorhaben und die Kreditwürdigkeit, bevor sie den Antrag weiterleitet. Fördermittel ersetzen daher nicht automatisch die Prüfung durch die Bank.
Wann kommt eine Unternehmensanleihe infrage?
Die genannten kleineren Anleihen setzen ein Mindestvolumen von 20 Millionen Euro oder Schweizer Franken voraus. Sie passen deshalb eher zu Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf und einem tragfähigen Plan für die Rückzahlung am Laufzeitende.
Kernaussagen
- Prüfen Sie zuerst den Engpass: Die KfW-Zahlen zeigen sinkende Kreditbereitschaft, aber keine steigende Ablehnungsquote.
- Klären Sie den Bankentscheid: Fragen Sie nach dem konkreten Grund für eine Ablehnung, bevor Sie den Finanzierungsweg wechseln.
- Schützen Sie die Liquiditätsreserve: Eigenmittel senken den Finanzierungsbedarf, dürfen aber den laufenden Betrieb nicht gefährden.
- Behandeln Sie Förderkredite als Bankfinanzierung mit Förderbedingungen: Die Hausbank bleibt bei vielen KfW-Programmen Teil der Prüfung.
- Prüfen Sie Anleihen nur bei großem Bedarf: Die genannten Mindestvolumen von 20 Millionen Euro oder Schweizer Franken schließen viele kleinere Vorhaben aus.